Ökologisch korrektes Benehmen sah nie besser aus als heute. Der Öko in uns hat die ausgebeulte Latzhose, den kratzigen Norwegerpullover und die ausgetretenen Birkenstockschuhe weggeworfen, pardon, wiederverwertbar entsorgt, und sich auf dem Weg in die gesellschaftliche Mitte schick gemacht. Dass da auch die Kunst mitzieht, versteht sich. Ökologische Anliegen sind auch hier en vogue. Wie im Fall der aktuellen Ausstellung von Christian Holstad in der Galerie Schmidt & Handrup. „The Great Pacific Garbage Patch“ heißt sie, und genau darum geht es auch: um jene gleichnamige und erst 1997 entdeckte schwimmende Insel aus Müll, die sich am Kreuzungspunkt verschiedener Pazifikströmungen gebildet hat – in einer geschätzten Größe von drei iberischen Halbinseln.
Die Ausstellung selbst ist ein Archipel. Auf sieben kleinen Inseln aus dunklem Sand sind Altglasbrocken, Staniolfolie und Plastikblätter drapiert, dazwischen vier schlaffe, bunte Gebilde aus Stoff, Fäden und synthetischen Textilien. Was auf den ersten Blick wie glibbrige Riesenquallen wirkt, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als nachgebaute Einkaufswagen, inklusive sattsam bekannter Marken-Logos: von „Bauhaus“ bis „Plus“. Klar, der Einkaufswagen ist die Chiffre für unseren Konsum. Er ist das Übergangsvehikel zwischen Wohnung und Kaufhausregal, ein postzivilisatorisches Mahnmal von der globalen Müllkippe hinter dem Horizont. Mutationen, angespült an den Strand des Kunstbetriebs.
Dass Holstad seine Skulpturen mit Schwarzlicht, Soundtrack und wechselnder farbiger Beleuchtung eher übertrieben künstlich als realistisch in Szene setzt, mag am Ende die ganze Ausstellung retten. Denn sie zielt mit ihrem ökologischen Anliegen nicht auf unser Bewusstsein. Sie zielt auf die Vorstellungskraft. Hier geht es darum, Bilder für das große Verdrängte der Konsumgesellschaft zu finden, für etwas, was man nicht sieht, oder besser gesagt, nicht zu sehen bekommt. Bewusstseins-Science-Fiction ist das also. Die Probleme werden hier nicht benannt. Die Ursachen nicht diskutiert. Die Hoffnung könnte sein, dass unser kollektives Unbewusstes die Bilder von etwas speichert, das keine medial verwertbaren Bilder hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt.











