China-News 50. Woche

Der Schritt aufs Siegertreppchen

Zusammengestellt von Birgit Hopfener
10. Dezember 2009
Der chinesische Kunstmarkt, so war in der vergangenen Woche im „Economist“ zu lesen, ist inzwischen weltweit der drittgrößte – nach den USA und Großbritannien. Immerhin kommt China umsatzmäßig schon auf einen Weltmarktanteil von 7,7%, verglichen mit den beiden Spitzenmärkten, die einen Anteil von 35,7% respektive 34,5 % beanspruchen. In China werden die größten Umsätze im Segment des Antiquitätenhandels gemacht. So wurde auf der Hongkonger Sotheby‘s Auktion im vergangenen Monat ein neuer Weltrekord erzielt, als ein chinesisches Thronmöbel aus der Qianlong-Ära für 11,1 Millionen US-Dollar einen Käufer fand. Laut dem britischen Magazin entspringt die Kauflust einem großen Nachholbedürfnis der Chinesen, denn Kunst aus der vorkommunistischen Zeit darf erst seit Kurzem wieder offiziell besessen und gehandelt werden.

Aber auch die chinesische Gegenwartskunst ist wieder im Spiel. Nach dem massiven Einbruch des Käufervertrauens, das auf der Skala des „ArtTactic Confidence Indicators“ im Februar 2009 bei lediglich zehn stand, rangiert das Vertrauen nun wieder bei 57 von 100 möglichen Punkten. „Jing Daily“ berichtet, dass einer Erhebung zufolge 70 Prozent der Befragten an eine Erholung des Marktes innerhalb der nächsten beiden Jahre glauben. In der oberen Preisklasse, so erwartet man hingegen, wird der Markt weiterhin problematisch verlaufen, aber 62 Prozent der Befragten sind optimistisch gestimmt, was die Entwicklung des Preissegments unterhalb von 50.000 US-Dollar betrifft. In Hinblick auf die kurzfristige wie auch langfristige Entwicklung von Künstlern stehen Yang Fudong, Ai Weiwei und Xu Bing an der Spitze des Confidence Rankings. „Jing Daily“ erwartet auch, dass sich das Phänomen des „neuen chinesischen Sammlers“ weiterhin positiv entwickeln wird. Dementsprechend werde die Anzahl der chinesischen Sammler weiter steigen, was zu einem Engpass auf dem Kunstmarkt führen könnte. Daher geht das Magazin davon aus, dass die Preise für chinesische Kunst im Jahr 2010 wieder Vorkrisen-Niveau erreichen werden.
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Auf der Internetseite „artnow.com.cn“ findet sich aktuell ein Interview, das die „Southern People Weekly“ (nanfang renwu zhoukan) mit dem chinesischen Kurator und Kritiker Gao Minglu geführt hat. Gao beklagt darin, dass sich die zeitgenössische Kunst vorwiegend mit sich selbst beschäftigt und daher für viele an Relevanz verloren hat. Die Qualität, so führt er weiter aus, leide zudem unter einem gesteigerten Erfolgsdruck, der Künstler dazu treibt, möglichst viele Ausstellungen zu realisieren. Vor diesem Hintergrund sieht er in der Krise eine Chance, über den „Sinn der Kunst und des Lebens nachzudenken“. Denn das künstlerische Schaffen sollte seiner Meinung nach von langfristigem Denken und Idealismus statt von Materialismus geprägt sein und östliche wie westliche Konzepte miteinander verbinden. Person, Werk und Leben, so fordert Gao, sollten eine Einheit bilden.
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Der chinesische Künstler Qiu Zhijie reagiert auf der Internetseite „Ionly“ (dongfang shijue) auf die Vorwürfe, die unter anderem Chen Danqing während der Eröffnung des nationalen Instituts zur Erforschung der chinesischen Gegenwartskunst (Zhongguo dangdai yishuyuan) geäußert hatte. Chen hatte vehement beklagt, dass sich „unabhängige“ Künstler dort durch die offizielle Seite institutionalisieren ließen. Qiu Zhijie argumentiert unter dem Titel „Die „Eigentümer“, dass eine Teilnahme an der „Eigentümerversammlung“ im „Haus“ der Kunst nicht heiße, dass man von der „Hausverwaltung“ – der Regierung – „bestochen“ oder „gekauft“ werde. Weiter nennt er es heuchlerisch, sich als „zornige Jungs“ zu gebärden und Künstlern, die an Kunstakademien unterrichten oder für staatliche Institutionen arbeiten, Bestechlichkeit vorzuwerfen. Seiner Meinung nach äußert sich in dieser Kritik die Machtlosigkeit der „zornigen Jungen“.

Laut Qiu Zhijie ist die Tatsache, dass seit 2003 zeitgenössische Künstler an Akademien arbeiten dürfen, das positive Ergebnis eines 20 Jahre dauernden Kampfes. Das Unterrichten experimenteller Kunst, so schreibt er aus eigener Erfahrung, stelle eine große Herausforderung dar. Offensichtlich teilen seine Studenten auch nicht die Sicht von Chen Danqing, denn Qiu zitiert sie mit den Worten: „Herr Qiu, wenn Sie mit einem Mercedes zur Hochschule kommen würden, könnten wir als Ihre Studenten genauso stolz sein wie die Studierenden der Malerei.“ Qiu Zhijie hat nach eigenem Bekunden den Lehrstuhl an der Akademie in Hangzhou angenommen, weil es so viele herausragende Studierende gäbe und er das Feld nicht den alten, konservativen Lehrern überlassen wollte. Außerdem hätte er den Ehrgeiz gehabt, einen neuen Studiengang für experimentelle Kunst ins Leben zu rufen und erstmals an einer chinesischen Hochschule zu etablieren.
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