Christoph Thun-Hohenstein stellt Programm für MAK vor

Alles auf neu in Wien

Sabine B. Vogel
28. November 2011

Wie ein Mantra war es in den letzten Monaten zu hören: Der Ex-Direktor des Wiener Museums für Angewandte Kunst (MAK) habe das Haus mit seinem Amtsantritt vor 26 Jahren aus einem Dornröschenschlaf geweckt. Vergessen wurde dabei oft, dass Peter Noever das MAK zum Schluss mit all den Ausstellungen für Freunde und Verwandte auch wieder in eben denselben Schlaf zurückführte (artnet berichtete).

Die Märchenstunde ist nun endgültig vorbei. Bei seiner ersten Pressekonferenz machte der neue Direktor, Christoph Thun-Hohenstein, jetzt deutlich: Im neuen MAK wird alles anders, nämlich: dynamisch, kooperationsfreudig und vor allem „interkreativ“. Diese Wortneuschöpfung soll den „Austausch zwischen den Künsten“ betonen – wofür im MAK einerseits eine einzigartige Sammlung steht, die seit Jahren vor sich hin döst, darunter „die beste Teppichsammlung der Welt“, wie Thun-Hohenstein sie nennt. Andererseits gibt es immerhin ganze sechs Außenstellen, die als Ausstellungsorte intensiver als bisher bespielt werden sollen: die drei Schindler-Häuser in Los Angeles, das Josef Hoffman-Museum in Brtnice (Tschechische Republik) sowie das Geymüllerschlössel und der Gefechtsturm in Wien.

Hauptausstellungsort aber soll das Haus am Stubenring bleiben. Wo in den letzten Jahren nur eine einzige überdimensionierte Einzelausstellung pro Jahr zu sehen war, flankiert von kleinen Sonderschauen, wird jetzt ein „Kompetenzzentrum“ für Kunst und Design aufgebaut – angefangen mit der Schau „Dinge. Schlicht & einfach“, die ab Juni 2012 west-östlichen Einflüssen der asiatischen und europäischen Kunstgeschichte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die Spur kommen will. Zudem ist eine pointierte Neuaufstellung der permanenten Sammlung mit dem Schwerpunkt Wiener Moderne von 1880 bis 1938 geplant. Daneben stehen Themenausstellungen wie „MADE4YOU. Design im Wandel“ an, mit denen man zukunftsorientierte Beispiele aus Forschung und Industrie präsentieren will. Ansehnliche 9,6 Millionen Euro gibt es dafür als Jahresbudget, ergänzt durch ein einmaliges „Investitionsbudget“ für Sanierungen in Höhe von 2,5 Millionen Euro.

Die Gegenwartskunst wird also im MAK ihre Vormachtstellung verlieren. Allerdings betont Thun-Hohenstein: „Ich erteile allen Forderungen, das MAK müsse ein reines Design-Museum werden, eine Absage.“ Die Einbeziehung von Gegenwartskunst halte er für „extrem wichtig“. Aber mehr als das eben auch nicht – und das ist gut so. Zwar stehen nun im „MAK Tower“ genannten Gefechtsturm ganze fünf Etagen für zeitgenössische Kunst zur Verfügung. Aber der Schwerpunkt liegt ab sofort dennoch deutlich auf Angewandtem. Wien verfügt über sechs Museen und fünf Ausstellungshäuser, die nahezu alle Zeitgenössisches zeigen – selbst das Kunsthistorische Museum ist mittlerweile auf eben diesen Zug aufgesprungen. Da ist eine Differenzierung mehr als willkommen. Zudem hat der Austausch der Künste in Wien eine lange Tradition. Genau daran schließt Thun-Hohenstein mit seinem breit gefächerten Programm an.

Der vorläufige Höhepunkt seines Konzeptes erwartet die Besucher allerdings erst 2014, bei der Triennale für positiven Wandel. Damit bekommt die Manifesta erstmals Konkurrenz – denn die Triennale ist ebenfalls als Forum für europäische Kunst konzipiert, erweitert mit Positionen aus Design und Architektur. Ein tatsächlich zeitgenössisches Konzept. Die klare Trennung der Künste war gestern.


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