Zu Recht erwarten wir von einem langgedienten Künstler, einem Routinier des Schönen, mehr als eine Handvoll guter, gelungener Arbeiten. Eine gestandene Künstlerkarriere verlangt nach einem profunden Werk, einem Œuvre, das in sich schlüssig ist und sich immer noch an uns wendet. Uns aber nicht nur umschmeichelt, sondern fordert, aus unserer blöden, konsumistischen Betrachterpassivität herausreißt. So ein Werk wird zwangsläufig Höhen und Tiefen haben, braucht das qualitative Nebeinander von Großem und Marginalem, seltenem Wurf und Füllmaterial.
Das Werk von Alfonso Hüppi hat all das. Viel hat der in Baden-Baden und Berlin lebende Künstler geschaffen – und selten Halt gemacht, wenn es darum ging, eine Idee mehr als nur einmal in konkrete Form zu gießen. Da gibt es Malerei, Druckgrafisches, Aphoristisches, Klein- und Kleinstplastisches in Laubsägemanier. All das sieht so gelungen aus, als wäre die Wartezeit zwischen zwei Musenküssen bei diesem Künstler herzrhythmisch beschleunigt.
Insofern kommt es ganz darauf an, wie man Hüppis Arbeiten präsentiert. Wie zeigt man seine unbeirrte Kreativität? Beck & Eggeling meistern dieses Problem hervorragend. Mit einer retrospektiven Auswahl, bei der es mit Blick aufs Einzelwerk oft genug funkt. Sicher, auch in Hüppis Œuvre gibt es Redundantes und Kokettes. Doch die formalisiert „formalen“ „Entwürfelungen“, sein Mitte der 1970er-Jahre so roh wie gekonnt zusammengezimmerter Heimwerker-Konstruktivismus aus Kisten und Brettern, oder seine allerersten Kisten der „R“-Serie sind nicht nur als Zeitdokumente sehenswert. Frappant, wie Hüppi aus dem Inventar der Minimal Art Theaterkästen für Matisse’sche Silhouetten und Arp’sche Rundungen baut. Wie mondän-punky und zugleich unschuldig und jungenhaft diese Kunst daherkommt! Man kann dieser Retrospektive nur vorwerfen, dass sie den Satiriker und Erotiker Hüppi, aber auch den Malereiprofessor der Düsseldorfer Akademie (und damit auch das eine oder andere Moment distanzierender Kritik) zu kurz kommen lässt. Aber vielleicht ist dieser Künstler für eine Schau auch einfach zu viele.










