8. Januar 2009
PEKING. Gleich 36 Galerien in und um Peking sind dabei, ihre Aktivitäten einzustellen, wie der englischsprachige Ableger der chinesischen Internetplattform artintern.net meldet. Gleichzeitig scheint man auf offizieller Seite die Vorteile einer florierenden Kunstszene zu entdecken. Wie sehr sich die Einstellung der chinesischen Regierung zur Gegenwartskunst gewandelt hat, zeigt ein Artikel der parteinahen Zeitung „Renmin Ribao“ („Tageszeitung des Volkes“) über das Pekinger Kunstviertel 798. Noch vor wenigen Jahren war es vom Abriss bedroht, weil die Stadtplanungsbehörde eine andere kommerzielle Nutzung für das Gebiet vorgesehen hatte. Nachdem die offizielle Seite das ökonomische Potential des Viertels, das tagtäglich einheimische und internationale Besucherströme anzieht, erkannt hatte, wurde dieses so ausgebaut, dass das Areal heute mehr und mehr einem kommerziellen Vergnügungspark gleicht. Erstaunlich ist die aus dem genannten Artikel herauszulesende Einsicht, dass die übermäßige Kommerzialisierung eine Gefahr für die künstlerische Kreativität darstellen könnte. Unter der Schlagzeile „Die Künstler beklagen die Verteuerung, die Verwaltung jammert über die harten Umstände. Welche Richtung nimmt 798?“, wird der Interessenskonflikt zwischen finanziellem Profit und künstlerischen Freiräumen differenziert beschrieben. Viele Künstler müssen ihre Ateliers aufgrund der horrend gestiegenen Mieten in 798 aufgeben, während Galeristen beklagen, dass sie wegen der jeweils nur auf ein Jahr beschränkten Mietverträge mit dem profitorientierten Management von „Seven Stars“ nicht längerfristig planen können. Um das kreative Klima in 798 auch in Zukunft zu gewährleisten, so schreibt die „Renmin Ribao“, muss das Management begreifen, dass der Erfolg dieses Viertels in erster Linie den Künstlern zu verdanken ist. Anstatt diese also durch hohe Mieten zu gängeln und sie zu „Dienstleistern“ zu degradieren, sei es an der Zeit, gemeinsam über das Schicksal von 798 zu diskutieren. Ob der Vorschlag geeignet ist, die Künstler in Zukunft an den Profiten des Managements zu beteiligen, darf bezweifelt werden. Denn wenn das Nutzungsrecht eines Ateliers gleichzeitig Einkommensquelle würde, besteht die Gefahr, dass mit der Kunstproduktion in erster Linie finanzielle Ziele verfolgt würden. Tatsache ist allerdings, dass in China zunehmend auch in offiziellen Kreisen über die Bedeutung der Gegenwartskunst diskutiert wird und die Gefahr der Überkommerzialisierung erkannt worden ist.
Parallel zur Diskussion über die Zukunft von 798 plant die Pekinger Stadtentwicklungsbehörde, in den kommenden zwei Jahren neun weitere Kunstzentren nach dessen Vorbild aufzubauen. Im Jahr 2010 soll es damit insgesamt 30 sogenannte Kunst- und Kulturzonen in Peking geben, zur Förderung und Ausstellung von traditioneller und moderner Kultur. Laut eines Sprechers der Behörde arbeiten bereits heute eine Millionen Menschen in ca. 10.000 Unternehmen mit Bezug zur Kultur, die damit eine wichtige Säule der Dienstleistungsindustrie darstellen. Es wird erwartet, dass die Kulturindustrie bis 2010 mindestens 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen wird. mehr
SCHANGHAI. In Schanghai wurde im Dezember zum vierten Mal der jährliche „Chinese Art Prize“ vergeben, der sich explizit an aufstrebende, nach 1975 geborene chinesische Maler wendet. Initiiert von der seit 1997 bestehenden Schanghaier Galerie Art Scene Warehouse, wurden von einer international besetzten Expertenjury aus über tausend Bewerbern die drei Gewinner Min Xiaofang (Gold), Kang Yongfeng (Silber) und Song Yongjun (Publikumspreis) ausgewählt. Der „Chinese Art Prize“ verschreibt sich großer Fairness, verlangt im Unterschied zu anderen Preisen keine Bewerbungsgebühr und ist aufgrund seiner verhältnismäßig hohen Preisgelder sehr begehrt. So reichen die Gewinne von 66.000 RMB (ca. 7.000 Euro) für den ersten bis zu 10.000 RMB (ca. 1.000 Euro) für den Publikumspreis. mehr
HONGKONG. Überraschend positiv schloss das taiwanesische Auktionshaus Ravenel im Rahmen der Herbstauktionen am 1. Dezember seine Debütauktion in Hongkong ab. In finanzkrisengeschüttelten Zeiten sind die Verkäufe in Höhe von 71.103.340 Hongkong-Dollar inklusive Aufgeld (ca. 6.707.445 Euro) und eine Zuschlagsquote von 71 Prozent nach Losen, die Ravenel bei seiner Auktion moderner und zeitgenössischer asiatischer Kunst erzielen konnte, als sensationell zu betrachten. Wichtige Sammler aus Hongkong, Taiwan und dem internationalen Ausland waren angereist und boten u.a. aufYue MinjunsEnchanted Spring – das mit 11.500.000 Hongkong-Dollar (ca. 1.084.838 Euro) den höchsten Preis erzielte – Zeng FanzhisMan with Bamboo (4.720.000 Hongkong-Dollar / ca. 445.255 Euro) und Red Clouds (5.900.000 Hongkong-Dollar / 556.569 Euro) sowie Werke von Zhou Chunya, Mao Xuhui, Ling Jian. mehr
NEW YORK. Schlechte Nachrichten sind aus New York zu vernehmen. Dort wurde die International Asian Art Fair, die vom 11. bis 15. März 2009 in New York stattfinden sollte, aufgrund der „momentanen globalen ökonomischen Situation“ abgesagt. Wie der Webseite des Organisators Haughton International Fairs zu entnehmen ist, waren viele Händler wegen der angespannten Situation gezwungen, ihre Teilnahme zu revidieren. Der Veranstalter gibt sich dennoch optimistisch und hofft, die Messe im Jahr 2010 neu lancieren zu können. mehr