19. Mai 2006
„Kunst des 15.-19. Jahrhunderts“ und „Kunst des 20. Jahrhunderts“, Galerie Bassenge, Erdener Straße 5a, 14193 Berlin. Auktionen vom 25. bis 27. Mai 2006 Die Frühjahrsauktionen der Berliner Galerie Bassenge beginnen traditionsgemäß mit der zweitägigen Versteigerung von Kunst des 15. bis 19. Jahrhunderts, die vom 25. bis zum 26. Mai diesjährig nahezu 1.500 Positionen bereithält. Das Angebot im Bereich der Druckgrafik gehört seit jeher zu den Stärken des Hauses und so finden sich darunter allein 42 Werke von Rembrandt sowie 25 Holzschnitte und Kupferstiche von Albrecht Dürer. Unter den Arbeiten Rembrandts sticht das vornehme Bildnis Der alte Haaring hervor, das vom Künstler direkt als Kaltnadelradierung auf der Platte angelegt wurde und um 1655 entstand. Bei dem Blatt handelt es sich um eine Seltenheit, mehr als 18 Exemplare in öffentlichen Sammlungen sind nicht bekannt. Es ist dementsprechend mit 75.000,- Euro angesetzt.
Preislich noch erhabener präsentiert sich eine 31 Radierungen umfassende Mappe mit Ansichten der Republik Venedig, geschaffen von Antonio Canal, genannt Canaletto, für 180.000,- Euro. Sie ist schon ob ihrer Vollständigkeit eine absolute Rarität und beinhaltet sowohl die berühmten Ansichten der Stadt selber als auch szenische Darstellungen aus der venezianischen Lagune. Im Angebot findet sich zudem eine hervorragend erhaltenen Radierung von Giovanni Battista Piranesi mit der Darstellung der Statue der Minerva (Schätzpreis 12.000,- Euro), eine meisterhafte Grablegung Andrea Mantegnas (Schätzpreis 30.000,- Euro) sowie eine Dresdenansicht von 1750, als Radierung geschaffen von Bernardo Bellotto (Schätzpreis 7.500,- Euro). Mehrere farbige Miniaturen aus einer heraldischen Prachthandschrift von oder aus der Werkstatt Virgil Solis aus der Mitte des 16. Jahrhunderts werden für 32.000,-, bzw. 45.000,- Euro angeboten. Die Handschrift entstammt dem Wirkungskreis der Habsburger Dynastie und ist von gutem Erhaltungszustand.
In der Offerte der Kunst des 19. Jahrhunderts überzeugen vor allem zwei schöne Arbeiten Adolph von Menzels. Die Studienblätter aus zwei deutschen Sammlungen sind von bestechender Klarheit und Modernität und überzeugen vor allem in der direkten Betrachtung. Der Katalog vermag die Bewegung innerhalb des auf 18.000,- Euro geschätzten Studienblattes zu einem sich vorbeugenden Mann nur schwerlich einzufangen. Es entstand 1871 als Vorstudie zu der Darstellung Transparentmalen in der Akademie, die sich heute im Berliner Kupferstichkabinett befindet und die Arbeit an den zu wohltätigen Zwecken alljährlich an der Berliner Akademie ausgestellten Plakaten der Akademiekünstler dokumentiert. Für seinen Nachmittag im Tuileriengarten, ein Ölgemälde in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, schuf Menzel zahlreiche feine Zeichnungen, von denen eine ebenfalls bei Bassenge angeboten wird. Den Lesenden Mann im Jardin du Luxembourg von 1868 mag man in seiner Konzentriertheit nicht stören, sondern ihn stattdessen gleich für mindestens 4.000,- Euro mit nach Hause nehmen. Daneben hält das Angebot von Bassenge Werke von Wilhelm Leibl, Eduard von Eichens und Adolf Senff bereit.
Auf die Feuerlilien von Karl Schmidt-Rottluff, einem farbintensiven Spätwerk des Künstlers von 1966, hatte die Familie Bassenge schon seit längerem ein Auge geworfen. Nach Auskunft von David Bassenge hing es noch bis vor kurzem bei einem Schleswig-Holsteinischen Sammler und Freund der Familie. Der hatte die rot-orangefarbenen Blumen im einfachen Tongefäß von Willy Robert Huth übernommen, einem vergessenen Künstlerfreund und Weggefährten Schmidt- Rottluffs, dem die Zeichnung einst als Geschenk des hoch betagten Expressionisten zugegangen war. Der Schätzpreis des endlich errungenen, großformatigen Blattes liegt nun bei 16.000,- Euro.
Ebenfalls als Spätwerk entstand der Approaching Storm von Georg Grosz, eine nach der Emigration des Künstlers 1948 gemalte Landschaftsansicht der amerikanischen Ostküste. In beinahe Grünewaldscher Farbgebung hat Grosz Dünen, Gräser, Meer und Horizont der Umgebung festgehalten, die ihn regelmäßig in eine „franziskanerhafte Stimmung“ zu versetzen vermochte. Für 25.000,- Euro könnte man sich der Seelenlage anschließen. Trost am Meer suchte 1935 offenbar auch Ernst Wilhelm Nay. Seine Ostseedünen für 28.000,- Euro sind Teil eines in den 1930er Jahren entstandenen Werkkomplexes, das die dynamischen Urformen des Meeres aufnimmt. Das bei Bassenge zu erstehende Ölgemälde kommt aus einer süddeutschen Privatsammlung und ist von auffallender Farbfrische. Der erhabenen Naturstücke damit aber noch nicht genug: Werner Gilles Sommerliche Landschaft (Schwarzenbach II) von 1950 glüht förmlich vor Farbigkeit (Schätzpreis 8.000,- Euro) und auch Heinrich Nauens niederrheinischer Waldweg von 1912 sollte für relativ zurückhaltende 15.000,- Euro einen Kunst liebenden Wald- und Wiesenmenschen finden.