Art Basel Miami Beach 2009

Im Jahreskalender des Kunstbetriebs ist die Art Basel Miami Beach der einzige Pflichttermin, der Neidgefühle weckt. Schließlich liegt Miami im Sunshine State und die Pool-Parties genießen einen legendären Ruf. Doch in Wahrheit ist der Party-Rausch ausgeschlafen. Nüchternheit herrscht auf der Messe. Zwar steigen die Umsätze wieder und der Markt ist in Bewegung geraten. Doch die Vergrößerung der Hauptmesse legt vor allem ein Qualitätsproblem offen. Die Premium-Ware geht unter neben zu viel Standardware. Wird die Messe es in Zukunft schaffen, ihre Qualtätsansprüche durchzusetzen?

In Miami war Design bisher nur ein anderes Wort für Möbeledition. Die Design Miami feiert ihren fünften Geburtstag, hat aber bis zum Vorschulalter wenig Lernbereitschaft erkennen lassen. Nun aber beweist die Messe etwas mehr Offenheit. Eine stärkere Hinwendung zur Performance zeigt mehr als die obligatorischen Editionsobjekte. Gerrit Gohlke will an einen neuen Messefrühling glauben.

Die Mutter aller Partymessen ist aus der Schockstarre des letzten Jahres erwacht, aber noch ein bisschen steif. Nach dem Redesign präsentiert sich die Art Basel Miami Beach größer und breiter, aber nicht unbedingt tiefer. Sie bildet den Markt bestenfalls noch ab, gibt ihm aber nicht mehr die Marschrichtung vor. Gerrit Gohlke und Stefan Kobel mit einer Bestandsaufnahme.

Man hätte es für eine Performance halten können, wenn es keinen ernsthaften juristischen Hintergrund gehabt hätte. Kurz vor der VIP-Eröffnung ließ der Galerist Asher Edelman per Gerichtsbeschluss Gemälde beschlagnahmen. Bei der Galerie Gmurzynska entfernten US-Marshals vier Gemälde. Edelman wollte so Forderungen aus einem Versicherungsstreit befriedigen. Nun aber steht die Rückgabe der Gemälde an, wie Stefan Kobel erfahren hat.

Die Art Basel Miami Beach ist weiter gewachsen und macht so ein Dilemma sichtbar. Die Sammler und Käufer brauchen mehr Orientierung als bisher. Die Galerien verlangen nach einer klareren Ordnung des Angebots. Bald schon wird es nicht mehr reichen, nur junge und alte Galerien voneinander abzugrenzen oder besonders schöne Stände auszuzeichnen. Gerrit Gohlke hat sich in Miami umgesehen und fordert klarere Kriterien für das Messeangebot.

Die Spreu trennt sich vom Weizen. Während die Art Basel Miami Beach weiter angewachsen ist, hat für die Satellitenmessen der Überlebenskampf begonnen. Viele kleine Nebenmessen können die Qualität ihres Angebots nicht mehr sichern. Die anspruchsvollen Galerien konzentrieren sich auf wenige Orte mit einem klaren Programm. Stefan Kobel berichtet, warum diese Konzentration der Kunst am Ende nützen könnte.

Der Markt zeigt sich leicht erholt und die Art Basel Miami Beach ist noch einmal gewachsen. Die Kunden macht so viel Größe jedoch orientierungslos. Nun auf zwei Hallen ausgedehnt hat sich die Messe zum Universalmarktplatz entwickelt, in dem es viel Beliebiges, aber wenig Differenzierung gibt. Die Qualität an vielen Ständen ist bestechend, geht aber in der Vielfalt unter. Stefan Kobel meint, weniger Größe und klarere Ordnung wäre mehr gewesen.

Ein letztes Mal hält die Kunstwelt dieses Jahr den Atem an. Die großen Herbstmessen sind bisher den Umständen entsprechend gut verlaufen, die New Yorker Auktionen ebenso. Nun gilt es, die Hürde Art Basel Miami Beach zu nehmen. Bevor die Messe am Donnerstag beginnt, haben bereits die traditionsreiche Art Miami und die jüngere Design Miami die Pforten geöffnet. Stefan Kobel mit ersten Eindrücken pragmatischer Messepolitik.
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