Herzrhythmische Beschleunigung
Beck & Eggeling International Fine Art
Von Hans-Jürgen Hafner

Alfonso Hüppi: „Holzwege. Arbeiten 1965 - 2010“ - Beck & Eggeling International Fine Art, Düsseldorf. Vom 3. September bis 30. Oktober 2010

Zu Recht erwarten wir von einem langgedienten Künstler, einem Routinier des Schönen, mehr als eine Handvoll guter, gelungener Arbeiten. Eine gestandene Künstlerkarriere verlangt nach einem profunden Werk, einem Œuvre, das in sich schlüssig ist und sich immer noch an uns wendet. Uns aber nicht nur umschmeichelt, sondern fordert, aus unserer blöden, konsumistischen Betrachterpassivität herausreißt. So ein Werk wird zwangsläufig Höhen und Tiefen haben, braucht das qualitative Nebeinander von Großem und Marginalem, seltenem Wurf und Füllmaterial.

Das Werk von Alfonso Hüppi hat all das. Viel hat der in Baden-Baden und Berlin lebende Künstler geschaffen – und selten Halt gemacht, wenn es darum ging, eine Idee mehr als nur einmal in konkrete Form zu gießen. Da gibt es Malerei, Druckgrafisches, Aphoristisches, Klein- und Kleinstplastisches in Laubsägemanier. All das sieht so gelungen aus, als wäre die Wartezeit zwischen zwei Musenküssen bei diesem Künstler herzrhythmisch beschleunigt.

Insofern kommt es ganz darauf an, wie man Hüppis Arbeiten präsentiert. Wie zeigt man seine unbeirrte Kreativität? Beck & Eggeling meistern dieses Problem hervorragend. Mit einer retrospektiven Auswahl, bei der es mit Blick aufs Einzelwerk oft genug funkt. Sicher, auch in Hüppis Œuvre gibt es Redundantes und Kokettes. Doch die formalisiert „formalen“ „Entwürfelungen“, sein Mitte der 1970er-Jahre so roh wie gekonnt zusammengezimmerter Heimwerker-Konstruktivismus aus Kisten und Brettern, oder seine allerersten Kisten der „R“-Serie sind nicht nur als Zeitdokumente sehenswert. Frappant, wie Hüppi aus dem Inventar der Minimal Art Theaterkästen für Matisse’sche Silhouetten und Arp’sche Rundungen baut. Wie mondän-punky und zugleich unschuldig und jungenhaft diese Kunst daherkommt! Man kann dieser Retrospektive nur vorwerfen, dass sie den Satiriker und Erotiker Hüppi, aber auch den Malereiprofessor der Düsseldorfer Akademie (und damit auch das eine oder andere Moment distanzierender Kritik) zu kurz kommen lässt. Aber vielleicht ist dieser Künstler für eine Schau auch einfach zu viele.

Alfonso Hüppi
Ohne Titel, 1976
Holz
73 x 53 x 3 cm
Courtesy of Beck & Eggeling International Fine Art, Düsseldorf

Alfonso Hüppi
Ohne Titel, 1976
Holz, Bronze, verschiedene Materialien
17,5 x 51 x 4 cm
Courtesy of Beck & Eggeling International Fine Art, Düsseldorf

Alfonso Hüppi
R 3, 1967
Holz, Silberbronze
62 x 87 x 27cm
Courtesy of Beck & Eggeling International Fine Art, Düsseldorf

Alfonso Hüppi

Alfonso Hüppi (geb. 1939 in Freiburg i.Br.) lebt sein künstlerisches Leben rückwärts. Das Spontane, Wilde findet sich in seinem Spätwerk, die formale Strenge stand am Anfang. Als Mitarbeiter der Kunsthalle Baden-Baden waren Transportkisten sein täglich Brot. Kein Wunder, dass Holz und verzerrte Quadrate seine frühen Werke bestimmten. Doch das ist lange her. Längst tobt er sich in allen Medien aus und hat auch noch Zeit, im namibischen Buschland ein Museum zu gründen.

Ausgewählte Einzelausstellungen:

2010 Alfonso Hüppi zum 75. Geburtstag, Holzwege, Galerie Henze & Ketterer, Wichtrach/Bern, CH
2006 National Europe Center ANU, Canberra, AUS
2002 Alfonso Hüppi – da capo – vom Kopf über die Hand zum Bild, Akademie der Künste, Berlin, D

Ausgewählte Gruppenausstellungen:

2010 Fremde Heimat - Kunst in Baden-Württemberg, Städtische Kunsthalle Mannheim, Mannheim, D
2009/08 Notation. Form und Kalkül in den Künsten, Akademie der Künste Berlin/ ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, D
2006 Fluid Artcanal International, City Canal, Daejeon City, ROK

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