Bericht vom ersten Prozesstag „Sammlung Jägers“

Auftakt in Köln

Damian Zimmermann
2. September 2011

Heute hat am Kölner Landgericht der Prozess um den wohl größten Kunstfälscherskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte begonnen. Es geht um die fiktive „Sammlung Jägers“ und die ebenfalls erfundene „Sammlung Wilhelm Knops“. Entsprechend der Tragweite des Falls war das Medieninteresse gewaltig. Mehrere Dutzend Journalisten, Fotografen und Kamerateams internationaler Herkunft versammelten sich im großen Saal 7, um die Angeklagten, den mutmaßlichen Fälscher und Hehler Wolfgang Beltracchi, dessen Ehefrau Helene Beltracchi sowie Otto Schulte-Kellinghaus, erstmals zu Gesicht zu bekommen.

Ihnen wird vorgeworfen, sich vor über zehn Jahren zusammengeschlossen zu haben, um „in arbeitsteiliger Vorgehensweise gefälschte Kunstwerke“ der Klassischen Moderne in den Verkehr zu bringen – darunter angebliche Arbeiten von Max Ernst, Max Pechstein und Heinrich Campendonk. Helene Beltracchis Schwester, Jeanette S., soll zudem 2003 in die Pläne der Bande eingeweiht worden sein und sich dieser angeschlossen haben. Sie saß heute ebenfalls auf der Anklagebank.

Der mutmaßliche Fälscher Wolfgang Beltracchi selbst erschien offensichtlich entspannt und ausgesprochen gut gelaunt im Verhandlungssaal – mit weit aufgeknöpftem, weißem Hemd und dem schulterlangen, gelockten, graublonden Haaren entsprach er vor allem gängigen Künstlerklischees. Aussagen der Beschuldigten werden erst für die kommenden Verhandlungstage erwartet. Der Wahlverteidiger Beltracchis, der medienerfahrene Kölner Anwalt Reinhard Birkenstock, der bereits Fernseh-Metereologen Jörg Kachelmann vertreten hat, wird sich später vor der versammelten Presseschar darum bemühen, den Eindruck der völligen Lässigkeit des Beschuldigten ein wenig zu schmälern und beschreibt den Journalisten die harten Bedingungen der Untersuchungshaft und die Enge der Zelle als wäre sein Mandant soeben über die Seufzerbrücke in Venedig gegangen.

Inhaltlich wurde beim Prozessauftakt nicht viel Neues bekannt. Die Staatsanwältin verlas geschlagene eineinhalb Stunden lang die Anklageschrift und ging dabei auf jedes einzelne der insgesamt 14 Werke und dessen Verkaufsgeschichte ein. Kurz danach schloss der Vorsitzende Richter Wilhelm Kremer die Sitzung bereits wieder. Die Ermittlungen seien noch gar nicht abgeschlossen. Erst gestern habe man sechs Aktenordner mit Kontoauszügen aus Andorra erhalten, die nun erst einmal eingescannt und an die Beteiligten weitergereicht werden müssten.

Für den Prozess sind 40 Verhandlungstage vorgesehen, der kommende wird am 21. September stattfinden. Mit einem Urteil wird nicht vor März 2012 gerechnet.


Mehr im Dossier  Kunst und Fälschung

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