11. November 2005
Barbara Naumann / Edgar Pankow (Hrsg.): Bilder-Denken. Bildlichkeit und Argumentation. Wilhelm Fink Verlag, München 2004. 307 Seiten. 34,90 Euro. Der so genannte „iconic turn“, die Hinwendung zum Phänomen des Bildes als eines Grundphänomens einer zunehmend medial geprägten Moderne, gehört zwar längst schon zum geflügelten Wort nicht nur in den Kulturwissenschaften. Doch die Konsequenzen dieser Wende sind noch lange nicht erschöpfend bedacht. Die nach wie vor erstaunlich hohe Produktivität theoretischer Versuche, sich des Phänomens zu versichern, belegt es. Immerhin gilt die Bemühung dem bemerkenswerten Umstand, dass besagte Bildmedien nicht bloße Abbilder gesellschaftlicher und kultureller Verhältnisse liefern, sondern sie geradezu hervorbringen, zumindest formen.
Der hier anzuzeigende Sammelband trägt dabei sein Sujet schon im Titel. Bilder-Denken wäre der Versuch, „das Verhältnis von Bild und Denken, von Bildlichkeit und Argumentation“ zu klären. Dabei versammelt die Anthologie in ihren 14 Beiträgen nicht nur durchaus illustre Namen der Bildtheorie wie Georges Didi-Huberman und Michael Wetzel, Sigrid Weigel, Elisabeth Bronfen und Hartmut Böhme und viele mehr, sondern auch die inhaltlich weit gestreute Frage, wie unterschiedliche Bildmedien wie Tafel- und Sprachbild, Foto, Film, TV und Computersimulation jeweils unterschiedliche argumentative Strategien ins Spiel bringen.
Dass eine solche Fragestellung nach dem überaus prekären Verhältnis von Text und Bild „transdisziplinär“ angegangen werden muss, versteht sich von selbst. Weniger versteht sich, dass auch die Grenzen der Bildlichkeit als Frage nach dem, was sich dem Bild und der Bildgebung strukturell entzieht, eigens bearbeitet werden.