ART COLOGNE 2010 – 44. Internationaler Kunstmarkt

Die Messe als Netzwerk

Gerrit Gohlke
8. April 2010

Es wird wieder über Inhalte geredet im Messejahr 2010. Die Zeiten, in denen der Preis allein die Anziehungskraft eines Kunstwerkes auf die Käufer bestimmte, sind vorbei – und es schaut nicht so aus, als käme der kultische Glaube an verschwenderisch hohe Summen über Nacht zurück. Wer heute auf einer Messe Kunst verhandeln will, muss seinen Werken Hintergrund schaffen. Idee und Herkunft des Künstlers, Konzepte und Details werden dabei zum Qualitätsnachweis.

Kein Wunder also, dass die ART COLOGNE, Mutter aller Kunstmessen, auf Vernetzung setzt. Quer durch den deutschsprachigen Raum sucht Daniel Hug, der Neuerfinder der altehrwürdigen Messe, nach Partnern. Nicht nur das Galerieprogramm wurde so Schritt für Schritt konzentriert und erneuert. Partnerstädte wie Leipzig und München, selbst runderneuerte Standorte im föderalen deutschen Kunstgefüge, spielen nun auch eine herausgehobene Rolle am Kölner Marktplatz. Umgekehrt wird die Messe mit Sammlern und VIPs in den deutschen Regionen präsenter sein als zuvor. Köln wird zur Netzwerkermesse, die den Anschluss an Museumsereignisse und andere Events sucht. Das Ziel dabei ist ganz klar: Hug will herausfinden, wie die stärker regional eingebundenen Messen sich neben dem großen Schlachtschiff Art Basel behaupten können. Wenn Sammler teuren Kunstwerken, die vom Himmel des Star-Systems fallen, nicht mehr unbegrenzt vertrauen, wächst die Einflussmöglichkeit solcher Messen, die sich enger an die Galerien anschließen. Eine Messe, die Galerien nicht nur als Kunden versteht, sondern die originären Galeriestandorte ernst zu nehmen und einzubeziehen beginnt, wird nicht zur Konkurrenz, sondern zur spezialisierten Alternative des Basler Mega-Marktplatzes. So jedenfalls denkt Hug, und so hat er die ART COLOGNE reformiert – und damit eine ganze Reihe abspenstiger Galerien zurückgeholt.

Das ist nicht nur für die Messe gut. Es ist auch gut für das Rheinland. Dort, wo die Galerien mit dem DC Düsseldorf Cologne Open-Event – einem metropolitanen Galeriewochenende an zwei Standorten – Erfolgsgeschichte geschrieben haben, wirkt die Messe als Katalysator. Es war anfangs seiner Kommunikationsfähigkeit zu verdanken, ist nun aber seiner Beharrlichkeit geschuldet, dass Hug das Rheinland und seine Händler-Szene jünger aussehen lässt als in langen Jahren zuvor. Nachwuchsgalerien stehen plötzlich im Mittelpunkt des Interesses. Messe und galeristisches Umfeld reden miteinander. In diesem kulturellen Verdichtungsraum spielt auch artnet gern eine unterstützende Rolle und ist 2010 erstmals offizieller Mediapartner der ART COLOGNE. Das Magazin stellt alle Galerien vor, informiert kritisch und mit journalistischer Distanz über die rheinische Szene und wird mit einem Live-Blog täglich von der Messe berichten. Unabhängige Autoren und Marktexperten schildern dem Publikum Positionen und Preise, Inhalte und Transaktionen. Wir freuen uns über diese Partnerschaft. Auch weil wir wissen, dass die Kunst eine starke Galerieszene braucht. Mehr denn je. Damit Sammler, Kuratoren und Künstler sich nicht von den Preisen hypnotisieren lassen müssen. Es geht um Qualität und das ernsthafte Gespräch darüber. artnet wird seinen Anteil daran leisten.

ART COLOGNE 2010 auf artnet


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