Art Cologne 2004

New Art – Monkey business in Köln

Thomas W. Eller
1. November 2004
Die Art Cologne ist vorbei und hat in einem starken Markt die Position behauptet. Nicht mehr und nicht weniger. Laut Auskunft der Messe wurden von 250 Galerien insgesamt 60 Millionen Euro umgesetzt. Kein Gejammere über Geld, dieses Jahr wenigstens. Gérard Goodrow, der Direktor der Messe, lässt verlauten, dass die „Wende“ und der „Umschwung“ geschafft seien und die Messe, die noch vor einem Jahr als in der Krise befindlich wahrgenommen wurde, sei – so Mark Moore (Mark Moore Gallery, Santa Monica) - „neu geboren“. Neben so viel freundlichen Nachrichten waren aber während der Messewoche auch andere Töne vom Direktor zu hören. Offensichtlich bis zuletzt schwer unter Druck, ließ sich Goodrow immer ein Türchen offen und erklärte der Presse gegenüber, dass viele der Änderungen erst nächstes Jahr mit dem Umzug in neue Messehallen realisiert werden könnten. „Wenn ich schon dieses Jahr alles neu geordnet hätte, wäre ich jetzt tot“, sagte Goodrow, der erst vor kurzem einen schweren Autounfall im Rolls Royce überlebt hat. Hinter dieser Aussage stehen die jährlichen Verteilungskämpfe unter den Galerien um die besten Standorte auf der Messe. Erbhöfe werden da mit allen Mitteln verteidigt, während Newcomer in der unteren Etage versteckt werden.

Gelegentlich jedoch schaffen es einige Galerien, sich auf überraschende Weise neu zu präsentieren. Michael Schultz/Berlin gelang dieses Jahr ein solcher Coup. Sein Gemeinschaftsstand mit der berühmten Galerie PaceWildenstein aus New York gab genügend Anlass zum Staunen. Sehr offen und groß präsentierte Schultz sein bekanntes Programm jüngerer Künstler wie Bisky, Schleime und SEO sowie Altmeister Lüpertz. Die Galerie PaceWildenstein, nicht im Katalog gelistet, war nur mit einer einzigen, wenn auch riesigen Skulptur von Shapiro vertreten - so geht das.

Die erzielten Preise in allen Sparten lagen zwischen wenigen hundert bis zu knapp einer Million Euro für einen Picasso bei Kaj Forsblom aus Helsinki. Gesunde Preise wurden auch im Bereich der etablierten Zeitgenossen erzielt. Zwischen 100 000,- und 300 000,- Euro konnten für Polke und Richter verbucht werden. Ein Gewürzfenster von Dieter Roth, der in vielen Ausstellungen der letzten Jahre ein posthumes Comeback hatte, wurde von der Galerie Holtmann für 70 000,- Euro abgegeben. Ein monumentales Aquarell von Graubner wurde von der Galerie Karsten Greve im Bereich von 70 000,- Euro verkauft. Man hatte auch den Eindruck, dass junge Kunst in neue Preisdimensionen vorstößt. Sfeir-Semler bot eine phänomenale Fotoarbeit von Hiroyuki Masuyama für 26 000,- Euro an.

Inhaltliche Trends lassen sich weiterhin nicht erkennen. Der modische Pendelschwung hin zur Malerei war auch auf der Messe in Köln erkennbar. Fotografie befindet sich derzeit auf dem Rückzug. Das bedeutet aber nichts weiter. In der Abwesenheit von echten Ideen, werden alte Ideen periodisch wieder aufbereitet. Heute ist es eben die Malerei, die einigermaßen Frische zu kommunizieren weiß.

Auffällig war, dass es ein unausgesprochenes Agreement der Galerien mit ihren Sammlern gab. Die Topografie der Messe ließ sich in klare Gegenden und Gemeinden einteilen. Jede Galerie fand sich in der eigenen Umgebung sehr zuhause, während die jeweils gegenüberliegende Seite der Messehalle im Einzelgespräch immer als „fürchterlich“ oder „gruselig“ beschrieben wurde. Tatsächlich traf man in den jeweiligen „Regionen“ Sammler unterschiedlichen gesellschaftlichen Profils, was sich in Alter, Kleidung – oder auch Begleitung zeigte.

Dass es sich bei der Art Cologne tatsächlich um ca. vier Kunstmessen gleichzeitig handelt, ist auch dem Direktor Goodrow bewusst. Er bezeichnete das einzigartige Profil der Kölner Messe als Generalismus: Köln richte die einzige Messe mit solcher Bandbreite aus. Ob das ein Erfolgsrezept bleiben wird, muss sich allerdings erst noch erweisen. Jährlich werden im Moment mindestens zehn neue Kunstmessen weltweit gegründet. Der Markt für Messen wird enger. Ob Wachstum und ein ausuferndes Begleitprogramm - in Köln fanden zur Zeit der Art Cologne zwei weitere Kunstmessen und einige Museumsneugründungen statt - die Zukunft sind oder ob man sich auf bestimmte Zielgruppen wird konzentrieren müssen, wird der Verdrängungskampf der Messen zeigen.


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