China-News 9. Woche

Oh, wie schön ist Panama

Zusammengestellt von Birgit Hopfener
26. Februar 2009
Peking. In den letzten News wurde noch gemeldet, dass die chinesische Gegenwartskunst mittlerweile auch von offizieller Seite anerkannt und bisweilen sogar gefördert werde. Konkret bezog sich das auf die mehrteilige Jubiläumsausstellung zum 20. Jahrestag der legendären Schau „China Avantgarde“. Das schützt jedoch nicht vor Repressalien, wenn das offizielle China-Bild in Gefahr ist. So wurde die Präsentation „Sieben Todsünden“, die Videodokumente der Performances im Rahmen von „China Avantgarde“ zeigte, von den Behörden geschlossen und eine Podiumsdiskussion verboten. Gao Minglu, Organisator der früheren wie auch der aktuellen Ausstellung, hatte das Land in Folge der restriktiven Kulturpolitik 1989 verlassen, und ist erst seit einigen Jahren wieder verstärkt in China aktiv. Er zeigt sich enttäuscht über die jüngsten Zensurmaßnahmen, die er als Ausdruck dafür wertet, dass sich das konservative System in China in den vergangenen 20 Jahren nicht wirklich verändert hat. Grund für das harte Durchgreifen ist vermutlich eine wachsende Nervosität auf Regierungsseiten. Denn es naht der ebenfalls 20. Jahrestag der Niederschlagung der Demokratiebewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens am 4. Juni. Viele der Avantgarde-Künstler waren in der Bewegung aktiv.
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Schanghai. Der unter dem Pseudonym Shanghai Eye bloggende Künstler und Journalist Chris Gill meldet die Gründung der „Shanghai Oriental International Cultural Service and Trade Platform“ (OICT), einem Zentrum für den Kunsthandel in Schanghais Sonderwirtschaftszone Waigaoqiao, der ältesten überhaupt in China. Ermöglicht worden sei dies von der Schanghaier Stadtregierung mithilfe einer Reihe von Steuererleichterungen und steuerfreien Fördergeldern für den Handel mit Kunst und Kultur. Galerien und Auktionshäuser, die sich bei OICT registrieren, sollen von den zahlreichen Vergünstigungen profitieren. So erlauben die neuen Regulierungen, dass Kunstwerke und andere „kulturelle Produkte“ zwei Jahre lang steuerfrei und danach mit einem um 50 Prozent reduzierten Steuersatz verkauft werden dürfen. Andere Vorteile seien die vollständige Rückerstattung der persönlichen Steuer für Manager über einen Zeitraum von drei Jahren und eine anschließende Ermäßigung um 50 Prozent. Ren Yibiao, Vorstand von OICT, möchte nach eigenen Angaben ein „Panama des kulturellen Handels“ in China zu schaffen. Seinem ehrgeizigen Ziel, dass sich alle ortsansässigen Kulturfirmen in seinem Zentrum registrieren lassen, ist er nach eigenen Angaben bereits ein Stück näher gekommen. Nach dem chinesischen Neujahrsfest wollten 30 Mieter in das 34 Stockwerke umfassende Firmenhaus einziehen. Die Krise scheint weder die künftigen Mieter noch Ren selbst zu erschüttern. Schließlich, so sagt er, sei ja auch Hollywood in Zeiten der Depression groß geworden.
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