Christian Haye eröffnet nach verlorenem Prozess neue Galerie „Projectile“

Geldspiele im Supreme Court III

Anne Schreiber
11. Mai 2005
Seit der an zwei Küsten agierende New Yorker Kunsthändler Christian Haye Anfang März mit seiner Galerie The Project eine 1,7 Millionen Euro teure Klage gegen den Schweizer Kunstsammler Jean-Pierre Lehmann verloren hatte, schien es nur einen möglichen Ausgang der Ereignisse zu geben. Neben einem Widerspruch gegen das Urteil verblieb als scheinbar einzige Alternative der strategische Konkurs. Und nach den Worten Hayes ist dies auch mehr oder weniger geschehen. Nach Ablauf der laufenden Ausstellungen in New York (Yoshua Okon, Lago Bolsena) und Los Angeles (Arbeiten von Maria Elena González, Jessica Rankin and Tracey Rose) wurde The Project zu einem „Unternehmen außer Betrieb“ umgewandelt.

Zur gleichen Zeit laufen Hayes Kunstunternehmungen jedoch weiter. Denn die New Yorker Galerie begann am Donnerstag letzter Woche ein neues Leben unter einem neuen Namen – The Projectile – und zudem mit neuen Partnern, den Galeriedirektoren Jenny Liu und Simon Presten. In Los Angeles arbeitet Haye mit dem New Yorker Kunsthändler Michele Maccarone zusammen, der eine Galerie auf der Canal Street in Manhattans Lower East Side hat, um eine Galerie namens MC (steht für Michele und Christian) zu eröffnen. Die erste Ausstellung wird Kunstwerke der Galleria Francesca Kaufmann aus Mailand zeigen.

Seine neue Galerie Projectile eröffnete Haye während dessen mit Arbeiten von Julie Mehretu. Die Arbeiten der äthiopischen Künstlerin sind sehr gefragt – die Preise rangieren zwischen 25.000,- US-Dollar bis hin zu 100.000,- US-Dollar und die Verkäufe gestalten sich als sehr lebhaft. Dennoch scheinen die Einnahmen nicht an die Adresse von Christian Haye zu gehen. Denn aufgrund einer vorläufigen Vereinbarung, die zusammen mit dem Sammler Jean-Pierre Lehmann ausgearbeitet wurde, gehen die Anteile Hayes, die üblicherweise bei 50 Prozent liegen, in einen Schadensfonds ein, der zum Zweck der Begleichung der Forderung eingerichtet wurde.

Christian Haye sagte, er eröffne die Galerie Projectile, um einen Neubeginn zu starten. Der Sammler Lehmann gab derweil bekannt, alles was er von Haye wolle, sei wichtige Werke der Künstlerin Julie Mehretu zu kaufen.

Mit der Schadensersatzforderung von 1,7 Millionen US-Dollar war Hayes Galerie The Project vor dem New York Supreme Court von Richter Ira Gammerman in einem Aufsehen erregenden Verfahren, das Lehman gegen die Galerie angestrengt hatte, mit einer höheren Strafe als erwartet belegt worden. In dem Verfahren war es um Vorkaufsrechte an Werken der Galerie, hauptsächlich der Künstlerin Julie Mehretu, gegangen, die der Sammler Lehman im Gegenzug zu einer Geldleihe von 75.000,- US-Dollar 2001 erworben hatte. Weitere Einzelheiten in den artnet News vom 4. März und 21. Januar 2005.


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