22. November 2005
Das Interesse an klassischer Ware mit Ursprung China ist weiterhin immens, die Zuwachsraten auf dem Markt scheinen noch immer steigerbar. Das beweisen die Ergebnisse der 30. Spezialauktion „Asiatische Kunst“, die das Auktionshaus Nagel aus Stuttgart in der vergangenen Woche abgehalten hat. Mit insgesamt 2.900 Losen und einer Verkaufsquote von 100 Prozent wurde an drei Tagen 5,7 Millionen Euro Umsatz erzielt. Dabei kamen bei den hochpreisigen Objekten vor allem Privatinteressenten aus China zum Zuge, die schon seit längerem ihre Marktpräsenz von Versteigerung zu Versteigerung potenzieren und den Begriff der „Rückkaufwelle“ prägen. Daneben beherrschten bei Nagel vor allem Händler aus London – darunter auch Asiatika-Händler-Legende Giuseppe Eskenazi – Honkong und den USA das Auktionsgeschehen.
Passen mussten diese jedoch bei der Versteigerung eines seltenen Bronzegefäßes vom Typ you, das aus der frühen westlichen Zhou-Dynastie stammt und einem Honkonger Privatsammler ganze 220.000,- Euro wert war (Schätzpreis nicht verfügbar). Preislich darauf folgend und ebenfalls durch einen Privatsammler in die Höhe getrieben, avancierte eine Frühe Ming-Vase mit unterglasurrotem Dekor zum zweitteuersten Los der Auktion. Ein Sammler aus Shanghai nennt das zarte Stück mit schlankem Hals für 200.000,- Euro nun sein Eigen (Schätzpreis 120.000,- bis 150.000,- Euro). Den bisher höchsten Internetzuschlag bei Nagel gab ein anonymer Bieter ab, den der hypnotisierende Blick des roten Drachen auf einer Pilgerflasche der Qianlong-Zeit zu einem Gebot in Höhe von 110.000,- Euro animierte (Schätzpreis 60.000,- bis 80.000,- Euro).
Nicht weniger betören ließ sich dann schließlich Guiseppe Eskenazi von einer sehr seltenen Vase mit „Teadust“-Glasur. Für das eiförmige Gefäß in der Farbe einer frühreifen Avocado bewilligte er 65.000,- Euro (Schätzpreis 45.000,- bis 55.000,- Euro). Unerwartete Preissteigerungen erfuhren eine Famille-Rose-Vase mit der Abbildung von neun Pfirsichen, die bei 22.000,- Euro abgegeben wurde (Schätzpreis 7.000,- Euro) sowie eine große blauweiße Vase aus Porzellan mit seitlichen Röhrenhenkeln, die 20.000,- Euro einbrachte (Schätzpreis 3.500,- Euro).
Auch auf dem Gebiet der Malerei konnten sehr gute Resultate erzielt werden. Die Melodie bei Sonnenuntergang klingt zukünftig in den Ohren eines chinesischen Privatsammlers, der für das Tuschebild des 1989 verstorbenen chinesischen Künstlers Li Keran ganze 50.000,- Euro hinzulegen bereit war (Schätzpreis 8.500,- Euro). Derselbe Sammler setzte sich auch in zwei anderen Fällen gegen bis zu 20 Telefonbieter durch und ersteigerte sowohl Fu Baoshis zarte und zugleich imposante Landschaft mit Booten für 70.000,- Euro (Schätzpreis 50.000,- bis 70.000,- Euro) als auch die geschäftige Szenerie am Xuanwu- Fluss von Qian Songyan für 36.000,- Euro (Schätzpreis 15.000,- bis 25.000,- Euro).