Es ist ein Faszinosum: wie man mit minimalem Aufwand und lächerlich lapidaren Mitteln Bedeutung, ja, eine schlüssige Syntax generieren kann. Diese Fähigkeit teilt Joel Shapiro mit zahlreichen Bildhauern seiner Generation. Die Arbeiten in der Galerie Karsten Greve bestätigen es noch einmal eindrücklich. Gewiss finden sich hier auch kapitale, kantige Bronzen, von denen eine überraschend auf die Katastrophe des 11. Septembers und die Zwillingstürme anspielt. Subtiler jedoch sind die von der Decke herabhängenden, langsam im Luftzug kreiselnden Assemblagen aus Holzklötzchen und Leisten, die mit Ösen und Drähten zu Figurationen verbunden sind. Der Draht darf hier und da gestisch agieren, womöglich hat der Bildhauer dabei etwas nachgeholfen; jeder kleine Nagel, scheinbar achtlos ins Holz geschlagen und noch überstehend, beansprucht die Aufmerksamkeit. Mühelos schreiben sich diese vielansichtigen Cluster, in die man sich lange und gewinnbringend vertiefen kann, in die Geschichte der Skulptur seit Kurt Schwitters und El Lissitzky ein. Ihre Fragilität lässt unvermittelt an Richard Tuttle oder Cy Twombly denken.
Noch in die abstraktesten Werke Shapiros schleichen sich anthropomorphe Allusionen ein. Shapiro macht damit kenntlich, dass er sich nicht als Hohepriester eines abstrakten, autonomen Reinheitsgebots versteht. Dogmatik gibt es in diesem Werk nicht. Das ist zugleich Shapiros Risiko. Wo er die figurativen Andeutungen zu stark werden lässt oder sie gar tatkräftig befördert, indem er die menschliche Figur zum Maßstab macht, drohen seine Arbeiten in Gliederpuppen-Banalität abzugleiten. Überzeugender sind jene Werke, die sich gegen allzu naheliegende spontane Assoziationen behaupten. Shapiro ist eben da am besten, wo er bei der Syntax bleibt und ihr nicht noch erzählerische Momente einpflanzt.












