9. November 2011
25 Jahre ist es her, dass das Münchner Auktionshaus Neumeister die Moderne in sein Programm aufnahm. Das wird nun gebührlich gefeiert: Eine ganztägige Jubiläumsauktion, die einen Querschnitt aus der europäischen Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts mit Werken von Yves Klein, Sol LeWitt oder Jonathan Meese oder Arte Povera-Ikonen wie Jannis Kounellis, Giulio Paolini und Vettor Pisani aufs Tapet bringt. Zu verdanken ist der damalige Aufbruch in die Moderne Katrin Stoll. Die zweitälteste Tochter von Rudolf und Christa Neumeister stieg vor 25 Jahren ins elterliche, Ende der 1950er-Jahre gegründete Unternehmen ein und eröffnete dort gleich eine neue Versteigerungssparte. Anfangs durchaus ein holpriges Unterfangen, wie die Auktionatorin im Interview mit artnet erklärt.
artnet: Vor 25 Jahren haben Sie die Moderne bei Neumeister eingeführt. Wie haben Sie Ihren Vater Rudolf Neumeister, der als starke Persönlichkeit bekannt ist und mit Mitte 80 bis heute einen Stammplatz im Auktionssaal innehält, von dieser Notwendigkeit überzeugt?
Katrin Stoll: Mein Vater hat das Potenzial der Moderne schon damals erkannt und mich eher ermutigt – was nicht unbedingt heißt, dass er es mir immer leicht gemacht hat. Es war anfangs auch recht schwierig, im Haus wirklich integriert zu werden. Viele kannten mich im Unternehmen nur als Lernende. Aber ich habe es gut durchgestanden.
Mit Mitte 20 standen Sie im Sommer darauf das erste Mal am Auktionspult?
Ja, und ich war wahnsinnig aufgeregt, daran erinnere ich mich noch heute, ebenso wie an das Datum, den 2. Juni 1987, und an das gute Gefühl danach, etwas erreicht zu haben.
Sie sind nicht nur Inhaberin und Geschäftsführerin von Neumeister, sondern auch dreifache Mutter. Wie vereinbaren Sie den Auktionsalltag mit dem nicht weniger zeitintensiven Bereich Familie?
Da denke ich spontan an das Motto „Was mich nicht umbringt, macht mich stark.“ Es ist tatsächlich so: Man wächst mit den Anforderungen. Und wenn ich zum Beispiel Urlaub mache, verbringe ich diese Zeit sehr intensiv mit meinen Kindern. Für mich ist es wichtig, mich auf die jeweilige Aufgabe 150-prozentig zu konzentrieren. Aus diesem Grund fördere ich bei Neumeister ganz bewusst Frauen – neben mir gibt es beispielsweise noch drei weitere Auktionatorinnen. Männer verbinden sich in Männernetzwerken, wieso sollen wir das nicht auch tun?
Was kommt als nächstes? Aktuelle Skulptur bieten Sie ja nun heute Abend erstmals schon an. Ein Experiment, um das Programm eventuell einmal auf die Zeitgenossen zu erweitern?
Guter Tipp. Ein Schritt in die richtige Richtung, die uns die Dynamik der Märkte vorgibt.
Sonderauktion „shape_Skulptur der Moderne und der zeitgenössischen Kunst“ – Neumeister Kunstauktionen, München. Am 10. November 2011 ab 18.30 Uhr