Viele Worte verliert sie nicht, Florian Baudrexels Kunst. Seine Ausstellung bei Linn Lühn ist stumm, fast schon erratisch, auf jeden Fall reduziert. „Kneeling Window“ heißt sie und bezieht sich damit auf jene berühmten „knienden Fenster“, mit denen Michelangelo den Medici-Palast zu Florenz gestaltete. Doch dann ist auch schon Schluss mit den Referenzen. Selbst dieses eine kunsthistorische Winkelspiel kommt ausschließlich im Titel vor.
Jenseits davon gibt es nur noch die Arbeiten selbst. Drei kleinformatige Collagen zum Beispiel. Geht man an ihnen entlang, beschreiben sie eine Bewegung von der klassischen Cut-and-Paste-Technik, die ihr Ursprungsmaterial sichtbar lässt, bis zur völligen Auflösung des Papiers. Abgerieben, ineinandergebacken, zerfleddert und wieder neu zusammengesetzt formen sich hier Zeitschriftenausrisse zu einer visuellen Sprache wie aus der abstrakten Malerei. Miniaturen der großen Geste, heruntergedimmt, dennoch gesammelt und voller Kraft, „wie eine sexy Raubkatze“ eben. So sind an einer Stelle zumindest die eingespeisten Wortfragmente noch zu entziffern.
Dominiert wird der Raum von La Macchina, einer riesigen, wuchtigen Skulptur aus grau gesprenkeltem Styropor, die aus der Wand in den Raum hineinwächst. Kantig, eckig, verschachtelt und dynamisch stülpt sie sich unentwegt in sich selbst, rekombiniert sie sich pausenlos. Ein Transformer, eine Automaschine. Auch sie voller Kraft, Ausdruck von Potenz, kurzfristige Arretierung eines fließenden Zustands, der ein Styropormodell im Handumdrehen zu einem fertigen Werk werden lässt.
Im Bürotrakt der Galerie wird dann erneut deutlich, wie wichtig jener Moment für Baudrexels Kunst ist, in dem sich der Entwurf in das Werk verwandelt. Hier versteckt sich eine ausladende Wandarbeit, ein Ideenboard mit Miniaturen und Studien unrealisierter Arbeiten. Baudrexel bestückt diesen Setzkasten der Möglichkeiten seit 2004. Jetzt hat er ihn aus dem Atelier geholt und damit in den Status einer fertigen Arbeit versetzt. Hier laufen noch einmal alle Stränge dieser Ausstellung zusammen: Sie ist ein radikal selbstreferenzielles, selbstreflexives Spiel. Noch einmal beweist Linn Lühn, die ihren Kölner Ausstellungsraum schließen wird, radikale Konsequenz. Für so unverwässerte Präsentationen brauchen heute nicht nur Sammler, sondern auch die Öffentlichkeit Galerien.











