24. September 2009
Ai Weiwei lebt doch gefährlich. So hat er infolge der Misshandlung durch die chinesische Polizei eine innere Kopfverletzung erlitten. Weil sich Ai Weiwei zur Vorbereitung seiner Einzelausstellung „So Sorry“ im Haus der Kunst momentan in München aufhält, hat er sich in einem dortigen Krankenhaus einer Operation unterzogen. Er informiert die Öffentlichkeit aber weiterhin regelmäßig über seinen Zustand und seine aktuellen Aktionen auf seinem Blog und via Twitter. Auf diese Weise kann er immer wieder auf das brutale Vorgehen der chinesischen Polizei als ausführendes Organ des chinesischen Staates aufmerksam machen. Dabei gewährt ihm seine Präsenz in den Medien zumindest teilweise Schutz vor Übergriffen durch den chinesischen Staat.
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Chinas Galerienszene profitiert von der anstehenden Expo 2010 in Schanghai, in deren Zuge der Staat sich die „Förderung der Kulturindustrie“ auf die Fahnen geschrieben hat. So siedelten sich in der Hafenstadt neue Galerien wie etwa die Pariserin Magda Danysz an, welche die ehemalige 18Gallery an der Renommiermeile Bund übernommen hat, sowie die White Manor Gallery aus Hangzhou. Die Schanghaier Eastlink Gallery wiederum hat eine Dependance in Peking aufgemacht und sich dabei bewusst gegen einen Standort in einem der bekannten Pekinger Kunstviertel wie 798 oder Caochangdi entschieden. Stattdessen wurde man in einem Einkaufszentrum in Shunyi, in der Nähe des Flughafens ansässig, um nach Aussage des Galeristen Li Liang auch ein bisher kunstfernes Publikum anzusprechen.
Noch bis zum 31. Oktober läuft die Ausschreibung der Contemporary Chinese Art Awards, um die sich Künstler und Kunstkritiker bewerben können. 1998 von Ulli Sigg ins Leben gerufen, um die chinesische Gegenwartskunst sowohl in China als auch international bekannter zu machen, hat sich der Schwerpunkt des CCAA seither leicht verändert. Nun sollen mit dem Preis vor allem kritische Positionen ausgezeichnet werden, um auf diese Weise ein Gegengewicht zur Dominanz des Marktes zu schaffen. Zu der internationalen Jury gehören dieses Jahr die französische Kuratorin Catherine David, der chinesische Künstler und Dozent an der Hangzhouer Kunstakademie Qiu Zhijie, der chinesische Künstler und Vizepräsient der Pekinger Kunstakademie Xu Bing sowie der Chefredakteur der Zeitschrift „Art in America“, Richard Vine. Die Gewinner erhalten 10.000 Euro sowie die Finanzierung einer Publikation oder eines Kunstwerks.
mehr (chinesisch)
Die Volksrepublik China stimmt sich auf die Feierlichkeiten zu ihrem 60. Geburtstag am 1. Oktober ein. Vor diesem Hintergrund ist auch die Gedenkausstellung mit 60 revolutionären Meisterwerken zu sehen, die bis zum 14. September im National Art Museum of China (NAMOC) in Peking zu sehen war. Zusammen mit dem Kulturministerium als Kooperationspartner waren Kunstwerke aus wichtigen öffentlichen und privaten Pekinger Sammlungen zusammengetragen worden, so zum Beispiel aus den Beständen des Militärmuseums oder des ehemaligen Revolutionsmuseums, das demnächst unter neuem Namen als Museum der chinesischen Geschichte wiedereröffnet wird. Die Ausstellung war in die drei Sektionen Ölmalerei, traditionelle chinesische Malerei und Propagandaposter gegliedert. Zu den wichtigsten Arbeiten in der Ausstellung zählten unter anderem die Ikone der jüngsten chinesischen Kunstgeschichte, das Ölbild Father aus dem Jahr 1981 von Luo Zhongli, sowie Chen Danqings ein Jahr später entstandene „Tibetan Series“. Father, das Bildnis eines Bauern, war eines der ersten Bilder nach der Öffnung Chinas, das ein vom Leben gezeichnetes Gesicht zeigte und nicht ideale kommunistische Lebensverhältnisse feierte, wie es im sozialistischen Realismus gefordert wird. Chen Danqings „Tibetan Series“ ist dem sogenannten „Rustic Painting“ zuzuordnen, deren Vertreter die Bewohner und deren ärmliche Lebensumstände im chinesischen Hinterland portraitieren. Die zeitgenössische Kunst hingegen ist in dieser Gedenkausstellung so gut wie gar nicht vertreten. Ausnahmen sind ein Werk aus der Serie der Familienbilder von Zhang Xiaogang sowie ein Gemälde aus den 1990er-Jahren von Liu Xiaodong. Dass die Ausstellung keine Installationen und Videoarbeiten aufweist, ist ein Hinweis darauf, wie konventionell und konservativ das offizielle Kunstverständnis in China weiterhin ist.
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