Das Kammerspiel der Teenage-Elfen
Thomas Rehbein Galerie
Von Hans-Jürgen Hafner

Stephan Melzl - Thomas Rehbein Galerie, Köln. Vom 4. September bis 12. Oktober 2010

Nicht nur der Kunstmarkt oder die Kunst selber, auch das seriöse Gespräch über Kunst, ihr Diskurs also, sind Konjunkturen unterworfen. Worüber wir gestern sprachen, den neuen, mit allerhand Referenzen an die Moderne und die Tradition des Kunsthandwerks aufgepeppten Formalismus der Nullerjahre etwa, danach kräht heute schon kein Hahn mehr.

Von Stephan Melzls kleinformatigen Malereien erzählte man sich dagegen schon mit einiger Hochachtung, als die Malerei ihr Comeback als schlagzeilenträchtiges Metier noch vor sich hatte. Keine zehn Jahre ist das her. Da wussten die Trendunabhängigeren unter Analysten und Anlegern bereits, dass etwas dran sein muss an diesen fast immer allegorisch verrätselten und trotz ihres motivischen Anspielungsreichtums zwischen Barock und Bilitis, erotischer Verführung und religiöser Rettungsfantasie höchst kompakten Szenerien. Bühnenstücke der malerischen Fantasie sind seine Bilder, die bei allem öligen Eros handwerklich sehr sorgfältig auf kleinen Holztäfelchen modelliert und seltsam von innen her leuchtend in Szene gesetzt sind. Seitdem ist es aber paradoxerweise still geworden um den Basler Maler mit langjährigem Sitz in Frankfurt/Main. Voll und ganz unverdient ist der Malereiboom über ihn sozusagen hinweggedonnert. Denn Melzl, das zeigt seine aktuelle Schau mit durchwegs neuen Arbeiten, hat nicht nur weitergemacht. Er ist eben gerade nicht auf einem einmal etablierten Produktionsstand kleben geblieben.

Sicher. Nach wie vor knotet sich Melzl seine künstlerische Problemstellung im traditionskontaminierten Feld der Malerei zusammen. Und wem es nun mangels Novität der Mittel sofort graust, wird noch schlimmer finden, dass sich Melzl, ohne mit der Wimper zu zucken, auch inhaltlich treu geblieben ist. Seine Kammerspiele um Verführung und Verführbarkeit, deren Quell merkwürdig feinsinnig gemalte und nur umso aufregender daherkommende Teenage-Elfen sind, wirken ziemlich genrehaft und selbstbezüglich. Aber hat das Thema des Begehrens nicht immer Konjunktur? Ist, wenn wir schon von Bildern und Medien sprechen, die Malerei nicht geradezu prädestiniert dazu, uns das allerschlüpfrigste Terrain besonders suggestiv vor unseren Augen zu entfalten? Am Ende des besinnungslosen Malerei-Booms hätten wir eine zweite Chance, uns Stephan Melzls Werke, in denen es um die Wirkungsweise der Bilder und die Rolle des Blicks geht, erneut und vorurteilsfreier als bisher anzuschauen.

Stephan Melzl
Vergessene Bilder, 2009
Öl auf Holz
65 x 50 cm
Courtesy of Thomas Rehbein Galerie, Köln

Stephan Melzl
Einfühlung, 2010
Öl auf Holz
80 x 65 cm
Courtesy of Thomas Rehbein Galerie, Köln

Stephan Melzl
Sonnenstreifen, 2009
Öl auf Holz
65 x 50 cm
Courtesy of Thomas Rehbein Galerie, Köln

Stephan Melzl
Entwurf, 2010
Öl auf Holz
65 x 50 cm
Courtesy of Thomas Rehbein Galerie, Köln

Stephan Melzl
Kleine Andacht (2), 2009
Öl auf Holz
65 x 50 cm
Courtesy of Thomas Rehbein Galerie, Köln

Stephan Melzl

Nicht alles, was ordnungsgemäß naturgetreu auf eine Leinwand gemalt wird, kann man auch eindeutig entschlüsseln. Das gilt besonders für die Werke Stephan Melzls (geb. 1959 in Basel). Zwar lassen sich die einzelnen Motive auf seinen altmeisterlich wirkenden Arbeiten mühelos identifzieren, doch rätselhaft bleibt, was sie da miteinander treiben. Denn Melzl zitiert wild drauflos, schachtelt Bilder in Bilder, bis wir endlich kapieren: Melzl ist kein Geschichtenerzähler, sondern Bildanalytiker.

Ausgewählte Einzelausstellungen:

2009 Loock Galerie, Berlin, D
2003 Galerie Martina Detterer (mit Michael Reiter), Frankfurt/Main, D
2002 Kunstverein Freiburg (mit Martin Wehmer), Freiburg i. Br., D

Ausgewählte Gruppenausstellungen:

2009 Golden Agers & Silver Surfers. Das Bild des Alter(n)s in der zeitgenössischen Kunst, Kunsthaus Baselland, Muttenz, CH
2007 Von Abts bis Zmijewski, Pinakothek der Moderne, München, D
2005 See History 2005. Der private Blick, Kunsthalle Kiel, D

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