4. August 2010
Peking. Nicht erst die Zukunft, schon die Gegenwart ist für Ken Yeh rosig. Der für Asien zuständige Christie‘s-Vorstand freut sich über die enorme Entwicklung des chinesischen Auktionsmarktes. Hätten die Festlandschinesischen vor zehn Jahren im Durchschnitt nur 200.000 US-Dollar für ein Kunstwerk ausgegeben, könnten es heute auch mal 10 Millionen sein. Solche Zuschläge gebe es allerdings nur im Bereich der Antiquitäten und des Kunsthandwerks. Der Markt für chinesische Gegenwartskunst habe noch nicht wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht.
Brian Wallace von der Pekinger Red Gate Gallery berichtet, dass es vor der Finanzkrise ein „riesiges Interesse“ seitens neuer einheimischer Sammler gegeben habe, die ihr Geld auch in Kunst anlegen wollten, nachdem sie bereits in anderen Bereichen Investitionen getätigt hatten. Diese neuen chinesischen Sammler hätten sich dann als Erste zurückgezogen und seien noch nicht wieder zurückgekehrt. Im Unterschied zu den auch hierzulande etablierten chinesischen Ölmalern wie Zhang Xiaogang, Zeng Fanzhi und Yue Minjun sei die künstlerische und ökonomische Bedeutung der jüngeren Künstlergenerationen in China laut Wallace noch wesentlich geringer. Seiner Meinung nach hänge dies mit der ärmeren Erfahrungswelt dieser jungen Künstler zusammen. Diese sei in erster Linie durch den ausgeprägten Konsumismus in China und dem damit verbundenen egozentrischen Lustprinzip geprägt. Wallace betont aber auch, dass diese jungen Künstler technisch über eine sehr gute Ausbildung verfügten und es die Zeit zeigen werde, ob die Kunst auch inhaltlich und ästhetisch noch reife und inwiefern die jüngeren Künstler an den kommerziellen Erfolg ihrer älteren Kollegen anknüpfen könnten.
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Peking. Einen bizarren Urheberrechtsstreit liefern sich zurzeit zwei Größen der chinesischen Kunstszene. Der Kunstkritiker und Professor an der Huaqiao University Liu Xiangdong wirft seinem langjährigen Freund und Mitstreiter, dem Kurator und Kunsttheoretiker Gao Minglu vor, aus seiner Kunsttheorie „Yi Pai“ (artnet, 2.7.09) Ideen geklaut zu haben, die er bereits in den 1980er-Jahren formuliert hat. Dieser Plagiatsvorwurf wird nun vor einem Pekinger Gericht verhandelt. Liu beschuldigt Gao, dass dieser Ideen aus Essays gestohlen hat, die er Gao 2007 im Zusammenhang mit einer von Gao kuratierten Ausstellung gegeben hatte. Die zwei Wissenschaftler kennen sich bereits seit der bahnbrechenden China/Avantgarde Ausstellung in der Pekinger Nationalgalerie im Jahr 1989, in der erstmals chinesische Gegenwartskunst in einer offiziellen Institution ausgestellt wurde. Liu war damals als Künstler und Gao als Redakteur der führenden Kunstzeitschrift „Meishu“ tätig. Liu und Gao hatten danach viele Ausstellungsprojekte zusammen realisiert. Nach seiner Dissertation in Harvard wurde Gao zu einem der international erfolgreichsten chinesischen Kuratoren. Der Rechtsstreit hat nun zu einem Ende der Freundschaft geführt. Lius Anwalt jedenfalls nimmt an, es sei genügend Beweismaterial vorhanden, um Gao Minglu zu überführen. Gao hingegen hat eine Gegenklage angekündigt. Nicht nur nach westlichem Rechtsverständnis mutet der Streit seltsam an. Das chinesische Gesetz für geistiges Eigentum schützt nämlich nur ganze Werke.
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