Nein, ein One-Liner-Künstler ist Knut Klaßen wahrlich nicht. Er ist keiner von denen, die sich aus Lust, Geschäftssinn oder intellektueller Dürftigkeit eine Karriere lang an dasselbe Thema klammern. Klaßen ist ein Multitaskingtalent. Während der Arbeit an einem Film entstehen gleich auch ein paar Fotos. Bei der Produktion für ein Theater fällt eine Performance ab. Und all das bietet genügend Stoff für reflexive Tableaus über die Arbeitsbedingungen im Kunstbetrieb. Einer wie Klaßen ist schwer zu greifen.
Wie gut, dass Thomas Flor ihm eine Art Gehirnzentrale eingerichtet hat. 46 Schwarz-Weiß-Plakate erlauben einen Einblick in den Klaßen’schen Gedankenkosmos: Da gibt es Fotos von afrikanischen Tänzern, Architekturelementen, da wird Bildkomparatistik betrieben, wimmelt es von institutionskritischen Aperçus und Selbstverweisen – und natürlich stammen fast alle Texte und Bilder vom Künstler selbst. Sein Blick ist eine Art Nacktscanner. Die Machtansprüche, Ideologien, Beweggründe hinter den Erscheinungsformen unserer Welt? Klaßen durchschaut sie alle.
Umso verwunderlicher wirkt da die titelgebende Arbeit Die Geheimnisse des Herrn Onassis (alle 2010). Hier gerät Klaßen in den Sog dessen, was er vorführen will. Klaßen hat jahrelang mit John Bock zusammengearbeitet. Die Kamera war dabei fast immer an. Klaßens Video ist eine Kompilation über die Grand Tour der Jungstars um die Welt. Künstler, Galeristen, Kuratoren, die Hotshots von einst und jetzt, kommen hier mit oft entblößend schlichten Auslassungen zu Wort, und manche Insiderstory wird nun auch publik gemacht. Nein, sympathisch ist das nicht, wie sich dieser Boys-Club selber feiert (Mädels dürfen bei einer Kostümprobe dafür mal die Titten zeigen), aber das ist ja auch nichts Neues. Was bei dieser Arbeit wirklich stört, ist Klaßens Unentschiedenheit. Dies soll ein kritischer oder reflexiver Blick hinter die Kulissen des Kunstbetriebs sein? Nein, dies ist ein Werbeclip, der sich an die nächste Generation Kunststudenten richtet. Vielleicht ist dies aber auch die eine Stelle, an der das Klaßen’sche Weiterselbstverwertungsprinzip versagt. Hier fehlt es vielleicht einfach an der nötigen reflexiven Distanz. Knut, schalten Sie doch bitte den Scanner wieder an!











