6. November 2008
CHINA. In der „Top Power List“ der Zeitschrift
Artreview befinden sich vier Namen aus der chinesischen Kunstszene. Den höchsten Platz unter den „Chinesen“ belegt
Ai Weiwei, der hierzulande seit seinem Projekt
fairytale für die vergangene documenta12 hinlänglich bekannt sein dürfte und außerdem konzeptionell mitverantwortlich für das Olympiastadion Vogelnest war, auf Rang 47. Der für seine spektakulären Feuerwerksperformances bekannte Künstler
Cai Guoqiang, der nicht nur für das Feuerwerk bei den olympischen Eröffnungsveranstaltungen verantwortlich war, sondern der in diesem Jahr sowohl vom New Yorker Guggenheim, als auch vom chinesischen Nationalmuseum in Peking mit Einzelausstellungen bedacht wurde, belegt Platz Nr. 69. Das von
Lu Jie und Kollegen ins Leben gerufene Projekt „Long March Space“ in Peking kam auf Rang 93, und das Ehepaar
Guy und
Miriam Ullens, Begründer des gleichnamigen privaten Museums in Peking auf Rang 98. Der Künstler
Zhang Xiaogangund
Lorenz Helbling, Direktor der
Shanghart Gallery, die im vergangenen Jahr in der Liste geführt wurden, tauchen dieses Jahr dort nicht auf.
mehrPEKING. In einem Videointerview mit dem chinesischen Internet-Magazin Ionly äußert sich Fei Dawei (Kurator im Ullens Center, BJ und intimer Kenner der chinesischen Kunstszene) über den Einfluss der Finanzkrise auf den chinesischen Kunstmarkt: „Sowohl der internationale, als auch der chinesische Markt sind sehr heiß. Aufgrund der engen Vernetzung zwischen dem inländischen und dem internationalen Kunstmarkt wird es negative Auswirkungen der Finanzkrise auch in China geben.“ Diese werden sich seiner Meinung nach aber verzögert auswirken. Christie’s hingegen rechnet damit, dass die neuen florierenden Kunstmärkte im mittleren Osten, Russland und Asien dazu beitragen, dass schlimmere Einbrüche im internationalen Kunstmarkt verhindert werden können. „Ich glaube, dass die Globalisierung des Kunstmarktes einige Sicherheit bietet“, erklärte Jussi Pylkkanen, Chairman von Christie’s Europa in einem Interview mit der in Taiwan erscheinenden Zeitung China Post. mehr Auch Christie's CEO Ed Dolman sagte dem britischen Guardian:
„Die Turbulenzen haben unseren Markt nicht so schlimm erwischt wie andere Bereiche. Es gibt eine erstaunliche Menge an vagabundierendem Cash in den letzten Tagen, besonders bei chinesischer Kunst und der des Mittleren Ostens. Das ist für uns Anlass zu glauben, dass die neuen Käufer da sind und da bleiben werden.“
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PEKING. Die chinesische Gegenwartskunst erhält nun auch von der offiziellen Seite hohe Beachtung. Das Kulturministerium kündigte an, das größte Museum für zeitgenössische Kunst zu bauen. Als Standort ist das relativ neue Kunstzentrum Zentrum Yihaodi International Artbase geplant.
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PEKING. Im Fall um ein gefälschtes Wu Guanzhong Bild wurde die Gerichtsverhandlung eröffnet. Das Pekinger Auktionshaus Hanhai hat bereits zugestimmt, 1,2 Mio Yuan rückzuerstatten (rund 120.000 Euro). Der Sammler Su Minluo hatte auf einer Auktion des Hauses für 2,53 Mio Yuan ein Bild von Wu Guanzhong gekauft, das dieser nach dem Kauf mit den Worten „Dieses Bild habe ich nicht gemalt.“ als Fälschung identifizierte. Wu Guanzhong (geb. 1919) zählt zu den wichtigsten altmeisterlichen Malern Chinas. Er studierte in Paris und ist für seine künstlerischen Verbindungen zwischen der chinesischen und westlichen Ästhetik und Malerei bekannt. Auf Auktionen werden seine Werke zu Höchstpreisen gehandelt. Die beiden größten chinesischen Auktionshäuser Hanhai und Guardian befinden sich in öffentlicher Hand. Während China Guardian ein Joint Venture zwischen dem Außenhandelsministerium und dem Büro für Kulturgüter ist, gehört Hanhai der Pekinger Stadtregierung.
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PEKING. Wer kann sich für 1,1 Mio. Yuan (ungefähr 110.000 Euro) Spielzeug leisten? Einige der erfolgreichsten chinesischen Künstler wie z.B. Yue Minjun, Liu Ye oder Zhou Chunya kreieren neuerdings Spielzeug. Fast zynisch mutet bei diesem Preis an, dass es sich um „Kunst für die Massen“ handeln soll.
SCHANGHAI. Die wichtigste Shanghaier Galerie Shanghart des Schweizers Lorenz Helbling zeigt erstmals Arbeiten ausländischer Künstler. Kuratiert von Philippe Pirotte von der Kunsthalle Bern, vereint die Schau „Involved“ chinesische und westliche Postionen, zum Beispiel vonPavel Büchler, Corey McCorkle, Luc Tuymans, Xu Zhen und Zhang Enli. Hintergrund für diese Entscheidung ist zum einen der Versuch, die chinesischen Künstler aus dem Galerieprogramm international zu platzieren, aber auch dem wachsenden oder besser in der nächsten Zukunft erhofften wachsenden Interesse an westlicher Gegenwartskunst in China Rechnung zu tragen.
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KOBLENZ. Im Koblenzer Museum Ludwig wird am 9. November die Überblicksschau chinesischer Kunst „China’s Revision - Fokus Beijing“ eröffnet. Unter anderem werden Werke von Liu Xiadong, Fang Lijun und Yue Minjun zu sehen sein. Das Ehepaar Ludwig engagierte sich bereits sehr früh in China. Schon vor zehn Jahren schenkte die Witwe dem chinesischen Nationalmuseum in Peking zehn Kunstwerke, darunter vier Arbeiten von Pablo Picasso, die bis heute zu den Schätzen der dortigen Sammlung zählen.
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