Strategische Schönheitsfehler
Galerie Gisela Capitain
Von Astrid Mania

„Filmschönheit curated by Albert Oehlen“ mit Richard Artschwager, Rudolf Hausner, Ferdinand Kriwet, John Miller, Kenneth Noland, Albert Oehlen, Josephine Pryde, Christoph Steinmeyer, Lawrence Weiner, Christopher Williams - Galerie Gisela Capitain, Köln in Kooperation mit der Galerie Mezzanin, Wien. Vom 3. September bis 16. Oktober 2010

Ausgerechnet Albert Oehlen. Ausgerechnet der Mann, der einst das Selbstportrait mit verschissener Unterhose und blauer Mauritius als kackbraune Kampfansage an das romantisierte Künstlerbild schuf, kommt uns jetzt mit Schönheit. Doch zur Beruhigung sei gesagt: Es geht nicht um ein universelles Konzept von Schönheit. Nein, Oehlen hat sich zum Medienkritiker entwickelt und daher geht es um „Filmschönheit“ – so der Titel der von ihm kuratierten Schau, den man allerdings weder drucken noch laut aussprechen soll. Derart heikel ist die Sache doch? Oder so schreckhaft-flüchtig, dass man lieber raunt und flüstert? Dabei ist die Ausstellung, sagen wir es also ruhig: schön. Ihre Werke sind, viele von Oehlen selbst, auch eher bodenständig manifest. Sie haben zwar alle irgendwie mit Film zu tun, handeln von Bewegung, dem Ringen um Form, von gelungenen Schnappschüssen oder dem Medium Kamera, bleiben aber überwiegend statisch.

Konzipiert wurde Oehlens Gruppenausstellung für das gemeinsame Wiener Galerienprojekt curated by_vienna 2010, und da lautete das von oben verordnete Thema Kunst und Film. Wer auf auf eine solche Vorgabe mit einer intelligenten Verweigerung von bewegten Bildern reagiert, hat sowieso schon halb gewonnen. Schade also, dass die Schau in Köln ohne diese Reibungsfläche auskommen muss und für sich vereinzelt steht. Nun geht es plötzlich um die Werke allein. Wie im Fall eines Gemäldes von Christoph Steinmeyer, einem regenbogenschillernden Ölfleck in einer Pfütze, der nur deshalb nicht ins Kitschige abglitscht, weil Öl, zumindest bis zur nächsten Öl-Katastrophe, eine ziemlich pathosfreie Angelegenheit ist. Oder bei Kenneth Nolands verzerrt gestreiftem Rechteck, dessen Farben aus einem verblichenen Technicolor-Film ausgelaufen sind. Oder wenn man auf Christopher Williams' Fotografie eines Mädchens in transparenter Unterwäsche blickt, das mit seinen vielen „Schönheitsfehlern“ zum Gegenbild unerträglich retuschierter Makellosigkeit wird.

Dass dieses Projekt auch in Köln besteht, liegt an Oehlens undidaktischer und unillustrierender kuratorischer Handschrift. So beantwortet die Schau am Ende ihre Frage, „wie Schönheit in den Film rein und aus dem Film raus kommt“ keineswegs. Aber irgendwie muss die Schönheit ja in die Ausstellung gekommen sein.

Christopher Williams
Mustafa Kinte (Gambia) Camera: Makina 67 506347
Plaubel Feinmechanik & Optik GmbH
Borsigallee 37 60388 Frankfurt am Main, Germany
Van Laak Shirt Kent 64 41061 Mönchengladbach
, 2008
Silbergelatineabzug
86,2 x 74,7 cm
Courtesy of Galerie Gisela Capitain, Köln

Albert Oehlen
21, 2008
Öl und Papier auf Leinwand
210 x 270 cm
Courtesy of Galerie Gisela Capitain, Köln

Lawrence Weiner
CHANGED FIRST TO CONTAIN A GESTURE
THEN TO FOLLOW A CURVE
& THEN TO SUPPORT A FOLD
EACH TRANSITION ACQUIRING A NEED OF ITS OWN
FULL CIRCLE, 1999
Farbige Buchstaben aus Vinyl
Maße variabel
Courtesy of Galerie Gisela Capitain, Köln

Albert Oehlen
Das Tabu, 2002
C- Print auf Forex
170 x 247 cm; Ed. 6
Courtesy of Galerie Gisela Capitain, Köln

Kenneth Noland
Mysteries: Night and Day, 2003
Acryl auf Leinwand
148,6 x 294,6 cm
Courtesy of Galerie Gisela Capitain, Köln

Galerie Gisela Capitain

Richard Artschwager, Rudolf Hausner, Ferdinand Kriwet, John Miller, Kenneth Noland, Albert Oehlen, Josephine Pryde, Christoph Steinmeyer, Lawrence Weiner, Christopher Williams

Ein wenig ruhiger ist es schon um Albert Oehlen geworden. Die Zeiten, in denen der 56-Jährige grobe, wütende Bilder über piefige Bürger und künstlerische Helden malte, sind vorbei. Das war damals, in den 1980ern. Seither ist er ungegenständlicher geworden. Die Malerei selbst, die Wege zur Bildfindung bestimmen sein Werk. Heute ist Oehlen so abgeklärt, dass er auch schon mal eine medienkritische Ausstellung kuratiert.

Ausgewählte Einzelausstellungen:

2010 Albert Oehlen, Alfonso Artiaco, Neapel, I
2009 Musée d’art moderne de la Ville de Paris, F
2008 Paintings 1988-2008, John Berggruen Gallery, New York, USA

Ausgewählte Gruppenausstellungen:

2010 Der Westen leuchtet, Kunstmuseum Bonn, D
2009 just what is it ..., Museum für Neue Kunst im ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, D
2008 Bad Painting – good art, MUMOK – Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, A

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