Früher galten Gegenständlichkeit und Abstraktion als Gegenpole. Doch heute ist nicht früher. Die Tatsache, dass jemand malt, ist längst selbst zum Bildgegenstand geworden. Das Malen an sich ist heute ein vollwertiges Bild für den Betrachter – man muss es für uns, das notorisch unaufmerksame Publikum, nur richtig rahmen. Was uns solche medien- und bildreflexiven Bilder dann alles erzählen können, zeigt seit knapp dreieinhalb Jahrzehnten David Reed. Seine Malerei will der Rahmen sein, der sich um den Akt des Malens legt. Und wie sieht der Rahmen aus? Er ist ein Bild.
Reeds Gemälde, die er lakonisch durchnummeriert und sachlich als „paintings“ verstanden wissen will, rücken den Vorgang der Komposition, der mitunter über Jahre hinweg betriebenen Korrektur, der gestalterischen Zuspitzung in den Blick. Es sind rasant gestische, schichtweise aufgetragene, aber dann wieder zeitaufwändig voneinander gesonderte und kompositorisch verknüpfte Felder, „frames“ und „inserts“, die für den der filmischen Wahrnehmung fähigen Betrachter über- und nebeneinandergeschaltet sind. Schwelgerisch barocke Zuckerbäckereien aus Pigment und Binder, fließend eleganter Malbewegung und korrigierend gedrechseltem Feinschliff. Nicht nur schillernde Farbe lagert sich in den vielen transluzenten Schichten ab, sondern auch die Zeit, die ein Bild zum Reifen braucht.
Zwei neue, vielfach überarbeitete Gemälde sind bei Schmidt Maczollek zu sehen. Sie werden durch die „Color Studies“ ergänzt, Werke eines Atelieralchimisten, forschend dokumentierende Produktionswirklichkeit aus Farbmischung und Pinselspur. Die Überraschung dieser Schau aber sind die „Working Drawings“, die Kompositionsstudie, Farbprobe und Tagebuch vereinen. Sie vermitteln uns eine inszenierte Idee davon, wie der Wunsch nach Wirkung in die Wirklichkeit des Machens eingreift; wie sich der Prozess nach dem Ergebnis sehnt und jedes Ergebnis nur wieder Anlass zu neuen Problemstellungen wird. Damit erhält die ermalte Selbstrelevanz von Reeds Bildern einen Dreh ins Literarische. Das bedeutet nicht nur für den Künstler selber einen völlig neuen Plot. So nah durften wir Reed und seinen Bildern, der Spiralbewegung aus Form und Form über Form, noch niemals kommen.











