Causa Kirchner

Im Juli 2006 gab die Stadt Berlin das Gemälde „Berliner Straßenszene (1913)“ von Ernst Ludwig Kirchner an die Erbin der jüdischen Sammlerfamilie Hess zurück. Die umstrittene Restitution eines der bedeutendsten Werke des Brücke-Museums Berlin entfachte die Diskussion um den Umgang mit Restitutionsansprüchen und deren Rechtmäßigkeit im Einzelfall. Auch diesbezügliche aktuelle Praktiken des internationalen Kunsthandels stehen im Fokus der Debatten. Die wichtigsten Dokumente zum Fall und weiterführende Artikel im Dossier.

Die Chronologie, die Argumente und alle bisher auf artnet erschienenen Artikel zum Thema in einer übersichtlichen Zusammenstellung.

Es ist eine Sensation gleich in mehrfacher Hinsicht: die Versteigerung von Ernst Ludwig Kirchners „Drei Akte im Wald“. Denn das Gemälde galt nicht nur lange als verschollen, sondern wird auch ohne Kontroversen auf den Markt gebracht. Dabei stammt das Werk ursprünglich aus der Sammlung von Alfred Hess, wie schon die „Straßenszene“, deren unglücklich verlaufene Restitution zur „Causa Kirchner“ geriet. Stefan Kobel erläutert die Hintergründe der bevorstehenden Auktion.

Eine politische Allianz zumeist konservativer Historiker und Publizisten fordert als Erstunterzeichner eines offenen Briefes den Rücktritt der Chefin der Berliner Staatskanzlei. Sie habe mit der Rückgabe eines Gemäldes von Ernst Ludwig Kirchner Landesvermögen verschleudert. Thomas Eller erklärt, warum Detailarbeit an die Stelle der politischen Gefechte treten sollte und Forschung wichtiger wird als politische Stimmungsmache.

Im Rahmen der Diskussion um die deutsche Restitutionspraxis enteigneter Kunstwerke hat man mehrfach über die Einführung von Fristen nachgedacht. Ein Blick in die USA zeigt, dass zwei dortige Gerichte diesen Aspekt jüngst rigoros beantwortet haben – gegen die Herausgabe zweier Werke aus der Sammlung Nathan aus Museen in Toledo und Detroit. Anna Blume Huttenlauch über die Hintergründe.

Die Debatte um die Restitution des Gemäldes „Berliner Straßenszene“ von E. L. Kirchner im Juni 2006 ist keineswegs verebbt. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt erneut wegen des Verdachts der Untreue und die Direktorin des Brücke-Museums belastet die ehemalige Kulturstaatssekretärin Kisseler durch ihre Aussagen vor dem Sonderausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses schwer. Zu den jüngsten Ereignissen recherchierte Anna Blume Huttenlauch.


Ein weiteres Originaldokument bereichert das Dossier „Causa Kirchner“: die Liste der Gemälde der Sammlung Hagemann von 1947.

Ronald S. Lauder ersteigert bei Christie’s die „Berliner Straßenszene“ für sein New Yorker Museum „Neue Galerie“. Der Preis für den kürzlich restituierten Kirchner? 38 Millionen US-Dollar! Immerhin bleibt das bedeutende Gemälde der Öffentlichkeit auf diese Weise zugänglich, selbst wenn es nun einem Privatsammler gehört. Nicht wenige Beobachter waren für die Auktion eigens aus Berlin angereist. Unter ihnen auch Anna Blume Huttenlauch.

Nun ist es soweit: In New York kommt beim Auktionshaus Christie’s Kirchners „Berliner Straßenszene“ zum Aufruf – ein Gemälde, dessen kürzlich erfolgte Restitution umstritten ist. Kulturstaatsminister Neumann hat währenddessen zu einer Gesprächsrunde zwischen Experten eingeladen, welche die Teilnehmer über bisherige Restitutionspraktiken informieren und Ansätze für die Zukunft bieten soll. Henrike Schulte fasst die wichtigsten Aussagen der letzten Tage zusammen.

Kurz drohte es still zu werden um die „Causa Kirchner“. Das Gemälde „Berliner Straßenszene“ von Ernst Ludwig Kirchner war Ende Juli auf Anweisung des Berliner Kultursenators Flierl an die Erben des ehemaligen jüdischen Eigentümers zurückgegeben worden, was zu einem Sturm der Entrüstung geführt hatte. Ein nie beantworteter Brief des Berliner Kunsthändlers Bernd Schultz an die Bundeskanzlerin bringt nun neuen Wind in die Debatte. Lesen Sie ihn auf artnet.

Die Restitution der Berliner Straßenszene von Ernst Ludwig Kirchner wird weiterhin kontrovers diskutiert. Ist die Rückgabe des Gemäldes rechtswirksam zustande gekommen oder ist dem Senat dilettantisches Verhalten und Veruntreuung von Landeseigentum vorzuwerfen? Zuletzt stellte der Förderkreis Brücke-Museum scharfe Forderungen, so zum Beispiel nach der Einleitung eines Strafverfahrens gegen Staatssekretärin Frau Kisseler. Zu dem Forderungskatalog des Förderkreises nimmt der Senat heute Stellung.

Die museale Provenienzforschung nach NS-verfolgungsbedingt verbrachten Kulturgütern soll, so besteht seit 1998 die kulturpolitische Anforderung, schnellstens die Herkunft der Kunstwerke erforschen und publik machen. Noch schneller soll sie solches leisten, wenn Ansprüche angekündigt oder Anspruchsstellungen von Erbberechtigten erhoben werden. Bis heute jedoch bleibt eine finanzielle und koordinierende tatkräftige Unterstützung der Museen aus – stellt Ute Haug fest.

Nach seiner außerplanmäßigen Mitgliederversammlung am Dienstag fordert der Förderkreis Brücke-Museum nun die Überprüfung der Rechtswirksamkeit des Restitutionsvertrags des Landes Berlin mit der Hess-Erbin Halpin im Fall des Gemäldes „Berliner Straßenszene“. Zudem sieht der Förderverein Grund genug, ein Strafverfahren wegen des Verdachts der Veruntreuung von Landeseigentum gegen Senator Flierl und seine Staatssekretärin Kisseler einzuleiten. Die Details berichtet Thomas W. Eller.

Der Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten des Landes Berlin tagt zum Restitutionsfall Kirchner, doch viel mehr Licht ins Dunkel bringt er dabei nicht. Die ersten Eindrücke von der Sitzung am 28. August vermittelt Thomas W. Eller.

Die Diskussion um die Restitution des Gemäldes „Berliner Straßenszene“ gerät zunehmend zu einer moralischen Debatte. Besteht die Gefahr, dass der Einzelfall der Rückgabe aus den Augen verloren wird? Nun werden erste Rücktrittsreaktionen bekannt. Thomas W. Eller berichtet über neue Fakten im Fall Kirchner.

Der Streit darüber, ob die Restitution des Gemäldes „Berliner Straßenszene“ von Ernst Ludwig Kirchner hätte erfolgen müssen oder nicht, tobt weiterhin - neuerlich auch als Mittel des Wahlkampfes. Der Senat verhielt sich mit seinen Äußerungen bisher wenig angriffslustig. Dabei empfindet auch er die Ergebnisse der zweijährigen Verhandlungen als unbefriedigend. In Vertretung des Kultursenators Thomas Flierl stand Konrad Schmidt- Werthern artnet für Fragen zur Verfügung.

Die Nachricht von der Restitution des Gemäldes „Berliner Straßenszene“ von Ernst Ludwig Kirchner durch das Land Berlin hat in den letzten Tagen die Gemüter bewegt. Die Berliner Juristin Anna Blume Huttenlauch beleuchtet die Rechtsgrundlagen des Falles und kommt zu dem Schluss, dass man völlig losgelöst von einer moralischen Bewertung die Notwendigkeit der Rückgabe aus rechtlicher Sicht jedenfalls bezweifeln kann.

Hätte die Ende Juli erfolgte Restitution von Kirchners Berliner Straßenszene wirklich erfolgen müssen? Der Unmut gegen die Entscheidung des Berliner Senats wächst. In einem Schreiben weist der Geschäftsführer des Berliner Versteigerungshauses Villa Grisebach, Bernd Schultz, auf die eklatanten Versäumnisse der Behörde bei der Überprüfung der rechtlichen Ansprüche der Erben der Sammlerfamilie Hess hin.