BCC - Brussels Cologne Contemporaries

Kölner Youngsters in Aktion

Damian Zimmermann
27. Januar 2012

BCC - Brussels Cologne Contemporaries, Köln, Galerienrundgang am Freitag, 27. Januar, 18 bis 22 Uhr, Ausstellung im Carlswerk, Köln-Mülheim, 28. und 29. Januar 2012.

Erst vor zwei Monaten luden die Kölner Nachwuchsgalerien zum gemeinsamen Rundgang „Cologne Contemporaries“ ein. Nun tun sie es schon wieder – allerdings unter verändertem Vorzeichen, denn die 13 Galerien und Off-Spaces eröffnen am heutigen Freitag zwar neue Ausstellungen, der Schwerpunkt jedoch liegt woanders: Zusammen mit sechs befreundeten Galerien aus Brüssel laden die Kölner zu einer Ausstellung im historischen Carlswerk im Kölner Stadtteil Mülheim ein. Köln bezieht damit auch weiterhin aktiv das Umland für gemeinsame Kunstevents ein - den „Brussels Cologne Contemporaries“ (BCC). Die etablierten Galerien tun dies bereits seit einigen Jahren sehr erfolgreich gemeinsam mit den Düsseldorfer Kollegen während des Rundgangs „DC Open“ im September. Und die jungen Kollegen schauen nun eben noch weiter über den Tellerrand hinaus.

„Es gibt die traditionelle Rheinland-Belgien-Achse“, sagt Vanessa Joan Müller, die gemeinsam mit Agata Jastrzabek aus Brüssel die Ausstellung im Carlswerk kuratiert. Außerdem gebe es in Brüssel relativ viele junge Galerien. Statt mit einem Auge immer nach Berlin zu schielen, wolle man sich also lieber auf die Stärken im direkten Umfeld konzentrieren – schließlich ist Brüssel nur zwei Autostunden von Köln entfernt. So entstand die Idee zu den BCC, als besondere Ergänzung zum eher konventionellen Galerienrundgang.

Für die große Gemeinschaftsausstellung im Carlswerk erhielten die Kuratorinnen von jeder Galerie eine Liste mit den zur Verfügung stehenden Künstlern. Aus diesem Pool mussten sich Müller und Jastrzabek für jeweils eine Position pro Galerie entscheiden, so dass sie insgesamt 19 Künstler in der 720 Quadratmeter großen Industriehalle präsentieren können. Bei dieser sehr breiten Auswahl sei es dann auch nicht möglich gewesen, ein thematisches Thema für die Ausstellung zu finden: „Die große Klammer gibt es in dem Sinne nicht“, sagt Müller.

Formalistische Parallelen hingegen schon. So findet sich Julia Brünnagels fragile Rieseninstallation Valdrana aus Aluminiumstäben und lackierten Glasplatten, die mit jedem Schritt neue Perspektiven und Spiegelungen erlaubt, in direkter Nähe zu Camilla Løws Metallrohren, deren Sollbruchstellen das Objekt gerade noch so in einem eleganten Schwebezustand halten. Dazu passen perfekt die spannungsgeladenen Arbeiten von Stef Heidhues, die bei jeder falschen Berührung zu zerbrechen drohen. Insofern lässt die Ausstellung im Carlswerk auch ohne ein gemeinsames Thema Rückschlüsse auf junge zeitgenössische Positionen zu und wirkt ein wenig wie eine unbeabsichtigte Fortsetzung der Ausstellung „Neues Rheinland – Die postironische Generation“, die vor genau einem Jahr im Leverkusener Museum Morsbroich präsentiert wurde.

Aber auch in den teilnehmenden Galerien und Ausstellungsräumen selbst gibt es in den nächsten Wochen viel zu entdecken. So präsentiert Marietta Clages passenderweise eine Installation des gebürtigen Brüsselers Olivier Foulon, im Drei – Raum für Gegenwartskunst haben Matthias Wermke und Mischa Leinkauf ihre aufwändige Zehn-Kanal-Videoinstallation aufgebaut, während die Künstlergruppe Konsortium im kleinen Ausstellungsraum Jagla eine großformatige Gemeinschaftsarbeit und im gegenüberliegenden Schaufenster des Wohnheims der Stadt Köln eine „Leuchtarbeit“ zeigen wird. Charlotte Desaga lädt hingegen zur großen Gruppenausstellung mit allen sieben Galeriekünstlern und genauso vielen Gästen ein.

Apropos Gäste: Gleich drei Galerien widmen neuen Künstlern eine Soloschau: Galeristin Julia Garnatz hat den Kölner Robert Haiss eingeladen – der Maler ist ein genauer Beobachter des Alltags, ein Flaneur der Belanglosigkeiten, die er mit viel Poesie festhält. Die Galerie Schmidt & Handrup präsentiert Delia Gonzalez, die auf Aluminiumplatten aufgezogene Tanzfilm-Stills mitgebracht hat, und die Galerie Teapot hat den „trockenen Alkoholiker“ Helge Hommes mit sehr persönlichen Arbeiten bis hin zur künstlerischen Familienaufstellung zu Gast.

Mit diesem konzentrierten Ausstellungsprogramm an nur drei Tagen löst das Modell der BCC die bisherige CC also ab. In Zukunft wollen sich die Kölner Youngsters regelmäßig Kooperationspartner aus dem Umland dazu holen. Wie dies genau aussieht, darauf möchte man sich noch nicht festlegen – eine Möglichkeit wäre aber beispielsweise der Austausch mit weiteren Städten wie Antwerpen. Oder aber die Kölner Galerien sind im nächsten Jahr nicht Gastgeber, sondern selbst zu Gast in Belgien. Das wäre dann zwar schade für die Domstadt – aber auf jeden Fall eine Kooperation auf Augenhöhe.


Auf die Freundschaft von Nadine Preiß
So schnell wird aus CC ein BCC: Zum fünften Jahrestag feierten die Nachwuchsgalerien mit ihren belgischen Kollegen die Achse Köln-Brüssel. artnet war mit der Kamera vor Ort.


Weitere Artikel von Damian Zimmermann


Feedback abgebenFeedback abgeben
Artikel druckenArtikel drucken