7. Februar 2012
Die Deutsche Bank verkündete gestern das Aus für die Deutsche Guggenheim. Im selben Atemzug sprach sie vom Ausbau ihrer Präsenz in Berlin. Die Verträge zwischen Deutscher Bank und Guggenheim Foundation, die seit 1997 alle fünf Jahre erneuert wurden, sind nun nicht mehr verlängert worden. Beide Partner, so heißt es in der Pressemitteilung, haben sich für die Schließung der Ausstellungshalle entschieden, die seit ihrer Gründung 57 Ausstellungen und 1,8 Millionen Besucher verbuchte.
Ein harter Schlag. Denn obwohl viele Pläne des ehemaligen Jetset-Direktors Thomas Krens für Guggenheim-Filialen rund um den Globus nach dem 11. September verworfen wurden, laufen nun, wenn auch etwas holprig, Ableger in Abu Dhabi, Vilnius und neuerdings auch Helsinki an – und Berlin hat das Nachsehen. Die letzte Ausstellung wird Ende 2012 mit Cindy Sherman stattfinden.
Zwar spricht Bankchef Josef Ackermann davon, mit dem geplanten Forum Unter den Linden „den so wichtigen Dialog zwischen Wirtschaft und Politik zu intensivieren“, wozu man die Ausstellungshalle gemeinsam mit dem Atrium des Bankgebäudes nutzen wolle. Doch Johannes Marten, Leiter für politische Kommunikation der Deutschen Bank, betont, dass nun vor allem die eigene Sammlung in den Vordergrund gerückt werden soll.
„Für die Kunstsammlung der Deutschen Bank ist ein neues Zeitalter angebrochen. In den letzten Jahren haben wir die Sammlung stark internationalisiert und deutlich mehr Zugangsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit geschaffen. Die renovierten Türme in Frankfurt sind nun für organisierte Führungen jedermann zugänglich. Unser Kunstkonzept hat sich also weiterentwickelt. In Berlin wollen wir uns deshalb jetzt breiter positionieren. Wir werden weiterhin viel Kunst zeigen, unter anderem erhält der Künstler des Jahres eine große Einzelschau. Wir werden aber auch die Flexibilität haben, um andere Formate wie Dialogforen mit der Öffentlichkeit zu etablieren – zu Kunst- und Kulturthemen aber auch zu politischen und gesellschaftlichen Fragen.“
Weiterhin heißt es von Seiten der Bank, dass Einzelprojekte mit der Guggenheim Foundation geplant seien, auch wenn es dazu noch keine Informationen gibt. „Als Deutsche Bank machen wir ein Mehr an Kunst in Berlin“, so Marten. Es werde eventuell auch projektweise neue Kooperationen mit anderen Museen geben, weshalb auch ein Mitarbeiterabbau kein Thema sei. Zudem zeigen neue Kunstprogramme in den Bankgebäuden in Hongkong, Moskau, Amsterdam und Zürich sowie das Engagement bei der Frieze Art Fair in London und ab diesem Jahr auch in New York, dass die Kunst in der Deutschen Bank mehr denn je eine wichtige Rolle spiele.
Wie auch immer die Deutsche Bank sich nun in Kunstsachen aufstellt: Möglicherweise liegt die Trennung beider Partner nicht nur an dem Wunsch, der herausragenden Banksammlung mehr Raum zu geben – sondern auch an der überstarken Strahlkraft des Labels Guggenheim. Wer nicht genau die Einladung las, dem konnte schon mal entgehen, dass die Werke von Kara Walker oder Neo Rauch der Deutschen Bank gehörten und nichts mit dem New Yorker Museum zu tun hatten. Trotzdem: Der Abzug des Guggenheim mag dem Kunstprogramm der Deutschen Bank zu stärkerer Präsenz verhelfen, aber für Berlin bedeutet er einen Verlust.
Dass das Museum in diesem Frühjahr temporär in anderer Form in der Hauptstadt einrollt, dürfte dabei kaum Einfluss gehabt haben: Für einige Wochen wird sich das mobile Labor BMW Guggenheim Lab von New York nach Kreuzberg verlagern. Junge Künstler, Designer, Architekten und Wissenschaftler beschäftigen sich hier mit Fragen des modernen städtischen Lebens, bevor sie nach Mumbai weiterreisen. Eine solche Ideenschmiede steht einem musealen Ausstellungsraum, wie ihn das Guggenheim per se verkörpert, diametral entgegen und richtet sich vor allem an eine neue, junge Zielgruppe.
Selbst, wenn die Ausstellungen längst nicht immer den Standards beider Partner entsprachen – was auch an dem schmalen Raum liegen mag: Die Auftragsarbeiten von Phoebe Washburn, Hiroshi Sugimoto, Rachel Whiteread, Bill Viola oder William Kentridge waren eben in der Deutschen Guggenheim zu sehen und nicht in der Neuen Nationalgalerie. Berlin kann nur hoffen, dass die Deutsche Bank ab 2013 tatsächlich nicht nur Wirtschaftsgespräche in der Museumshalle führen wird – und sei es, um dabei die Finanzspritzen für die Frieze Art Fair zu sichern.