28. Januar 2010
Toronto. Ausländische Medien nehmen erst allmählich wahr, dass sich die Haltung der chinesischen Regierung zur Gegenwartskunst verändert. Auf der Webseite der kanadischen Zeitung „thestar.com“ setzt sich nun ein Artikel mit dem Thema auseinander. Während der chinesische Staat, so liest man dort, die zeitgenössische Kunst vor zehn Jahren noch ignoriert oder aber als subversiv eingestuft und deswegen verboten hätte, schmückte sich die chinesische Regierung inzwischen gerne mit den Künstlerstars und deren ökonomischen Erfolgen. Die chinesische Gegenwartskunst würde in Imagekampagnen instrumentalisiert, damit China im Ausland als ernstzunehmender Global Player wahrgenommen würde. Doch nicht nur das. Nach offiziellen Aussagen würde Kultur als „soft power“ genutzt, um chinesische Wertvorstellungen und Interessen nicht nur innerhalb, sondern auch außerhalb des Landes zu vermitteln. Vorbild seien hier die USA, die, so ein chinesischer Regierungsvertreter, Hollywoodfilme und Popmusik dazu nutzen, ihre kulturellen und ideologischen Ansprüche zu manifestieren.
Allerdings greift die Analyse der Kanadier zu kurz. Denn in China geht es offensichtlich nicht nur um politische, sondern auch, wenn nicht gar vor allem, um ökonomische Machtansprüche und Interessen. Ausdruck dieser neuen Strategie der chinesischen Regierung sind beispielsweise die Bemühungen des staatlichen Medien- und Unterhaltungsbüros, mit amerikanischen Produktionsfirmen wie Time Warner zu konkurrieren, indem Sendungen mehrsprachig und für den internationalen Export produziert werden. Kultur soll der staatlichen Kontrolle unterstehen und noch dazu gewinnbringend sein. Zudem wird oft übersehen, dass die Zensur, das heißt das Blockieren von Internetplattformen wie Twitter, YouTube und Facebook in China immer auch ökonomische Gründe hat. Denn inzwischen gibt es für diese Netzwerke chinesische Äquivalente, die in Anbetracht des großen chinesischen Binnenmarktes hohe Profite versprechen, die man nicht ausländischen Anbietern überlassen möchte.
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Peking. Kunstmuseen müssen eine tragende gesellschaftliche Rolle übernehmen und die Phänomene der zeitgenössischen Kultur erklären. Diese Auffassung vertritt Wang Huangsheng, der nach jahrelanger Tätigkeit als Direktor des Guangdong Museum of Art – wo er unter anderem die Guangzhou Triennale etablierte – inzwischen als Direktor des CAFA Art Museum der Central Academy of Fine Arts in Peking tätig ist. Auf der Internetseite „art-baba“ räsoniert der Kurator über die aktuelle Lage der chinesischen Kunstmuseen. Um das beschriebene Ziel zu erreichen, müssten ihm zufolge die akademische Forschung sowie die Vermittlungsarbeit ausgebaut und gefördert werden. Ein wichtiger Aspekt müsse dabei die Auseinandersetzung mit der Geschichte sein, denn Wang hält historisches Wissen bei der Formulierung zeitgenössischer Diskurse für unabdingbar. Die historische Forschung dürfe nicht nur deskriptiver Natur, sondern müsse vielmehr theoretisch und analytisch angelegt sein. Erfolgreiche Museumsarbeit bedeute nicht nur die Erweiterung von Sammlungsbeständen, sondern auch das Erarbeiten der kulturellen und historischen Kontexte, in denen die Exponate stehen. Hierfür sieht Wang bereits erste vielversprechende Anzeichen, denn während bislang die Konservierung von Kunstobjekten im Vordergrund der Museumsarbeit gestanden hätte, würde seit Kurzem zunehmend Wert auf Forschung und Vermittlung gelegt. Wang sieht hierin den Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins für „kulturelle Demokratie“.
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Hongkong. Chinas Sammler beflügeln den Kunstmarkt. So berichtet „businessweek.com“, dass Christie‘s auf seinen internationalen Auktionen in New York und Europa im vergangenen Jahr dank des hohen chinesischen Wirtschaftswachstums deutlich mehr Verkäufe an Festlandchinesen vermelden konnte. Nach Aussage von Andrew Foster, Präsident von Christie‘s Asia, haben sich 2009 auf den internationalen Marktplätzen die Zuschläge chinesischer Kunst an Chinesen verdoppelt. Schon in den vergangenen zwei Jahren habe man auf Hongkonger Auktionen beobachten können, dass Amerikaner und Europäer auf Auktionen asiatischer Antiquitäten von Chinesen überboten wurden. Nun zeige die jüngste Entwicklung, dass chinesische Sammler sich nicht mehr nur auf traditionelle Kunst konzentrierten, sondern sich laut Foster auch für Uhren, Wein, Juwelen und Kunst aus dem Westen interessierten. Hongkongs Kunst- und Auktionsmarkt habe sich nach der Krise international am schnellsten erholt und sei momentan weltweit führend. Wie das Konkurrenzunternehmen Sotheby‘s veranstaltet auch Christie‘s zwei Auktionen pro Jahr in Hongkong.
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