25. Juni 2012
Das Fotobuch ist beliebt wie nie. Doch dem Sammlerinteresse einer zunehmend jungen Generation stehen vergriffene Auflagen und horrende Preise entgegen. Die Verlage bleiben derweil starr. Kann das Ausweichen auf eBooks eine Lösung sein?
2008
November
Die Nationalsozialisten hatten die Avantgarde „entartet“ genannt. Nach 1945 stellte sich auch die ostdeutsche Kunstkritik in diese berüchtigte Tradition.
Ein Sammelband will Bilder verorten, findet aber die eigene Ordnung nicht. Stefan Heidenreich war über das Potpourri, trotz einiger Entdeckungen, im Ganzen really not amused.
Oktober
Dass das Sehen eine Geschichte hat, pfeifen die Spatzen längst von allen Dächern. Ein Sammelband entwirft eine Geschichte seiner Modernisierung.
Klischees dominieren den Blick auf den Iran. Ein neu erschienener Bildband setzt den Vorurteilen fotografische Kreativität entgegen.
Nicht nur die linke Praxis, auch Kunst laboriert an der Ambivalenz karnevalesker Happenings. Oft stabilisieren sie die Verhältnisse, die sie verballhornen. Ein Sammelband widmet sich einem zweischneidigen Phänomen.
Produkte der Massenkultur haben einen schlechten Leumund. Zu Unrecht, meint ein Sammelband und rehabilitiert die Schönheiten unserer Warenwelt.
Wenn Philosophen kuratieren, werden aus Ausstellungen theoretische Fallbeispiele. Für Lyotards Projekt „Les Immatériaux“ liegt nun eine neue Deutung vor.
September
Er hat viele gekannt und bekannt gemacht: der Galerist Konrad Fischer. Eine Publikation widmet sich nun detail- und anekdotenreich der Düsseldorfer Galeristenlegende.
Samuel Beckett, ein ausgewiesen medienübergreifend tätiger Autor, hatte großen Einfluss auf die zeitgenössische Videokunst.
In Tirdad Zolghadrs Kunstszene-Roman feiert das popliterarische Schreiben fröhliche Urständ und es sieht ganz so aus, als wäre Kunst der neue Pop.
Objektivität hat eine Geschichte und die hängt eng mit der der Bilder zusammen. Lorraine Daston und Peter Galison legen eine material- und lehrreiche Studie vor.
August
Drei Kataloge versuchen sich mit gemischtem Erfolg an Aus- und Rückblicken auf den Feminismus und die feministische Kunst.
Berühmt wurde Jean Baudrillard durch seine Thesen zum Verschwinden der Grenzen zwischen Realität und Fiktion. In seinem letzten Text entwickelte er sie zur Bildtheorie weiter.
Um die Systemtheorie ist es stiller geworden. Dabei ist sie noch immer ein hochpräzises analytisches Werkzeug im Umgang mit Kunst.
Was tun, wenn man der eigenen Kunst nicht mehr traut? Charlotte Posenenske hat die Disziplin gewechselt und ihr Werk einer radikalen Kritik ausgesetzt.
Boris Groys’ neues Buch erscheint wie ein Denkversuch über die Kunst der Gegenwart. In Wahrheit ist es nur ein Fallbeispiel akademischer Vernetzung und Zweitverwertung.
Juli
Drei Kataloge zu prominenten Sammlungen lassen Ähnlichkeiten und zugleich die unterschiedlichen Motivationen von Sammlern erkennen. Ein Vergleich.
„Dreizehn Montagsgespräche“ führte die Kunsthistorikerin Wilma Lukatsch 2005 mit dem Fluxus-Künstler Tomas Schmit. Sie sind jetzt nachzulesen.
Wer alles sieht, sieht nichts. Paul Virilio stellt die Kunst vor die Alternative, blindlings mitzutun oder sich auf die Materialität der Körper zurückzubesinnen.
Der Begriff „Pictorial Turn“ meint die Vorherrschaft der Bilder in der modernen Welt. Ausgerechnet sein Urheber zählt aber zu den Zweiflern an der Bildwissenschaft.
Juni
Seit der Kunstbetrieb um Rekorde kämpft, lernen seine Athleten auch das Doping kennen. Gedopt wird mit dem eigenen Blut, diagnostiziert Diedrich Diederichsen.
Eine Publikation zum Werk des belgischen Medienkünstlers David Claerbout zeigt ihn auf seiner überaus subtilen Suche nach der Wirklichkeit von Zeit.
Ein bei Ringier erschienenes Buch beschreibt in Wort und Bild die Lebensarbeit von Harald Szeemann und bezeugt damit einmal mehr ihre Magie.
An der berühmten Sammlung des Ehepaares Burton und Elaine Tremaine demonstriert Louise Lawler ihre Kunst des Kopierens von Kunst.
Dass Eitelkeit auch dem Philosophen zum Fluch gereichen kann, lernt man an Alain Badiou und seinem Konzept des Affirmationismus.
Mai
Einen Gesamtüberblick über das Verhältnis von Zeichnung und Raum vermittelt der Band „Räume der Zeichnung“ zwar kaum, wohl aber viele wertvolle Einblicke.
So einfach ist die Sache nicht. Ein Buch von Kerstin Holm zur Frage deutscher Beutekunst in Russland hält nicht alles, was es verspricht.
Die Krise der Kunsthochschulen ist bekannt – doch kaum jemand reagiert. Ein Nürnberger Symposium versuchte einen Anfang.
Das Buch „Wahlverwandtschaften“ thematisiert die Klischees, mit denen Künstlerinnen aus einer männlich dominierten Kunstgeschichte ausgeschlossen wurden.
April
Kunst und Politik befinden sich in der Falle der ethischen Undifferenziertheit, so Jacques Rancière. Auf den Spuren eines schwierigen, doch faszinierenden Autors.
Vier Fotografien, im Sommer 1944 von Häftlingen in Auschwitz heimlich aufgenommen, machen sichtbar, was bislang als undarstellbar galt.
Bilder sind nicht passiv. Das gibt einem Sammelband Anlass, die politische Bildproduktion im Kontext der jüngsten Kriege zu untersuchen.
Warum ist der Film „Der Lauf der Dinge“ von Fischli und Weiss so komisch? Jeremy Millar widmet sich dieser Frage und sucht die Quellen des Humors.
Wie wird der Blick zum Bild? Hans Belting führt in seinem neuen Buch unsere Perspektive auf ihren Ursprung zwischen Orient und Okzident zurück.
Eine Publikation ohne rechten Tiefgang, doch mit einer interessanten Präsentation junger Künstlerinnen und Künstler.
März
Louis Marin zeigt, dass Bild und Macht einen unauflöslichen Zusammenhang bilden. Das hat Konsequenzen auch für die akademische Bildanalyse.
Lassen sich Bilder in Worte fassen? Gottfried Boehm versucht, als Bildtheoretiker hinter die Oberflächen zu schauen und das Ungesagte mitzudenken.
Beate Frickes Recherche nach dem Ursprungsort der westlichen Bildkultur führt sie ins 9. Jahrhundert nach Conques, einem abgelegenen Ort in der Auvergne.
Im zwanzigsten Jahrhundert sind die fotografischen Bilder zu Naturerscheinungen geworden. Sven Johne treibt uns mit einem Buch den Glauben an diese Selbstverständlichkeit aus.
Februar
Der Altmeister der Fotografie-Kritik Max Kozloff hat eine scharfsinnige Studie über das fotografische Porträt geschrieben.
Ein opulenter Bildband zeigt die Wohn- und Arbeitssituation zeitgenössischer chinesischer Künstler. Leider zeigt er nur die großen Namen aus zentralen Städten.
Jean-Louis Déotte beschreibt die Erfindung der Zentralperspektive als den entscheidenden Gründungsakt der Neuzeit.
Hans Ulrich Reck streitet beherzt um den Vorrang von Kunstgeschichte und Kunstphilosophie vor der Bildwissenschaft – und vergreift sich im Ton.
Nach dem Bestseller „Die Geschichte der Schönheit“ legt Umberto Eco mit einer „Geschichte der Hässlichkeit“ nach.
Januar
Was denkt ein Sammler über Kunst? Oder genauer: über die Künstler? Der Sammler Harald Falckenberg legt Rechenschaft ab.
Karlheinz Schmid gibt in einer neuen Reihe Ratschläge für alle Beteiligten der Kunstszene. Ob die damit etwas anfangen können?
Bislang wenig beachtet, nun von einer Publikation ans Licht geholt: Gerhard Richters „Rot, Gelb, Blau“ – drei großformatige Ölgemälde im Besitz von BMW.
Stéphane Breitwiesers „Bekenntnisse eine Kunstdiebes“ bieten bestenfalls einen zur Unterhaltung aufgepäppelten Egotrip.
2007
Dezember
Verheißungsvoll betitelt und von der Fachwelt mit Ungeduld erwartet, erschien vor kurzem das „China Artbook“. Doch unter den Spezialisten scheiden sich die Geister.
Für seinen Sammelband ließ Paul O’Neill KuratorInnen die Projekte anderer kritisch kommentieren.
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