Nicht nur der Kunstmarkt oder die Kunst selber, auch das seriöse Gespräch über Kunst, ihr Diskurs also, sind Konjunkturen unterworfen. Worüber wir gestern sprachen, den neuen, mit allerhand Referenzen an die Moderne und die Tradition des Kunsthandwerks aufgepeppten Formalismus der Nullerjahre etwa, danach kräht heute schon kein Hahn mehr.
Von Stephan Melzls kleinformatigen Malereien erzählte man sich dagegen schon mit einiger Hochachtung, als die Malerei ihr Comeback als schlagzeilenträchtiges Metier noch vor sich hatte. Keine zehn Jahre ist das her. Da wussten die Trendunabhängigeren unter Analysten und Anlegern bereits, dass etwas dran sein muss an diesen fast immer allegorisch verrätselten und trotz ihres motivischen Anspielungsreichtums zwischen Barock und Bilitis, erotischer Verführung und religiöser Rettungsfantasie höchst kompakten Szenerien. Bühnenstücke der malerischen Fantasie sind seine Bilder, die bei allem öligen Eros handwerklich sehr sorgfältig auf kleinen Holztäfelchen modelliert und seltsam von innen her leuchtend in Szene gesetzt sind. Seitdem ist es aber paradoxerweise still geworden um den Basler Maler mit langjährigem Sitz in Frankfurt/Main. Voll und ganz unverdient ist der Malereiboom über ihn sozusagen hinweggedonnert. Denn Melzl, das zeigt seine aktuelle Schau mit durchwegs neuen Arbeiten, hat nicht nur weitergemacht. Er ist eben gerade nicht auf einem einmal etablierten Produktionsstand kleben geblieben.
Sicher. Nach wie vor knotet sich Melzl seine künstlerische Problemstellung im traditionskontaminierten Feld der Malerei zusammen. Und wem es nun mangels Novität der Mittel sofort graust, wird noch schlimmer finden, dass sich Melzl, ohne mit der Wimper zu zucken, auch inhaltlich treu geblieben ist. Seine Kammerspiele um Verführung und Verführbarkeit, deren Quell merkwürdig feinsinnig gemalte und nur umso aufregender daherkommende Teenage-Elfen sind, wirken ziemlich genrehaft und selbstbezüglich. Aber hat das Thema des Begehrens nicht immer Konjunktur? Ist, wenn wir schon von Bildern und Medien sprechen, die Malerei nicht geradezu prädestiniert dazu, uns das allerschlüpfrigste Terrain besonders suggestiv vor unseren Augen zu entfalten? Am Ende des besinnungslosen Malerei-Booms hätten wir eine zweite Chance, uns Stephan Melzls Werke, in denen es um die Wirkungsweise der Bilder und die Rolle des Blicks geht, erneut und vorurteilsfreier als bisher anzuschauen.












