28. Juni 2005
In unzähligen Jungmädchenzimmern ist er auf Postern verewigt, unzählige Kaffeetassen, Mousepads und Briefpapiere schmücken sich mit seinem Abbild. Auguste Rodins
Le Baiser ist wohl eines der am häufigsten auf Merchandising-Produkten vorkommenden Motive der Kunstgeschichte, getoppt vermutlich unter anderem von Claude Monets rotblühenden Mohnfeldern oder Toulouse Lautrecs Pariser Kokotten. Die leidenschaftliche Liebe zwischen Paolo Malatesta und Francesca da Rimini ist – ähnlich wie die Begebenheit von Romeo und Julia – zum Mythos geworden, der vom Mittelalter bis heute viele Herzen hat höher schlagen lassen.
Vor ein paar Tagen wohl vor allem das eines englischen Privatsammlers, der bei der Auktion Moderne und Schweizer Kunst am 24. Juni im Auktionshaus Koller in Zürich 2,85 Millionen Schweizer Franken für einen der noch zu Lebzeiten Rodins entstandenen Bronzegüsse des Liebespaares auszugeben bereit war (Schätzpreis 2,2 bis 3 Millionen Schweizer Franken). Damit wurde die leidenschaftliche Umarmung der Liebenden nicht nur zum teuersten Los der Auktion, sondern zugleich das Highlight der gesamten schweizerischen Auktionssaison. Ursprünglich hatte Rodin die Darstellung des Liebespaars als Teil des Höllentors vorgesehen, entschloss sich dann jedoch, sie als eigenständiges Werk zu entwickeln. Das ausgesprochen seltene Stück, fünf der sieben gefertigten Güsse gelten als verschollen, wurde bereits 1981 bei Koller an einen deutschen Sammler versteigert, dessen Familie sich nunmehr von der Skulptur trennte.
Auch ein Werk der zu Lebzeiten stets zu Unrecht im Schatten des Bildhauers stehenden Camille Claudel enthielt die Offerte bei Koller. Nach enormer Preissteigerung auf 409.000,- Schweizer Franken (Schätzpreis 70.000,- bis 100.000,- Schweizer Franken) ging die Gipsgruppe aufgeregt miteinander tuschelnder Frauen an eine französische Sammlerin der Werke der Künstlerin. Zwei von sieben ausgeführten Versionen von Les causeuses befinden sich im Musée Rodin in Paris, freilich in beschädigtem Zustand.
Höchste Ergebnisse auch im Bereich der Malerei. Pierre Auguste Renoirs flimmernde impressionistische Darstellung des Seineufers bei Argenteuil konnte seine Schätzung von 900.000,- bis 1,3 Millionen Schweizer Franken noch übertreffen und ging gegen den zähen Widerstand einer Schweizer Sammlerin für 1,65 Millionen an einen Telefonbieter aus Paris. Ein aus dem Nachlass August Mackes stammendes Gemälde Der rote Weg mit der für das Werk Mackes nach der Tunisreise typischen Motivik und Farbgebung sicherte sich ein deutscher Privatsammler im Saal für 2,05 Millionen Schweizer Franken. Viele der angebotenen Werke wurden weit über den Schätzungen verkauft: Um schließlich in den Genuss des wenigstens kurzzeitigen Eigentums eines typisches Montmartre Bildes von Maurice Utrillo zu kommen, musste ein ausländischer Händler mit knapp 200.000,- Schweizer Franken mehr als das Doppelte der unteren Schätzung aufbringen (Schätzung 9.000,- bis 130.000,-). Die dem französischen Gegenbieter zuvor unterlegene Schweizer Sammlerin tröstete sich hingegen mit Giovanni Giacomettis spätsommerlicher, dafür marktfrischer Landschaft bei Maloja von 1931 für 404.000,- (Schätzpreis 280.000,- bis 350.000,- Schweizer Franken).
Für den Vorbesitzer war eine lohnende Gewinnsteigerung auch bei einem 1984 entstandenen Gemälde Bird as Buddha von Jean-Michel Basquiat zu verzeichnen. Die grelle Abbildung der grinsenden Figur war im Mai 2004 auf einer New Yorker Auktion für 309.000,- US-Dollar versteigert worden und erzielte ein Jahr später nun in Zürich 552.000,- Schweizer Franken, was knapp 400.000,- US-Dollar entspricht.
Mit einem Gesamtumsatz allein der Auktion
Moderne Kunst von annähernd 11 Millionen Schweizer Franken festigt das Schweizer Auktionshaus erneut seinen Platz in der Riege der international bedeutenden Häuser.