Yasujiro Ozu

Das Kino von Yasujiro Ozu

Dem Gesicht sein Gesicht

Michael Mayer
17. November 2005
Und dieses Gesicht, dieser Mensch, dieses Bild verschwände? Zur ersten Bedingung des Kinos Yasujiro Ozus, dieses ausgesucht manierlichen Frühgängers der Kinematografie, gehört der Bruch mit der so mächtigen wie stillschweigend eingesetzten Allianz zwischen Gesicht, Person und Charakter. Die Außerkraftsetzung dieses „contract occidental“ eröffnete außerhalb Europas und jenseits seiner Grenzen und Gestade die Sicht auf ein Gesicht, das nichts anderes wäre als – ein Gesicht. Das Kino Ozus, das mit betörender Eintönigkeit die immer gleichen Geschichten über die immer gleichen Menschen mit den immer gleichen Schauspielern an den immer gleichen Schauplätzen erzählt, zeigt Gesichter, keine Charaktere oder Personen, die der Welt, die ihnen gleichgültig gegenübertritt, noch in irgendeiner Weise gewachsen sind. Es zeigt Gesichter, die nichts bedeuten als Gesichter und die uns bedeuten, ohne uns etwas zu bedeuten.
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Ecce Facies! von Michael Mayer
Menschliche Gestalt, zur Kenntlichkeit, nein zur Wirklichkeit verzerrt. Die Porträts Francis Bacons in einer Ausstellung der Hamburger Kunsthalle.


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