Fritz Simak
F. X. Messerschmidt, ein Schalksnarr, 1996
Fritz Simak
F. X. Messerschmidt, ein Schalksnarr, 1996
Silbergelatineabzug
23,7 x 29,7 cm; Ed.: 4/5
Schätzpreis: 700 - 900 EUR
Auktion „Fotografie“ am 25.03.2011, Palais Dorotheum, Wien
Von oben herab gesehen schaut der grinsende Herr gar nicht so schelmisch aus. Könnte der Betrachter die Perspektive aber wechseln, dann wäre schnell ersichtlich, dass Fritz Simak in seiner Fotografie den Schalksnarren Franz Xaver Messerschmidts ablichtet. Messerschmidt, der ab 1770 hauptsächlich an seinen Charakterköpfen arbeitet, wagt es schon früh, menschliche Regungen und Mienenspiele expressiv darzustellen – nie ohne seinen Büsten immer auch einen Hauch Spott beizufügen. Das Alabastergesicht des Narren ist eindrucksvoll gestaltet, feine Furchen ziehen sich entlang der Tränensäcke und des Kinns, der Titel entlarvt die Falten als Ausdruck des Lachens, nicht des Alterns. Die Augen hat der Schalksnarr weit aufgerissen, die schmalen Lippen zusammengepresst: Er führt etwas im Schilde.
Fritz Simak vereint in seinem 1996 entstandenen Silbergelatineabzug sowohl Skulptur, als auch Fotografie und eröffnet damit den Diskurs über die verschiedenen Funktionen und Möglichkeiten unterschiedlicher künstlerischer Gattungen. Schon mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert waren dem Produzenten und Konsumenten der Fotografie neue Zugänge geboten, Kunst zu betrachten. Auch Simak spielt mit den Gattungen und lässt die Skulptur von der Fotografie dominieren, indem er mit seiner Kamera den Bildausschnitt und die Perspektive bestimmt. Er kommt der Büste gefährlich nahe und beschneidet sogar ihre Stirn. Die Wahrnehmung des Betrachters wird erheblich beeinflusst: Das Maskenhafte und Groteske der Skulptur geht in der Aufnahme verloren, allein das Veristische des närrischen Kopfes bleibt. Der 1955 geborene Österreicher Simak kam erst nach einem Umweg zur Musik zur Konzeptfotografie und beschäftigt sich in seinem Oeuvre vor allem mit den interpretatorischen Möglichkeiten des Mediums. In der zu ersteigernden Arbeit deutet Simak den Charakterkopf Messerschmidts neu und zeigt mit seiner fotografischen Analyse auf bemerkenswerte Weise, dass die Bedeutung einer künstlerischen Arbeit keine endgültige sein muss, sondern dass die Essenz eines Werkes auch immer vom Empfinden des Betrachters abhängig ist.
Zu erstehen ist der betitelte, datierte und signierte Silbergelatineabzug am 25. März bei der Auktion „Fotografie“ im Palais Dorotheum, Wien für einen Schätzpreis von 700 – 900 Euro. (mm)