Fundstücke aus Auktionen

Objekte der Begierde

24. März 2011

Als Kurator der eigenen vier Wände ist der Sammler stets auf der Suche nach neuem Material. Am liebsten nach solchem, das über jeden Zweifel erhaben ist. Aus dem schier nicht enden wollenden Angebot der internationalen Auktionen hat die Redaktion von artnet sechs Fundstücke ausgewählt und besprochen.

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div#article_functions_details hr {display:none;}Max Beckmann Berliner Reise (10-teilig), 1922
Max Beckmann
Max Beckmann
Berliner Reise (10-teilig), 1922

Max Beckmann
Berliner Reise (10-teilig), 1922
Umdrucklithografien auf Velinpapier
70 x 56 cm (Portfolio)
Ed.: 12/100
Schätzpreis: 50.000 – 70.000 GBP
Auktion „Modern & Contemporary Prints“ am 29. März 2011, Christie’s, London

In den zwanziger Jahren stehen bei Max Beckmann, geboren 1884 in Leipzig, alle Zeichen auf Grafik. Krieg, Krise und Inflation fordern nicht nur ein wirtschaftlich angepasstes Medium sondern auch ein klares und schnelles Vokabular. Es ist die Zeit, in der auch Künstler wie Otto Dix und Georg Grosz das grafische und serielle Arbeiten bevorzugen und in den Zeiten des Umbruchs diese Erzählform in einer nie dagewesenen Masse produzieren. Dreißig Prozent der Beckmann’schen Radierungen, Holzschnitte und Lithografien entstehen 1922 und 1923. Dazu zählt sein großformatiges Mappenwerk „Berliner Reise“ mit 10 Umdrucklithografien – zunächst mit Kreide auf Papier gezeichnet und dann auf Stein umgedruckt – in einer Auflage von hundert, welches in einem Frankfurter Betrieb produziert und beim Berliner Kunsthändler J.B. Neumann verlegt wurde. Dort, wo er schon 1917 und 1921 erfolgreiche Ausstellungen mit nennenswerten Verkäufen hatte.
Sein Aufenthalt dauerte zwei Monate. Schwarz-Weiß wie die Technik bringt er die damalige Gesellschaft pointiert aufs Papier: Neben den Leuten, die ihre Groschen freudig singend in der Kaschemme gegen Schnaps eintauschen, steht ein Blatt weiter wenig amüsiert die bessere Gesellschaft dicht gedrängt im Theaterfoyer. Das Reisetagebuch der Hauptstadt, „dieses corrumpierte und temperamentlose Nest“, in der sich die Subkultur der Nachkriegszeit einstellte, gehört zu den vier großen Zyklen Beckmanns.
Während seiner Streifzüge durch die nächtliche Stadt entsteht der Nackttanz à la Skandalfiguren wie Anita Berber. Obgleich der frivolen Szenerie, schaut das Publikum nicht sonderlich vergnügt drein. Die Zurückhaltung kommt aber wohl nicht aus Gründen der Sittlichkeit – auch wenn 1923 derartige Shows aus genau solchem Anlass verboten wurden. Im Morgengrauen zeigt Beckmann den maskierten Schornsteinfeger auf den Dächern über Berlin. Die politisch Desillusionierten, die Gebildeten, Die Enttäuschten sieht Beckmann in seinem direkten Umfeld verkörpert: Es sind die Porträts von Paul Cassirer, Galerist und Verleger, mit seiner gähnenden Frau Tilla Durieux in gepunkteten Kleid. Links davon steht ebenfalls müde der Musiker Leo Kestenberg mit Maler Max Slevogt in der Mitte.
Als stiller kritischer Beobachter hat Beckmann Bilder entworfen, die pars pro toto nicht nur die deutsche Geschichte ins Bild bringt, sondern einen Zeitgeist einfängt, der ein wahrhaftes Zeugnis ablegt. Am 29. März bringt Christie’s in London dieses aussagekräftige Dokument aufs Tapet (Taxe 50.000 – 70.000 GBP). (ak)


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div#article_functions_details hr {display:none;}Franz Anton Bustelli Serie von 16 Figuren der Commedia dell'arte, 1750/1760
Franz Anton Bustelli
Franz Anton Bustelli
Serie von 16 Figuren der Commedia dell'arte, 1750/1760

Franz Anton Bustelli
Serie von 16 Figuren der Commedia dell'arte, 1750/1760
Porzellan
Höhe: 18 - 20,5 cm
Schätzpreis: 16.000 - 20.000 EUR
Auktion „Alte Kunst“ am 30. März, Neumeister, München

Sie kommen niemals aus der Mode, die sechzehn Figuren der Commedia dell´Arte, deren Modelle sich der wichtigste Künstler der Porzellanmanufaktur Nymphenburg, Franz Anton Bustelli, in den Jahren von 1750 bis 1760 als Paare erdachte. Bustelli bossierte diese Figuren, die als Höhepunkt der deutschen Rokoko-Porzellanplastik gehandelt werden, nicht selbst, beaufsichtigte aber die Arbeiten der talentierten Bossierer und Dreher der Manufaktur Nymphenburg. Als Entwerfer dieses Ensembles ging Bustelli wie ein Psychologe vor: Die Figuren seiner Commedia dell´ Arte geben in ihren Körperhaltungen, die genauestens bis in die Fingerspitzen hinein modelliert sind und von ausdrucksstarken Physiognomien begleitet werden, beredtes Zeugnis des uralten Spiels zwischen Mann und Weib, dem Spiel des zaghafteren oder stürmischeren Werbens um das schöne Geschlecht und die variantenreichen Entgegnungen der Damenwelt darauf. Bei Bustelli passen die Damen und ihre männlichen Counterparts nicht immer zusammen und finden auch nicht zwangsläufig zueinander, wie im echten Leben. Aber ein interessantes Spiel nimmt so seinen Lauf.
Ein kompletter Satz einer Ausführung nach den Bustelli-Modellen der Commedia dell´Arte kommt am 30. März bei Neumeister in München zum Aufruf (Los Nummer 67). Die Gesamttaxe für alle Teilnehmer dieser in Rokoko-Formen beschwingten Stegreifkomödie beläuft sich auf 16.000 - 20.000 Euro. Bei der Commedia dell´Arte handelt es sich um eine ausgefallene Form der Bühnenliteratur, denn sie fußte nicht auf einem festen Text, sondern schrieb nur ein grobes Raster für einen Handlungsstrang vor, der im Bereich einer verwickelten amourösen, volkstümlichen Komödie zuhause war. Am Hofe der Wittelsbacher in München wurde eine verfeinerte, höfische Variante der Commedia dell´Arte gepflegt, die Franz Anton Bustelli für die Entwicklung seiner acht Figurenpaare Pate stand. Jedes Paar erzählt dabei eine Geschichte: Da ist zum Beispiel der alte gebuckelte venezianische Kaufmann Pantalone, der, geizig wie er ist, seinen Geldsack hinter seinem Rücken versteckt hält und von männlicher Gier getrieben, noch im fortgeschrittenen Alter dem jungen schönen Geschlecht nachstellt. Sein Pendant ist die jugendliche, hübsche, dazu sehr begüterte Julia, die aufgrund ihres Standes nicht auf sein Geld bedacht sein muss und ihn kurzerhand abweist (Paar c). Es gibt aber auch Konstellationen, die auf ein Liebesglück hoffen lassen, so das Verhältnis zwischen dem schüchternen Octavio und Pantalones Tochter Isabella (Paar a). Eigentlich möchte der berechnende Vater seine Tochter an den reichen spanischen Aristokraten Capitano Spavento (aus Paar b) verschachern, jedoch liebäugelt Isabella mit Octavio, der ihr einerseits mutig eine Kusshand zuwirft, andererseits verschämt seinen linken Oberkörper von ihr weg ausdreht. Auch für Isabella scheint noch nichts entschieden: Mit ihrer Linken weist sie an ihre Brust, fragend, ob Octavio auch wirklich sie im Sinne hat; ihre rechte Schulter neigt sie rückwärts, ein Hinweis, dass sie sich über ihre Gefühle Octavio gegenüber noch lange nicht klar ist. Wie auch immer die Geschichte des Werbens im Einzelnen ihren Ausgang finden mag, in der Kunstgeschichte sind Bustellis Paare der Commedia dell´Arte längst fest verankert. (bk)


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div#article_functions_details hr {display:none;}Johann Heinrich  Wilhelm Tischbein Die gejagten Tiere nehmen Rache, undatiert
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Die gejagten Tiere nehmen Rache, undatiert

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein
Die gejagten Tiere nehmen Rache: Eine Ziege, ein Eber und Bären rösten einen Jäger am Spieß, undatiert
Aquarell über schwarzer Feder und Kreide auf Papier
41,1 x 81 cm
Schätzpreis: 12.000 - 15.000 EUR
Auktion „Meisterzeichnungen, Druckgraphik bis 1900, Aquarelle u. Miniaturen“ am 24. März 2011, Palais Dorotheum, Wien

Die kolorierte Aquarellzeichnung Die gejagten Tiere nehmen Rache von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein wird am 24. März 2011 im Auktionshaus Dorotheum in Wien versteigert. Die Schätzung liegt bei 12.000 bis 15.000 Euro. Das Jagdmotiv, einst als Allegorie auf die Herrschaft des Menschen über die Natur oder erzählfreudige Beschreibung des höfischen Zeremoniells gedacht, wird hier umgekehrt. Es ist der Jäger, der am Spieß gebraten wird. Auch seine tierischen Komplizen hat man schon am Baum erhängt. Während Wildsau und Ziege ein feines Sößchen bereiten, befeuern ihre Freunde Affe und Elefant das Feuer mit frischem Holz. Eine wilde Horde verschiedener Haus-, Hof- und Wildtiere tanzt derweil in froher Erwartung des Menschenmahls im Hintergrund den Reigen. Die Armbrust und der einfache Rucksack, beide von den entschlossenen Wildtieren über einen Ast gehängt, sowie die am Boden liegende ungeschmückte Flinte, kennzeichnen den auf dem Feuer vor sich hin Bratenden als Mann des Volkes, als Wilderer gar.
Dennoch, lange vor dem Ende der Feudalzeit und damit der Aufhebung des Jagdregals im Jahr 1848 wagt Tischbein den letzten Schritt nicht: Das Braten des jagenden Fürsten selber. Fast entschuldigend hat er den König der Tiere, den Löwen, als fernen Beobachter der Szene auf einen Felsen platziert. Aus der Distanz schauen er und seine Gemahlin dem wilden Treiben der viehischen Bande zu. Im Rat der Tiere von 1821, einer aquarellierten Zeichnung, die sich im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Oldenburg befindet, tritt der Löwe zumindest als Richter über den Menschen auf. Tischbein, Erschaffer des unsere Vorstellung vom Äußeren des Dichters bis heute prägendes Johann Wolfgang von Goethe-Bildnisses Goethe in der Campagna (1787, Städelsches Kunstinstitut Frankfurt), schuf zeitlebens naturgetreue Tierdarstellungen, oft kombiniert mit der Verlagerung menschlicher Eigenheiten ins Tierreich. Über die Beschäftigung mit Illustrationen zum Reineke Fuchs versuchte er zu Ende seiner Lebenszeit vergeblich, an die in Italien entstandene Freundschaft mit Goethe wieder anzuknüpfen. Was sich uns in Die gejagten Tiere nehmen Rache heute als amüsante Szene darstellt, kommt zur damaligen Zeit einer ziemlichen Frechheit nahe. Denn die kolorierte Aquarellzeichnung als Seitenhieb auf adliges Jagdgebaren, vielleicht sogar als versteckter Allegorie auf die französische Revolution und einer sich im Entstehungsprozess befindenden bürgerliche Gesellschaft zu sehen, liegt nahe. Tischbein selber allerdings blieb brav: seine mit fast sechzig Jahren angetretene Stelle als Hofmaler und Galerieinspektor des Herzogs von Oldenburgs in Eutin hielt er bis zu seinem Tode 1829 inne. (hvs)


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div#article_functions_details hr {display:none;}Josef Hoffmann  Schreibtisch, um 1901
Josef Hoffmann
Josef Hoffmann
Schreibtisch, um 1901

Josef Hoffmann
Schreibtisch, um 1901
Buche, schwarz u. eingelegte Schreibplatte grünlich gefasst, Zuggriff u. Nieten aus Messing
95 x 107,5 x 58 cm
Schätzpreis: 18.000 EUR
Auktion „Jugendstil - Art Déco - Angewandte Kunst des 19. und 20. Jhs.“ am 14. April 2011, Von Zezschwitz Kunst und Design GmbH & Co. KG, München

Der „Quadratl“-Hoffmann, wie ihn die Liebhaber der Wiener Werkstätte nennen, ist in der kommenden Jugendstil-Auktion am 14. April bei von Zezschwitz Kunst und Design in München gleich mit sechs Losen in der Offerte. Der „Quadratl“-Hoffmann ist kein Geringerer als Josef Hoffmann, Schüler und Mitarbeiter von Otto Wagner, der von 1899 bis 1936 auch als Professor an der Wiener Kunstgewerbeschule unterrichtete. 1903 gründete Hoffmann mit dem Kollegen Koloman Moser und dem Unternehmer Fritz Wärndorfer die Wiener Werkstätte, in der Interieur-Objekte, Möbel, Keramiken und angewandte Kunst in Metall, Leder und Glas für das gehobene Bürgertum in den modernen Formen der Art Nouveau entworfen und ausgeführt wurden. Warum Josef Hoffmann bis heute „Quadratl“-Hoffmann genannt wird? Insbesondere sein Werk ist in den Grundformen einer strengen Rechtwinkligkeit und schlichten Linienführung verpflichtet – stets dominiert in der Gesamtform und in den Details das Quadrat, daher die Namensgebung. Der Hoffmann-Stil wurde zu dem Inbegriff des Wiener Konstruktivismus im Bereich der sogenannten „nützlichen Künste“, die aus einer Verschmelzung von Architektur, von Möbel und Einrichtung entstanden.
Unter den sechs Hoffmann-Losen in der Auktion sind ein Tisch, ein Hocker, Sessel und Armlehnstühle, ein Stellschirm und ein Blumenständer mit Taxen ab 1.200 bis 12.000 Euro. Glanzstück ist ein für seine Zeit äußerst gewagter Schreibtisch, der 1901 von Hoffmann entworfen wurde (Taxe 18.000 Euro). Das neuartige an diesem Schreibtisch ist die Synthese der Errungenschaften und gestalterischen Freiheiten des schmiegsamen Bugholzes mit den Tendenzen eines formreduzierten, sachlichen Avantgarde-Möbel. Bugholz verwendete Hoffmann bei diesem Schreibtisch für die offen gearbeiteten, vertikal gestäbelten Seitenwangen über den geschweiften unteren Standstreben. Weil Hoffmann damit in diesem Bereich keine massiven Verbindungsglieder einsetzte, wirkt sein Möbel optisch leicht, zudem ist seine Konstruktion klar ablesbar. Den Schreibtisch von Josef Hoffmann führte das Wiener Unternehmen Jacob & Josef Kohn aus, das nach Aufhebung des Bugholz-Patentes für Michael Thonet im Jahr 1869 ebenfalls Bugholzmöbel produzierte und dafür vor allem junge Architekten wie Koloman Moser, Otto Wagner und eben auch Josef Hoffmann als Entwerfer heranzog. Hoffmann kombinierte in seinem frühen Schreibtisch von 1901 seine reduzierte Formensprache mit dem traditionellen Bugholz, das schon durch die Produktionen der Firma Thonet seit 1843 zu einem echten Wiener Bestseller emporgekommen war. (bk)


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div#article_functions_details hr {display:none;}Fritz Simak F. X. Messerschmidt, ein Schalksnarr,  1996
Fritz Simak
Fritz Simak
F. X. Messerschmidt, ein Schalksnarr, 1996

Fritz Simak
F. X. Messerschmidt, ein Schalksnarr, 1996
Silbergelatineabzug
23,7 x 29,7 cm; Ed.: 4/5
Schätzpreis: 700 - 900 EUR
Auktion „Fotografie“ am 25.03.2011, Palais Dorotheum, Wien

Von oben herab gesehen schaut der grinsende Herr gar nicht so schelmisch aus. Könnte der Betrachter die Perspektive aber wechseln, dann wäre schnell ersichtlich, dass Fritz Simak in seiner Fotografie den Schalksnarren Franz Xaver Messerschmidts ablichtet. Messerschmidt, der ab 1770 hauptsächlich an seinen Charakterköpfen arbeitet, wagt es schon früh, menschliche Regungen und Mienenspiele expressiv darzustellen – nie ohne seinen Büsten immer auch einen Hauch Spott beizufügen. Das Alabastergesicht des Narren ist eindrucksvoll gestaltet, feine Furchen ziehen sich entlang der Tränensäcke und des Kinns, der Titel entlarvt die Falten als Ausdruck des Lachens, nicht des Alterns. Die Augen hat der Schalksnarr weit aufgerissen, die schmalen Lippen zusammengepresst: Er führt etwas im Schilde.
Fritz Simak vereint in seinem 1996 entstandenen Silbergelatineabzug sowohl Skulptur, als auch Fotografie und eröffnet damit den Diskurs über die verschiedenen Funktionen und Möglichkeiten unterschiedlicher künstlerischer Gattungen. Schon mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert waren dem Produzenten und Konsumenten der Fotografie neue Zugänge geboten, Kunst zu betrachten. Auch Simak spielt mit den Gattungen und lässt die Skulptur von der Fotografie dominieren, indem er mit seiner Kamera den Bildausschnitt und die Perspektive bestimmt. Er kommt der Büste gefährlich nahe und beschneidet sogar ihre Stirn. Die Wahrnehmung des Betrachters wird erheblich beeinflusst: Das Maskenhafte und Groteske der Skulptur geht in der Aufnahme verloren, allein das Veristische des närrischen Kopfes bleibt. Der 1955 geborene Österreicher Simak kam erst nach einem Umweg zur Musik zur Konzeptfotografie und beschäftigt sich in seinem Oeuvre vor allem mit den interpretatorischen Möglichkeiten des Mediums. In der zu ersteigernden Arbeit deutet Simak den Charakterkopf Messerschmidts neu und zeigt mit seiner fotografischen Analyse auf bemerkenswerte Weise, dass die Bedeutung einer künstlerischen Arbeit keine endgültige sein muss, sondern dass die Essenz eines Werkes auch immer vom Empfinden des Betrachters abhängig ist.
Zu erstehen ist der betitelte, datierte und signierte Silbergelatineabzug am 25. März bei der Auktion „Fotografie“ im Palais Dorotheum, Wien für einen Schätzpreis von 700 – 900 Euro. (mm)


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div#article_functions_details hr {display:none;}Surtout de table, um 1860/70
Surtout de table, um 1860/70 Tafelaufsatz in Elfenbein
Surtout de table, um 1860/70

Surtout de table, um 1860/70
Tafelaufsatz in Elfenbein
55 x 72 x 37 cm
Schätzpreis: 270.000 - 300.000 EUR
Auktion „Eine Privatsammlung Kunstwerke aus Elfenbein Teil II“ am 26. März 2011, Hampel Kunstauktionen, München

Das kostbare Elfenbein spielt eine beachtliche Rolle in den Frühjahrauktionen bei HAMPEL Kunstauktionen München, die am 25. und 26. März 2011 stattfinden. Eine umfangreiche Partie an figürlich reich dekorierten Humpen, Bechern, Vasen, Skulpturen, Schauplatten und Kassetten aus dem 17., dem 18. und aus dem 19. Jahrhundert werden hier geboten. Unter den Elfenbein-Objekten zeigen sich die, die im späteren 19. Jahrhundert, also in der Epoche des Historismus entstanden, besonders prächtig. In dieser Zeit stand dem europäischen Markt das bis dahin seltene Material Elfenbein durch Belgisch-Kongo erstmals in umfangreichen Mengen zur Verfügung und die Bildhauer machten gerne Gebrauch von dem weichen weißen Rohstoff, der sich aufgrund seiner Eigenschaften bestens für das Schnitzen feiner Figuren, Gesichter, Gewänder und raffinierter Dekore einsetzen ließ. Ein Objekt der Elfenbein-Suite bei Hampel, die aus einer Privatsammlung hervorgeht, steht exemplarisch für die Elfenbeinkunst im Historismus oder genauer noch, für die Elfenbeinkunst dieser Ära im Bereich der Tafelkultur. Dies ist der im überschwänglichen Neo-Rokoko gestaltete Surtout de table in Form eines Schiffes, das 21 vollplastische Figuren und eine virtuos geschnitzte Ornamentik beleben.
Der Surtout ist auf die Zeit um 1860/1870 datiert und steht mit seiner Gestaltung in Form eines Schiffes, oder genauer, in Form einer Barke, in der Tradition des sogenannten „Glückhaften Schiffes“. Diese „Glückhaften Schiffe“, die meist auf Hochzeitstafeln als zentraler Aufsatz platziert wurden, hatten für die Gastgeber und Geladenen eine feststehende Bedeutung: Das „Glückhafte Schiff“ stand für die künftigen Geschicke des Brautpaares und sollte, wie der Name es schon andeutet, die Lebenswege des Paares auf einen frohgemuten, erfolgreichen Kurs lenken. Im 18. und 19. Jahrhundert zierten solche Aufsätze, die auch in Silber mit oder ohne Teilvergoldung gefertigt wurden, oft Wappen und Insignien, die auf die - in der Regel - fürstlichen Beschenkten hinwiesen. Dieser elfenbeinerne Tafelaufsatz kommt jedoch ohne Verweise auf fürstliche Auftraggeber und Beschenkte aus, sodass er wohl eher als ein Werk für einen bürgerlichen Adressaten einzuordnen ist. Und das lag durchaus im Trend der Zeit, denn das aufstrebende Bürgertum schuf sich nach 1850 nur allzu gerne eine Umgebung in imperialen Stilen, um seine eigene gesellschaftliche Position zu nobilitieren, bis dann schließlich um die Jahrhundertwende die Art Nouveau als zeitgemäßer, eleganter Stil für das Bürgertum und den Adel zugleich aufkam. Sehr genau werden in diesem in der Länge 72 cm messenden Surtout ikonografische Details aus der Tradition des „Glückhaften Schiffes“ zitiert: Auf dem mittigen durchbrochenen Turmaufsatz ist die Zweifigurengruppe Venus und Adonis als Paar arrangiert, deren Geschicke der Typus einer Chronos-Darstellung am Heck mittels des Schiffruders lenkt. Zum Bug hin wird in einer zweiten Gruppe noch einmal das Motiv des Liebespaares zitiert (Taxe 270.000 - 300.000 Euro). (bk)


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