3. Berliner Kunstsalon

Saft abgedreht

Petra Henninger
2. Oktober 2006
3. Berliner Kunstsalon, arena-Magazin, Berlin. Vom 30. September bis 4. Oktober 2006

Schon beim Besuch der Eröffnung des Berliner Kunstsalons verfestigt sich der Eindruck, dass sich die Veranstaltung weiter professionalisiert hat und in diesem Jahr deutlich das kaufkräftige Publikum anspricht. Alles wirkt aufgeräumter und geordneter als im Jahr zuvor und die Schlagrichtung dieser Nebenmesse, die am gleichen Abend wie die Preview und somit einen Abend vor dem ART FORUM ihre Pforten öffnete, ist eindeutig auf Verkauf ausgelegt. Sah man im letzten Jahr am Eröffnungsabend vor allen Dingen Szenepublikum durch die Hallen auf dem Gelände der Arena streifen, das den Kunstsalon bald in eine ausgelassene Party verwandelte, so hat sich dieses Bild deutlich verschoben. Bereits am ersten Abend waren in den Kojen Gespräche zwischen Galeristen und Kaufinteressenten zu beobachten.

Unterlaufen wurde die von den Initiatoren gewollte Professionalisierung und Versachlichung der Messe lediglich durch eine überaus laxe Haltung der Betreibergesellschaft des Arena-Geländes. Falk Walter, der das Areal seit Jahren betreibt, hatte es nicht für nötig gehalten, die vertraglich vereinbarten Einbauten sorgfältig auszuführen, so dass die Stellwände als vernünftige Bildträger bzw. gar Screens für Videoprojektionen an vielen Stellen nicht geeignet waren. Darunter zu leiden hatte beispielsweise die 12 Meter messende Videoprojektion von Zalgiris, die die Vartai Gallery aus Vilnius zeigte. Insgesamt schmälerte das den ästhetischen Genuss und wurde von vielen Galeristen mit Verärgerung zur Kenntnis genommen. Gleiches galt für die Beleuchtung. Im Vorfeld des Kunstsalons hatte es so viel Ärger mit der Betreibergesellschaft gegeben, dass sich die Veranstalter des Kunstsalons mit Edmund Piper an der Spitze für das nächste Jahr auf jeden Fall nach neuen Räumlichkeiten umsehen werden. Umso dringender, nachdem Frank Walter der Messe am Montagnachmittag sogar den Strom abstellte.

Jedenfalls präsentierte sich auf dem Kunstsalon auch in diesem Jahr wieder eine Fülle von Galerien, Projekten und Künstlerinitiativen, darunter auch einige Positionen aus Osteuropa. Ästhetisch stechen drei Präsentationen besonders hervor: Asim Chughtai aus Berlin zeigte in dem von ihm sehr präzise bespielten Raum eine Installation des Berliner Künstlers DAG (13. 000,- Euro), ein Video von Tobias Laukemper und Kelly Warman (unverkäuflich), in dem es laut Chughtai „um die Erschlaffung der Moderne geht“, sowie einen Videofilm und eine Skulptur von Erling T. V. Klingenberg. Für Create – Creation hatte der aus Reykjavik stammende Künstler einen im Künstlerbedarf gekauften Tonklumpen penetriert…

Thorsten Brinkmann aus Hamburg, vertreten von der Berliner Galerie Kunstagenten, die sich in den letzten anderthalb Jahren zusehends profiliert hat und ein Konzept verfolgt, das die Künstler auf dem Weg in den Kunstmarkt unterstützend begeleitet, hat in einer Solo-Show einen Raum komplett gestaltet (die gesamte Installation wird für 38.000,- angeboten, die Fotoarbeiten kosten einzeln zwischen 400,- und 2.400,- Euro, die Skulpturen um 2.800,- Euro). Der auf dem Kunstsalon mit einer Ausstellungsfläche von 4.500 Quadratmetern reichlich vorhandene Platz setzt der Entfaltungskraft des skulptural- experimentell mit ausgedientem Mobiliar arbeitenden Bildhauers und Fotografen keine Grenzen. Diese Installation wäre auf der Preview – denn auch dort ist die Galerie mit einem Stand vertreten und zeigt unter anderem Videoarbeiten von Brinkmann – wegen der teureren Mieten sicherlich nicht realisierbar gewesen.

Gleich am Eingang zeigte das Künstlerduo Magdalena Kunz und Daniel Glaser, in diesem Fall vertreten durch die Turiner Galerie gagliardi art system, die zwischen 2000 und 2005 entstandene Trilogie High and Low, die ebenfalls auf großer Fläche hervorragend präsentiert war. Besonders eindrucksvoll waren die in einem abgedunkelten Raum ausgestellten, zwischen Kino und Fotografie changierenden Projektionen bzw. Lambda Prints, die mit „Babelsberg“ übertitelt sind (jeweils 125 x 353 cm, 9.500,- Euro, alle zusammen Preis auf Anfrage).

Im Gegensatz dazu fiel am Eröffnungsabend bei der neu gegründeten Produzentengalerie Stedefreund – dieses Modell scheint nach wie vor Erfolg versprechend – keine der Positionen besonders ins Auge. Stedefreund präsentierte sich bei dieser Gelegenheit schon vor der offiziellen Berliner Eröffnung am 6. Oktober erstmals der Öffentlichkeit und hatte eine Wechselausstellung auf die Beine gestellt. Alle zwei Tage zeigte die Galerie eine andere Auswahl aller 20 Künstlerinnen und Künstler der Galerie, von denen etliche von der Kunsthochschule Weißensee kommen (Preise von 250,- bis 3.300,- Euro). Stedefreund sieht sich mit einer klaren Organisationsstruktur, innerhalb derer Marc Wellmann als Künstlerischer Leiter und Jan Frontzek als Geschäftsführer fungieren, bestens aufgestellt.

Dem japanisch-deutschen Kulturaustausch hatte sich die Galeristin von CAI Hamburg verschrieben. Sie zeigte Arbeiten japanischer Künstler wie die des „Löchersammlers“ Kenichiro Taniguchi sowie des „Schmetterlingssammlers“ Akihiro Higuchi. Die hübschen Tiere sind, wie bei dieser Sammelleidenschaft üblich, hinter Glas aufgespießt (390,- bis 490,- Euro). Auf den zweiten Blick wird die Übermalung der Flügel mit Comicfiguren oder Blumenmustern sichtbar: eine schöne Reflexion über die Sammelleidenschaft im Allgemeinen und die für Kunst im Besonderen. Malerei des ursprünglich von der Street Art kommenden Kenji Hirata an der linken Kojenwand wurde zwischen 95,- und 1.400,- Euro angeboten. Düster wurde es am Stand von Strychnin Galerie (New York/Berlin), die sich im Gothic-Ambiente präsentierte: Kris Kuksis House of Fascism ist für 3.333,- Euro zu haben.

Leider konnten die malerischen Positionen, die auf diesem Kunstsalon zu sehen waren, mehrheitlich nicht überzeugen. Stellvertretend dafür sei die Arbeit Absolut Islam von Anna Krenz aus dem Jahr 2004 genannt, die am Stand von Galerie Zero aus Berlin zu sehen waren, sowie die großformatigen Akte in Aquarell von Rinaldo Hopf, der sich unabhängig präsentierte. Für das nächste Jahr bleibt zu hoffen, dass sich der Kunstsalon wieder in seiner ganzen üppigen Pracht mit Sonderausstellung, Rahmenprogramm und ausgelassener Party präsentieren kann – wenn nämlich weniger Energie in die Nerven aufreibende Bewältigung von Schwierigkeiten im Vorfeld fließen muss. Weiterhin ist er ein Ort für viel versprechende Neuentdeckungen.


Mehr im Dossier  Art Forum Berlin et al. 2006

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