7. Juni 2005
Seit Ende des vergangenen Jahres gelten in China vereinfachte Regelungen zur Gründung ausländischer Auktionshäuser. Bisher jedoch hat keiner der internationalen Globalplayer den Schritt auf das chinesische Festland gewagt. Sitz der großen Häuser soll zunächst weiterhin Hongkong bleiben, Repräsentanzen leistet man sich darüber hinaus in Peking oder Shanghai. Fehlender Mut allein ist nicht das, was die Strategen der Auktionsfirmen vom Sturm auf den Kontinent abhält. Vielmehr erweisen sich die dort immer noch existenten bürokratischen Hürden als weitaus höher im Vergleich zu der lockereren Gesetzgebung der ehemaligen britischen Kronkolonie. Vor allem im Bereich der Aus- und Einfuhr ersteigerter Ware muss man damit rechnen, sich monatelangen Konfrontationen mit dem chinesischen Beamtentum auszusetzen. Mehr als Präsentationsausstellungen, die das Lockmittel für ein verstärkt internationalisiertes chinesisches Kaufpublikum sind, finden daher derzeit noch nicht statt.
Der auf chinesische Kunden ausgerichtete, landeseigene Auktionshandel boomt entsprechend. Große Häuser wie China Guardian Auctions mit Dependancen in Peking, Shanghai, Tianjin, Hongkong und einem Büro in New York florieren und bieten mehrmals jährlich Auktionen im Bereich Chinesischer Malerei, Kalligrafie und Porzellan an. Selten wird man die Werke zeitgenössischer Künstler im Angebot vorfinden, auch wenn sich zunehmend einzelne davon in die Offerte hineinschleichen. Im Gegensatz zu dem sich zwar rasant entwickelnden, jedoch erst langsam wirklich etablierenden Markt für chinesische zeitgenössische Kunst existiert bereits ein enormes Kaufinteresse auf dem Markt der traditionellen chinesischen Kunst. Hier sind die Preise in den vergangenen Jahren stetig und dramatisch angestiegen. Im Ausland ansässige Auktionshäuser können dabei – wenn schon nicht vom Handel vor Ort – von einer das chinesische Kaufpublikum erfassenden, richtiggehenden Rückkaufhysterie profitieren.
Solches bewiesen jüngst die Ergebnisse der Auktion „Asiatische Kunst“ im Hause Lempertz. Auch dort verzichtet man nicht auf eine Repräsentanz in Shanghai, die offenbar über beste Kontakte zu den örtlichen Kunstliebhabern verfügt. Die kamen am Wochenende denn auch in Scharen nach Köln zu der über 900 Lose umfassenden Auktion des Kunstversteigerers Lempertz, der von den zum Teil horrenden Preissteigerungen selber überrascht wurde. Mehr als 80 Prozent der Offerte ging am Ende an die asiatischen Bieter, die sich im Kampf um die Gunst der Ware beharrlich gegen eine sowohl am Telefon wie auch vor Ort, zumindest aber auf dem Papier anwesende, europäische Käuferschaft durchsetzen konnten.
Highlight der chinesischen Kunst bildete ein heftig umworbener, feuervergoldeter Buddha Amitayus des 17. / 18. Jahrhunderts. Die geforderten 35.000,- Euro für die Bronze überschritt die begierige Bieterschaft innerhalb kurzer Zeit, bis schließlich ein chinesischer Händler 126.000,- Euro dafür bewilligte. Auch die chinesischen Porzellane gingen in der Mehrzahl zurück in ihre Heimat. Die mit 4.000,- Euro taxierte Transitional-Sleeve-Vase aus der Mitte des 17. Jahrhunderts mit der Darstellung von Würdenträgern und Bediensteten in einer Felsenlandschaft weckte großes Begehren und wurde bei 48.000,- Euro vom chinesischen Handel übernommen. Den Vorbesitzer wird es freuen, er hatte das gute Stück aus Unkenntnis über dessen Wert zuvor als Schirmständer genutzt. Eine fragile Drachenschale der Guangxu-Zeit konnte ihren Schätzwert ebenfalls steigern und erzielte 19.500,- Euro (Schätzpreis 16.500,- Euro).
Nicht weniger magische Anziehungskraft strahlte das chinesische Kunstgewerbe auf die Käuferschaft aus. Eine sechseckige Gold-Splash-Vase des 18. Jahrhunderts verzehnfachte ihre Taxe und stoppte erst bei 35.000,- Euro (Schätzpreis 3.500,- Euro). Ebenso erfolgreich der große Nashorn-Becher mit Blütenranken, der seinem Neueigentümer die hohe Summe von 19.500,- Euro wert war (Schätzpreis 2.000,- Euro). Überraschungen auch im Bereich der südostasiatischen Kunst. Die bronzene sinotibetische Darstellung von König Gesar Ling aus der Ming-Zeit spielte dem Hause Lempertz großzügige 21.000,- Euro ein (Schätzpreis 3.000,- Euro).
Bei den japanischen Netsuke stellte sich vor allem eine der Figuren als wahrer Superstar heraus. Die zugleich zierliche und expressive Darstellung eines Sennin mit Schalband und Hut aus Elfenbein von tadelloser Provenienz war bereits mit 15.000,- Euro angesetzt. Das zähe Gefecht zwischen einem Saal- und einem Telefonbieter endete mit dem Sieg des am Telefon kämpfenden Londoner Händlers: Er gewährte für die Figur sagenhafte 90.000,- Euro, während andere Netsukes zwischen 11.000,- und 3.800,- Euro einbrachten. Und auch die stillen Holzschnitte und sensiblen Malereien japanischer Herkunft konnten am Ende die Gemüter nicht beruhigen. So erreichte eine Hängerolle von Nagasawa Rosetsu 6.800,- Euro (Schätzpreis 4.900,- Euro). Bis zuletzt balgte man sich bei Lempertz um nahezu jedes einzelne der vielen qualitätvollen Werke.
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