24. April 2006
„Angehaltene Zeit. Bilder vom Tanz“ bei C/O Berlin, Linienstraße 144, 10115 Berlin.
Bis 7. Mai 2006 Fotografie und Tanz sind unter den Künsten Extreme. Fotografie: das Dokument, die stillgelegte Wirklichkeit, die absolute Fläche. Tanz: das erzählte Märchenreich, die flüchtige, uneinholbare Bewegung im abstrakten Raum. Eine vom Deutschen Tanzarchiv in Köln betreute Ausstellung bei C/O Berlin, dem kulturellen Forum für Fotografie in der Linienstraße, zeigt jetzt Werke von Andrea Esswein, Dominik Mentzos, Agnès Noltenius, Vanessa Ossa, Jörg Reichardt, Bettina Stöß, Bernd Uhlig, Gert Weigelt und Peter Welz. Denn eben das gibt es: Fotokünstler, deren Arbeit fast ausschließlich der Auseinandersetzung mit dem extremen Gegenüber ihres eigenen Mediums gilt.
Gert Weigelt zum Beispiel, früher selbst Tänzer in Compagnien von europäischem Rang, wurde nach dem Ende dieser Karriere einer der ersten Tanztheaterfotografen des Landes. Seine Bilder gelten dem posierenden Körper, den Spuren der Virtuosität und des Trainings am darstellenden Leib – Fotografie als Lob der Kraft. Ganz anders Bernd Uhlig, dessen in obskures Licht getauchte Studien der Ballerina Steffi Scherzer kaum ahnen lassen, dass ihre geheimnisvoll verwischte Silhouette eingefangen wurde, während sie den „Sterbenden Schwan“ tanzte. Fotografie als Mystifikation. Bettina Stöß wiederum, sehr nahe an den Fotografien ihres Lehrers Lois Greenfield, hat Tänzer im Studio eigene Figuren stellen, heben und springen lassen und hält fast sportfotografisch die Unwahrscheinlichkeit des Spiels mit der Schwerkraft fest – Fotografie als gestochen scharfe Zeitlupe. Am eindrücklichsten aber ist die Bilderfolge, die Dominik Mentzos von William Forsythe als Tänzer gemacht hat. Weder ist hier der Tanz für die Kamera, ja auch nur für einen Betrachter gestellt, noch arrangiert die Kamera nachträglich besondere Effekte: Fotografie als Medium der Energieübertragung.
Was die kleine, aber durch faszinierende Dokumente historischer Tanzfotografie ergänzte Schau auch demonstriert, ist, dass die Fotografie immer nur so gut sein kann wie der Tanz, den sie zeigt. Darum vielleicht zieht der Tänzer William Forsythe auf den kleinformatigen, in dunklen Grüntönen satt getränkten Farbaufnahmen von Mentzos so stark in seinen Bann. Seine Konzentration auf die Arbeit und die augenblickliche Ausführung der künstlerischen Geste wirkt geradezu magisch. Der Tänzer kann präsent und versunken zugleich wirken. Das macht ihn zum idealen Objekt der Kamera.