Alexandra Wach

2012
Mai
Da ist sie wieder, die gute alte German Angst. Die zweite Ausgabe der Hannoverschen „Made in Germany“-Schau spendet Trost, scheut das Geständnis der Erschöpfung nicht und sucht das Heil im Zweifel.
Sie war längst überfällig: Die Werkschau der Tanz-Veteranin Yvonne Rainer im Museum Ludwig. Die tanzende Revoluzzerin probt auch als 77-Jährige noch den Aufstand gegen das Establishment.
April
In den USA zählt er zu den Must-Haves der Museen, in Europa kennt ihn kaum einer. John McLaughlin ist der große Unbekannte der Nachkriegsmoderne. Nun zeigt ihn Zander mit zwei Fans.
Der Art Brussels droht zum Jubiläum der Abstieg in die Regionalliga. Trotz hohen Niveaus gehen ihr die Besucher aus.
Wohlgefälliges ist hier unerwünschte Mangelware. Weshalb die NADA für die Art Cologne dennoch eine Bereicherung ist.
März
John Stezaker ist ein Spätentdeckter. Für seine Collagen gab es bis in die Nullerjahre keinen Markt, heute ist seine Kölner Schau bei Gisela Capitain ein Highlight.
Der Slowake Roman Ondák zeigt im K21, wie Kunst in selbst verordneter Kraftlosigkeit verpufft.
Søren Grammel, neuer Leiter des Kölnischen Kunstvereins, gibt sich zuversichtlich: Kunstvereine sind die Zulieferbetriebe des Kunstsystems. Ein erstes Interview.
Februar
Urs Fischer unterfordert den Betrachter in Wien mit plakativen Großskulpturen im Vanitas-Gestus.
Januar
Die New Yorkerin Wendy White probt in Düsseldorf die Attitüde des Widerstands.
Die Abkömmlinge der Becher-Schule sind allzeit gefragt. In der Ausstellung bei Konrad Fischer gibt es zwar nichts Unbekanntes zu entdecken, dafür liefern Gegenüberstellungen reizvollen Mehrwert.
2011
Dezember
Beat Streuli skizziert das Leben auf der Straße als sinnlos geschäftiges Treiben. Die Fotos seiner aktuellen Ausstellung bestätigen sein Talent als begnadet zeitgemäßer Street Photographer.
November
Richard Hawkins bewegt sich mit infantilem Subjektivismus bewusst am Rande des Kunstbetriebs – und damit im Standardprogramm der Moderne.
Oktober
Die Klassische Avantgarde wies Künstlerinnen oft bloß die Rolle der Muse zu. Eine bemerkenswerte Schau holt sie nun aus dem Schatten der Kunstgeschichte.
Die Fiac glänzt im Grand Palais: Lichte Architektur, weniger Teilnehmer und jede Menge Blue-Chip-Künstler machen die Messe zum Erfolgsereignis.
Katinka Bock ist mit ihren filigranen In-situ-Installationen die Künstlerin der Stunde. artnet hat die Künstlerin in ihrem Pariser Atelier besucht.
Fundstücke vom Wegesrand müssen kein Naturabfall sein. Die Amerikanerin Helen Mirra hat sie im Bonner Kunstverein zu einem minimalistischen Archiv zusammengefügt.
September
Die Düsseldorfer DC Open wartet mit drei Neueröffnungen von Galerien auf und versetzt das Rheinland in Wallung. Ein Rundgang.
Wer meint, die Abrechnung mit dem heutigen Russland müsse deprimierend ausfallen, wird von dem Künstlerkollektiv Chto Delat? eines Besseren belehrt.
August
Das Museum Ludwig will den durchdiskutierten Begriff „Zwischenstadt“ mit Schätzen der eigenen Sammlung illustrieren. Ein Unterfangen ohne neue Einsichten.
Die Kölner Temporary Gallery hat den Farben Hausverbot erteilt. Sieben Künstler kehren hier zurück in die Zeit des Schwarz-Weiß-Films, als das Leben erträglicher schien.
Joel Sternfeld ist der Ironiker der New Color Photography. Amerika dient ihm als bizarre Bühne, auf der er die Wunden seiner Heimat offenlegt, wie das Folkwang Museum zeigt.
Juli
Der Düsseldorfer Künstler Andreas Fischer bringt Ventilatoren, Abflussrohre und Bügelbretter buchstäblich zum Sprechen. In seinem unterirdischen Atelier vibriert, lärmt und scheppert rund ein halbes Dutzend menschelnder Maschinen um die Gunst des Betrachters. artnet hat Fischer einen exklusiven Kellerbesuch abgestattet.
Ausufernde Malereien, lebensgroße Puppen, organische Ornamentik – in den Düsseldorfer Galerien geht es momentan sinnenfreudig und oftmals figurativ zu. Ein Rundgang.
Juni
Sie malt, meißelt, filmt und strickt. Rosemarie Trockels uneindeutige Kunst birgt Schrecken und Abgründe in sich und provoziert fast immer. Dass auch ihr zeichnerisches Werk keineswegs leise ist, zeigt jetzt das Kunstmuseum Bonn in einer intimen Schau der Multi-Media-Künstlerin.
April
Viele neue Namen nennt die Liste der 29. Art Brussels, die programmatische Dauerverjüngung hält an. Abgänge an die Art Cologne, die zwei Wochen vorangegangen ist, blieben allerdings nicht aus. Sollte die erstmalige Entzerrung der Messetermine also auch ihre Schattenseiten haben?
Luc Tuymans ist heimgekehrt. In das Museum seiner Jugend, das er regelmäßig besuchte, ohne zu ahnen, dass er in das verwinkelte Art-Deco-Gebäude des BOZAR einmal selbst mit einer großen Retrospektive einziehen würde. Fast zwei Jahre tourte die Schau durch die USA. Brüssel firmiert jetzt als Abschluss und zugleich einzige europäische Station.
Der verheißungsvolle Auftakt der Art Cologne hat sich aufs Kölner Galeriengetriebe übertragen. Am Vernissageabend zeigte es sich gut geölt, der Tross aus rheinischen und internationalen Sammlern, Neugierigen und Kauflustigen war beachtlich.
Der New Yorker Joel Shapiro bleibt seit über vierzig Jahren seinen Linien treu: Im Museum Ludwig zeigt der Bildhauer nun, wie spielerisch er einen ganzen Raum mit seinem geometrischen Ensemble zum Schwingen bringt.
März
Irene Ludwig hat den Kölner Museen Ludwig und Schnütgen 528 Kunstwerke aus ihrer gigantischen Kunstsammlung vermacht – darunter zentrale Werke der russischen Avantgarde, Gemälde von Matisse, Pollock und Lichtenstein und sogar ein ottonisches Reliquienkästchen.
Eine vorchristliche Kultstätte auf dem Gelände der Zeche Zollverein gab den Ausschlag: Das Künstlerpaar Ilya & Emilia Kabakov wird hier ein Zentrum der kosmischen Energie errichten. Die grafischen Vorstudien dazu sind nun in Köln zu sehen.
Für Connaisseure bietet Belgien allerhand Sinnesfreuden. Neben der Kunstszene in Brüssel besticht gerade das nördlich gelegene Antwerpen durch hohe Qualität auf engsten Raum. Ein Rundgang bietet sich an, ist doch die Maastrichter Kunst- und Antiquitätenmesse TEFAF gleich um die Ecke.
Vor 43 Jahren gastierte Ferdinand Kriwet schon einmal in der Kunsthalle Düsseldorf – und avancierte zum Pionier der Mixed Media. Dann brach er mit dem Kunstbetrieb, um 16 Jahre später wieder aufzutauchen. Nun kehrt er an den Ort zurück, an dem alles begann.
Februar
Zwischen Science-Fiction und Flimmersinfonie: Susanne Rottenbacher taucht die Kölner Galerie Teapot mit Kunststoffringen, Spiegeln und Leuchtdioden in ein kinetisches High-Tech-Lichtermeer