Der diskrete Charme der Materialmeditation
Petra Rinck Galerie
Von Noemi Smolik

Astali/Peirce, Marsha Cottrell, Christine Moldrickx: „About the Details” - Petra Rinck Galerie, Düsseldorf. Vom 3. September bis 23. Oktober 2010

Auf den ersten Blick verbindet diese drei künstlerischen Positionen nichts. Das multinationale Künstlerduo Tolis Astali und Dylan Peirce geht vom Material aus, die New Yorkerin Marsha Cottrell arbeitet mit dem Computer und Christine Moldrickx, die junge Absolventin der Düsseldorfer Akademie, wendet sich den traditionellen Medien Leinwand und Pinsel zu. Doch Kunst ist keine Angelegenheit für erste Blicke und überraschenderweise beweist die Ausstellung bei Petra Rinck, dass alle drei mehr verbindet als trennt.

Beim Betreten der Galerie kommt man um den großen Tisch von Astali/Peirce nicht herum. Fetzen aus grauschwarzem Polyester sind auf seiner Glasplatte ausgebreitet. Eine fragile, karge Landschaft entsteht, die trotz ihres kleinen Maßstabs wie aus einem melancholischen Science-Fiction-Film, ja beinahe bedrohlich wirkt. Ihr gegenüber werden drei Gemälde von Christine Moldrickx gestellt, mit dem kryptischen, einer chinesischen Redewendung entlehnten Titel Die ausgefallenen Zähne kehren an ihren Platz zurück. Die Bilder selbst indes sind alles andere als kryptisch. Auf grundierten Leinwänden, die ohne Keilrahmen an der Wand wie Häute wirken, werden mit konzentrierter Energie Striche aufgetragen, Grafit, Eisenpartikel oder reine Farbpigmente verteilt. Der Umgang mit dem Material ist auch hier entscheidend.

In diesen Materialakkord mischen sich schließlich vier Zeichnungen von Marsha Cottrell. Eigentlich sind es keine Zeichnungen, sondern raffinierte Ink-Jet-Drucke, die unmittelbar nach dem Ausdruck, wenn die Farbe noch feucht ist, zum Aquarell verwischt worden sind. Sie zeigen Linien und Kreise, Wellen, Punkte und Haken. Man kann ferne Landschaften oder explosionsartige Vorgänge in sie hineinprojizieren. Dabei beruhen sie ausschließlich auf den typografischen Zeichen, über die jeder Computer verfügt. Hier wird auch Virtualität materiell und zugleich fragil. Es ist diese fragile Feinheit gepaart mit einem Sinn für Details, die drei individuelle künstlerische Ansätze zur Ausstellung verknüpft. Die Schau heißt „About the Details“. Übersetzt heißt das hier „Feinheiten lernen“ und ist eine Schule des Sehens.

Christine Moldrickx
Unruhige Haut, kräftig zerkaut, 2010
Folie, Farbe
117 x 160 cm
Courtesy of Petra Rinck Galerie, Köln

Marsha Cottrell
Ohne Titel, 2010
Plastik und Eisenoxid auf Mylar
21 x 28 cm
Courtesy of Petra Rinck Galerie, Köln

Tolia Astali/Dylan Peirce
IX III XVIII, 2009
Polyester und verschiedene Materialien
38 x 52 cm
Courtesy of Petra Rinck Galerie, Köln

Petra Rinck Galerie

Tolia Astali/Dylan Peirce, Marsha Cottrell, Christine Moldrickx

Gruppenausstellungen sind gut, um neue Positionen zu testen. Petra Rinck zum Beispiel führt die beiden Galeriekünstler Tolia Astali (geb. 1974 in Tiflis) und Dylan Peirce (geb. 1977 in Paris) mit zwei Gästen zusammen. Zu den skelettartigen Materialerkundungen des Duos Astali/Peirce gesellen sich nun die Computerdrucke von Marsha Cottrell (geb. 1964 in Philadelphia), in denen Zeichnung an ihre Grenzen gerät. Dritte im Bunde ist Christine Moldrickx (geb. 1984 in Münster), eine Künstlerin, die malerische, bildliche und gedankliche Oberflächen erforscht. Es ist also eine Versammlung beharrlicher Konzeptualisten, die sich hier im wahrsten Sinne des Wortes am Bildmaterial abarbeitet.

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