1. Juli 2010
Hongkong. Mit ihrer zehnten Ausgabe konnte die Hongkonger Kunstmesse Art HK ihre Position als wichtigste Verkaufsveranstaltung im asiatischen Raum weiter ausbauen. Dies ließe sich an der wachsenden Zahl wichtiger internationaler Sammler ablesen, die anlässlich der Messe nach Hongkong gereist seien, urteilt die dortige semiprofessionelle Newsseite „artradarasia“. Vor allem zieht die Art HK die meisten asiatischen Sammler an, die nach China und Japan vor allem aus Indonesien stammen. Neben den ökonomischen Vorteilen der steuerfreien Ein- und Ausfuhr von Kunst profitiert die ehemalige britische Kronkolonie von ihrer geografischen Lage im Herzen Asiens sowie der Tatsache, dass eine Verständigung auf Englisch hier problemlos möglich ist. Die ausländischen Galeristen, die an der Messe teilgenommen haben, äußern sich zumeist positiv. Johann Nowak, Direktor der Berliner Galerie DNA, wird auf „artradarasia“ mit den Worten zitiert, dass ihn die Hongkonger Messe aufgrund ihres hohen Energielevels an die Anfänge der Art Basel Miami Beach erinnere. Nach Aussage der Händler haben es unbekanntere Positionen westlicher Künstler nach wie vor schwer. Gekauft würden vor allem asiatische Künstler und große Namen der westlichen Gegenwartskunst. Zwar konnten Galerien mit asiatischen Künstlern im Programm die größten Verkaufserfolge verbuchen, doch heben die meisten Händler hervor, dass das Interesse an westlicher Kunst langsam wachse und im Vergleich zum Vorjahr bereits etwas gestiegen sei. Für viele Galeristen aus der westlichen Hemisphäre gilt die Messe aufgrund neu geschlossener Kontakte im Zukunftsmarkt Asien als Erfolg, auch wenn vergleichsweise wenige Verkäufe getätigt wurden.
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Schanghai/Hongkong. In jüngster Zeit mehren sich Versuche, die zeitgenössische Kunst in Bezug zur chinesischen Tradition zu setzen, um so das spezifisch Chinesische der dortigen Gegenwartskunst herauszuarbeiten – was hierzulande häufig unter Nationalismusverdacht rangiert. Ein besonderer Fokus scheint dabei momentan auf der Auseinandersetzung mit der chinesischen abstrakten Kunst zu liegen, wie zwei aktuelle Ausstellungen belegen. Grundsätzlich geht es um Fragen der Repräsentation, also darum, in welchem Maße die chinesische Tradition – die im Unterschied zur europäischen nicht das Abbild der Welt, sondern vielmehr deren energetische und leibliche Vermittlung in den Vordergrund stellt – in der zeitgenössischen chinesischen „Abstraktion“ reflektiert wird. Hier tut sich derzeit besonders der Kurator und Wissenschaftler Gao Minglu hervor. Seiner Meinung nach lässt sich die westliche Kunsttheorie nicht einfach auf chinesische Kunst anwenden. Berücksichtigt werden müssten vielmehr eigene Traditionen, die Interaktionen mit Japan und Korea sowie die Umbrüche der letzten 60 Jahre. Vor diesem Hintergrund sucht Gao nach einer Methode, die der chinesischen und asiatischen Geschichte der Gegenwartskunst gerecht wird.
Gao hat hierfür die „Maximalismus“-Theorie entwickelt, die er jüngst im Rahmen der Ausstellung „Mind Space: Maximalism in Contrasts“, (die in der Schanghaier Contrasts Gallery stattfand), an Werken chinesischer abstrakter Gegenwartskunst veranschaulichen wollte. Er geht hierbei nicht von den Objekten aus – die der Form nach zumeist an konzeptuelle Positionen aus dem Westen erinnern –, sondern fragt nach den Unterschieden ihrer theoretischen Bedingungen. Gemeinsamer Nenner der „maximalistischen Künstler“ ist seiner Meinung nach, dass sie ihre Arbeiten als fragmentarische Aufzeichnungen täglicher Meditationen betrachten. Statt kompositorischer Prinzipien stellten sie die Praxis der Wiederholung in ihr konzeptuelles Zentrum. Daher, sowie aufgrund der taktilen Qualität dieser Arbeiten, könne hier ein Bezug zur traditionellen chinesischen Ästhetik hergestellt werden. In Gaos Ausstellung waren Werke von Zhu Jinshi, Zhang Yu, Lei Hong und He Xiangyu zu sehen. In Zhu Jinshis Arbeit Soaking saugt sich ein Stapel Reispapier, der in einem tuschegefüllten Gefäß liegt, mit der Flüssigkeit voll und verändert so seine Farbe. Zhang Yu taucht für seine Installation Fingerprint 2004.10-1 Finger in Tusche und hinterlässt Abdrücke auf dem Papier, um die leibliche Beziehung zwischen Mensch und Welt zum Ausdruck zu bringen. Tusche ist das vorherrschende Thema. So kochte der jüngste teilnehmende Künstler, He Xiangyu (geb. 1986), für sein The Coca-Cola Project mehrere tausend Liter Cola, bis diese zu einer dunklen, dicken Flüssigkeit kristallisierte, die er für seine Malerei und Kalligrafie verwendet. Lei Hongs abstrakte Malereien entstehen nach Aussage des Künstlers vor dem Hintergrund seiner Auseinandersetzung mit der traditionellen chinesischen Tuschemalerei.
In der Hongkonger Zentrale der Osage Gallery ist derzeit die Ausstellung „The Burden of Representation: Abstraction in Asia Today“ zu sehen. Chefkurator Eugene Tan versammelt Werke von Künstlern aus China, Hongkong, Singapur, Japan und Taiwan, die zeigen, inwiefern asiatische Abstraktion kulturell bedingte Aspekte reflektiert. Hierzu gehört in der traditionellen asiatischen Ästhetik etwa die Betonung des Taktilen und Körperlichen in der Betrachtererfahrung. Angesprochen werden hier aber auch kollektive Momente im Produktionsprozess, wie im Falle des Gemäldes Limited Painting 2010002, von dem jungen chinesischen Künstler Chen Jie (geb. 1980). Das Werk, das an ein buntes Mosaik erinnert, ist das Ergebnis eines kollektiven Malprozesses, an dem Chens Freunde beteiligt waren. Zhao Zhaos (geb. 1982) großformatiges Gemälde 278453 zeigt kleine, längliche Farbtupfer – Referenz der Arbeit aber war Rattendreck am Boden seines Ateliers. So wird hier die organische und körperliche Beziehung zur Welt thematisiert. Am Anfang von Gong Jians Werken steht immer eine sprachliche Aussage, wie zum Beispiel „Fuck You“. Er schreibt die einzelnen Schriftzeichen mit bloßen Fingern so oft übereinander, bis je ein Farbfeld entsteht, dessen Struktur die körperlichen Spuren des Künstlers aufweist. Daneben zeigt die Ausstellung Werke der chinesischen Gegenwartskünstler Ding Yi, Liu Wie und Yang Jiechang.
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Peking. Wu Guanzhong, Chinas „Vater der Moderne“, ist im Alter von 91 Jahren in Peking gestorben. Nach einem Studium der europäischen Malerei in Paris versuchte er, westliche und chinesische Maltraditionen zu verbinden. Auch in seinen theoretischen Schriften machte er sich Gedanken darüber, wie ein östliches und ein westliches Kunstverständnis zum gegenseitigen intellektuellen Nutzen sein könnten. Das Hongkonger Art Museum zeigt derzeit eine Einzelausstellung mit Werken aus seinem Œuvre.
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