Auktionsrückblick Fotokunst 1. Halbjahr Deutschland

Spezialisten mit Umsatzgarantie

Stefan Kobel
17. Juli 2010

Der Auktionsmarkt hat sich erholt. Das gilt für alle Sparten, selbst für die Fotografie, die es auf dem deutschen Markt immer noch vergleichsweise schwer hat. Gefragt waren vor allem, wie auch im Bereich Malerei, anerkannte Werke oder Werke anerkannter Künstler. Bei Hauswedell & Nolte in Hamburg versteckten sich zwei Aufnahmen der zumeist in New York und London gehandelten Bauhaus-Schülerin Florence Henri im zweiten Teil der Moderne-Auktion. Beide waren auf bescheidene 1.800 Euro taxiert. Gleichwohl musste ein Berliner Händler im Saal 13.000 Euro ohne Aufgeld für eines der Portraits bezahlen.

Eine Neubewertung unter reger Beteiligung des Handels erfuhr das fotografische Werk von Sigmar Polke im Zuge der spektakulären und überaus erfolgreichen Versteigerung von Arbeiten aus der Sammlung Carl Vogel bei Lempertz in Köln. Dessen vier unbetitelte Abzüge aus der Serie „Meissenkanne“ stiegen von 18.000 Euro durch einen Wettbewerb an den Telefonen, aus dem New Yorker Handel siegreich hervorging, auf atemberaubende 103.000 Euro inklusive Aufgeld. Andere Abzüge verdoppelten ihre Taxen. Aus der gleichen Quelle stammte eine ganze Reihe Fördertürme von Bernd und Hilla Becher, die jeweils in 4er-Sets angeboten wurden und sämtlich jeweils über 40.000 Euro kosteten, in der Spitze sogar 92.000 Euro. Lempertz hat die Fotokunst schon seit geraumer Zeit in den Zeitgenossen-Katalog eingegliedert. Mediterranean Sea, Crete von Hiroshi Sugimoto stieß mit 32.000 Euro (Taxe 25.000 EUR) ebenso deutlich in den fünfstelligen Bereich vor wie Axel Hüttes Bussaco, Portugal, das 22.000 Euro (12.000 EUR) erzielte. Die eigentliche Fotoauktion war weniger erfolgreich. Bei einer Zuschlagsquote von 52 Prozent nach Losen war Man Rays Portrait der High Society-Königin Marchesa Casati als Kaiserin Elisabeth von Österreich mit 22.000 Euro (7.000 EUR) mit Abstand das teuerste Werk. Mit den Losen aus den anderen Katalogen kam die Fotografie so auf rund 1,3 Millionen Euro brutto. Ein derartig hohes Ergebnis hat man in Deutschland für diese Sparte lange nicht gesehen.

Einen ungewohnten Extra-Umsatz bescherte die Kunstfotografie auch der Berliner Galerie Bassenge, die ihr Renommee in dieser Sparte eigentlich der historischen Fotografie verdankt. Gordon Matta-Clarks großformatige Dokumentation seiner spektakulären Trapez-Performance Jacob's Ladder auf der documenta 6 entging den einschlägigen Sammlern nicht, sodass ein österreichischer Energiekonzern statt anvisierter 18.000 Euro immerhin 30.000 Euro inklusive Aufgeld auslegen musste. Den Löwenanteil des Gesamtumsatzes von 567.000 Euro inklusive Aufgeld machte jedoch wie üblich die Fotografie des 19. Jahrhunderts aus. Ein Konvolut mit Aufnahmen des wichtigsten Münchener Gesellschaftsfotografen seiner Zeit, Franz Hanfstaengl, das ein Kostümfest der Münchener Künstlergenossenschaft im Jahr 1862 dokumentiert, brachte mit 87.500 Euro den höchsten Zuschlag der Auktion, die mit einer losbezogenen Quote von 71 Prozent überaus erfolgreich war.

Mit 64 Prozent hatte Villa Grisebach bei der Quote ebenso das Nachsehen gegenüber dem Lokalrivalen wie beim Umsatz, der mit 494.500 Euro brutto angegeben wird. Allerdings wurden hier mit 182 auch weniger als halb so viele Lose verhandelt. Diese waren tendenziell zeitgenössischer und daher durchschnittlich teurer. In der Spitze gab es jedoch mit 22.610 Euro inklusive Aufgeld für Thomas Struths People on Fuxing Dong Lu, Shanghai (18.000 – 24.000 EUR) keinen spektakulären Höchstpreis. Während Klassiker wie László Moholy-Nagy, Erwin Blumenfeld und Josef Albers in Vintages enttäuschten, konnte der Brut-Fotograf Miroslav Tichy sich mit zwei seiner unikaten Voyeur-Aufnahmen bei 8.925 und 6.545 Euro (je 2.000-3.000 EUR) gut behaupten. Dem ikonischen Motiv des missmutig rauchenden Klaus Kinski dürfte der Rekordzuschlag in Höhe von 6.902 Euro (1.800 – 2.200 EUR) für eine Aufnahme von Beat Presser zu verdanken sein (noch dazu in einem späteren Abzug).

Van Ham in Köln wurde hingegen ein wenig gebeutelt: Gut zwei Dutzend Aufnahmen von August Sander mussten zurückgezogen werden, sodass sich das Gesamtangebot um gut zehn Prozent verringerte. Auch das Ergebnis wäre sonst im Umsatz wohl deutlich besser ausgefallen als die tatsächlich erzielten 388.000 Euro inklusive Aufgeld, was immerhin schon mehr ist, als jeweils auf den letzten drei Auktionen eingenommen wurde. Schließlich ist Sander ein Umsatzgarant, wie zwei seiner Archetypen eindrucksvoll verdeutlichten, die aus anderer Quelle auf den Block kamen. 52.000 Euro inklusive Aufgeld erzielte der Sänger und Schauspieler (3.500 EUR), 35.000 Euro gab es für den Winkeladvokat (5.000 EUR). Das in fast jeder Auktion angebotene Bäumchen von Albert Renger-Patzsch erzielte dieses Mal 32.000 Euro (12.000 – 14.000 EUR) – die Preise für das Motiv schwanken extrem, je nach Qualität des Abzugs. Insgesamt lag die Quote nach Losen allerdings bei bescheidenen 48 Prozent.

Von sehr schmalen Umsätzen in der jüngsten Vergangenheit haben sich die deutschen Auktionshäuser bei der Fotografie auf schmale Umsätze verbessert, auch abgesehen von Einmal-Effekten wie der Sammlung Vogel. Noch immer sind sie aber von den großen Ergebnissen der Handelsplätze New York, London und selbst Paris weit entfernt. Unter Sammlern und Händlern scheint Deutschland nach wie vor als Geheimtipp zu gelten, denn ein Großteil der Kunden stammt aus dem Ausland.


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