21. Mai 2009
Hongkong. Unter Einheimischen wird die
ART HK -Hong Kong International Art Fair, die gerade zum zweiten Mal stattgefunden hat, bereits als asiatische Antwort auf die
Art Basel in der Schweiz und die
Frieze Art Fair in London bezeichnet. Viele prophezeien der ART HK sogar eine rosige Zukunft als wichtigste Messe für Gegenwartskunst in Asien. Von über 250 Bewerbern wurden in diesem Jahr 110 Galerien aus 24 Ländern zugelassen, darunter international profilierte Aussteller wie die New Yorker
Gagosian Gallery und
White Cube aus London. Nach Aussage des Messedirektors
Magnus Renfrew kamen 65 Prozent der Galerien aus Asien und die übrigen 35 Prozent aus dem Rest der Welt. Aus Deutschland waren 11 Teilnehmer angereist, darunter
Arndt & Partner (Berlin),
Beck & Eggeling (Düsseldorf) und
Stefan Roepke (Köln/Madrid). Allerdings hat die Messe mit
Lehman Brothers nicht nur ihren Hauptsponsor verloren, sondern mit deren leitenden Angestellten auch gleich einen Teil ihrer Kundschaft. Gleichwohl hält man weiterhin an der Behauptung fest, Hongkong sei der drittwichtigste Ort im internationalen Kunsthandel. Dafür gibt es in der Tat gute Argumente: Im Unterschied zur VR China, wo auf jedes eingeführte Kunstwerk 34 Prozent Steuer erhoben werden, ist die Einfuhr von Kunst in Hongkong steuerfrei. Ein weiterer Vorteil ist die geografische Lage Hongkongs, liegt die Metropole doch unweit von Taiwan und Südkorea, woher – für den asiatischen Raum gesehen – bislang die Mehrzahl der Sammler zeitgenössischer Kunst stammt. Diesen potenziellen Markt hatten wohl auch viele westliche Galerien im Hinterkopf und brachten Qualitätsware mit.
Graham Steele von der Galerie White Cube verkaufte zwar tatsächlich an asiatische Sammler, meinte aber auch, dass es westliche Gegenwartskunst in Asien nach wie vor schwer habe und man sich in Geduld üben müsse.
mehrInternet. Ein neuer englischsprachiger Blog mit dem Namen „ChinaLuxCultureBiz (CLCB)“ beschäftigt sich mit den neuesten Entwicklungen und Trends in Wirtschaft, Kultur und Kunst. Ein aktueller Artikel unter der Überschrift „As China’s Currency Becomes Increasingly Global, Will Collectors Of Chinese Art Benefit?“ entwirft das Zukunftsszenario, dass die chinesische Währung, der Renminbi, eines Tages eine internationale Währung sein könnte. Denn im Zuge der aktuellen Diskussionen über die Rolle des amerikanischen Dollars als internationale Leitwährung und seine mögliche Ablösung äußerte die chinesische Regierung den Vorschlag, eine nicht-territoriale, multipolare Leitwährung ins Leben zu rufen. Verschiedene Währungen, darunter auch der Renminbi, würden dann in einem „Korb“ vereint. Was, so fragt der Artikel, könnte ein derart globalisierter Renminbi, und ein daraus folgender größerer Einfluss Chinas auf die Weltwirtschaft, für die Sammler chinesischer Kunst bedeuten? Der chinesische Kunstmarkt, so die Meinung von CLCB, würde von einer internationalen chinesischen Währung profitieren und die chinesische Kunst zu einer attraktiven Anlagekategorie machen. Zum einen sei Kunst eine bewegliche Güterform, daher könne man chinesische Kunst als „China as portable form“ bezeichnen. Zum anderen sei die Nachfrage nach chinesischer Kunst ungebrochen und tendenziell steigend, was bedeute, dass Kunst, die in US-Dollar gekauft wurde, in Zeiten eines starken Renminbi mit Gewinn wieder verkauft werden könnte.
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Internet. Welche chinesischen Künstler sind eigentlich die Gewinner der derzeitigen Umbruchsphase im Zuge der Krise? Dieser Frage widmet sich die chinesische Klatsch- und Tratsch-Internetseite art-ba-ba.com. Ihrer Einschätzung nach stehen dabei die Künstler aus Peking, Shanghai und Guangzhou an erster Stelle, und hier vor allem jene aus dem Umfeld der Galerie Vitamin Creative Space mit ihren häufig sozialkritischen Arbeiten, die installativ, minimalistisch und/oder von Arte Povera inspiriert sind. Daneben werden die Künstler aus der Shanghai-Hangzhou Connection genannt, deren berühmtester Vertreter hierzulande wohl Yang Fudong sein dürfte, sowie jene Pekinger Künstler, die wie Fang Lijun und Yue Minjun die bisherige Erfolgsgeschichte der chinesischen Gegenwartskunst entscheidend geprägt haben. Die Kunst wird also immer mehr zu einem breiten gesellschaftlichen Phänomen.
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