24. November 2011
Vor zwanzig Jahren gründete der ehemalige Medizinstudent Klaus Biesenbach die Kunst-Werke, in Berlin-Mitte, Auguststraße 69. Was mit einem irrwitzigen Ausstellungsprojekt in Wohnungen der Umgebung unter dem Titel „37 Räume“ begann, ist längst zu einer der wichtigsten Institutionen der Hauptstadt geworden: Mit zentralen Ausstellungsprojekten wie der Berlin Biennale, die hier 1998 ihren Anfang nahm, oder ersten Solo-Schauen von Jonathan Meese, Santiago Sierra, Susan Philipsz, Julian Rosefeldt, Joe Coleman oder Absalon sind die Kunst-Werke Schrittmacher der Berliner Szene und Trendsetter globaler Kunstentwicklungen. artnet gratuliert zum Jubiläum und sprach mit der Kuratorin Susanne Pfeffer.
artnet: Zwanzig Jahre Kunst-Werke – ein Grund zum Feiern. Doch Sie halten sich vornehm zurück. Keine Feier, keine Jubiläumsschau und keine Vorsatzrede. Warum?
Susanne Pfeffer: Auf jeden Fall ein Grund zur Freude. Doch von Anfang an war das Motto der Kunst-Werke: Nach vorne schauen!
Die KW sind Berlins wichtigste Institution für zeitgenössische Kunst. Was ist das Erfolgsrezept?
Erfolg lässt sich nicht planen. Eher im Gegenteil, man muss den Mut haben, Risiken einzugehen, ungewohnte Terrains zu betreten und die Angst vorm Scheitern in Kauf zu nehmen.
Was haben die KW, was NBK und NGBK als andere Kunstvereine Berlins nicht haben?
2000 qm Ausstellungsfläche. Ansonsten ergänzen sich die Institutionen in Berlin ganz wunderbar.
Was hat sich seit der Gründung des Hauses durch Klaus Biesenbach verändert?
13 Jahre hat Klaus Biesenbach die KW geprägt, 2 Jahre Anselm Franke und nun ich. Ich denke schon, dass sich die KW in den letzten 5 Jahren verändert haben. Doch das lässt sich schwerlich selbst, sondern sicherlich besser von außen beurteilen.
Inwieweit hat Biesenbach noch Einfluss auf die Projekte, Konzepte und deren Umsetzung – und worin besteht der Vorteil oder auch Nachteil dabei?
Ich selbst kann nur Ausstellung realisieren, wenn ich frei und unabhängig arbeiten kann. Ich konnte aber in all den Jahren an den KW immer mit der vollen Unterstützung von Klaus Biesenbach rechnen.
Was sind Ihre Visionen und Wünsche für die nächsten 20 Jahre der KW?
Dass die Kunst-Werke immer ein Ort der Freiheit bleiben.
Wo sehen Sie selber noch Verbesserungsbedarf?
Vor allem der Etat der Kunst-Werke bedarf der Erhöhung. Ohne jeglichen Ausstellungsetat ist es sowohl schwierig ganz spontan zu handeln als auch langfristig zu planen.
Der Freundeskreis der KW Berlin veranstaltet von Ende November bis Januar 2012 eine Lotterie, deren Erlös den Kunst-Werken zugutekommt. Zu gewinnen gibt es 60 Kunstwerke von Größen wie Olafur Eliasson, Douglas Gordon, Angela Bulloch und vielen anderen bekannten Künstlern. Von den 1.000 Losen, die für je 100 EUR zu haben sind, gewinnt am Ziehungstag des 13. Januars jedes Zehnte. Die eingereichten Werke können Sie vorab in den Kunst-Werken besichtigen. Die vertretenen Künstler sind: Fritz Balthaus, Oliver van den Berg, Monika Brandmeier, Clara Brörmann, Marcel Bühler, Angela Bulloch, Martin Creed, Raphael Danke, Mariechen Danz, Kate Davis, Michele Di Menna, Wim Delvoye, Simon Dybbroe Møller, Tim Eitel, Olafur Eliasson, Thomas Eller, Sabine Fassl, Douglas Gordon, Philipp Grözinger, Judith Hopf, Uwe Henneken, Leiko Ikemura, Allan Kaprow, Annette Kelm, Clemens Krauss, Via Lewandowsky, Walter Libuda, Ingo Mittelstaedt, Adrian Lohmüller, Michael Müller, Carsten Nicolai, Florian Neufeldt, Klaus Pichler, Friederike von Rauch, Thomas Rentmeister, Cornelia Renz, Anselm Reyle, Pipilotti Rist, Jakob Roepke, Albrecht Schäfer, Stefanie Schneider, Iris Schomaker, Albrecht Schnider, Marcus Sendlinger, Katharina Sieverding, Dirk Skreber, Andrea Stappert, Natascha Stellmach, Stefan Strumbel, Jeffrey Teuton, Anton Unai, Brigitte Waldach, Patricia Waller, Judi Werthein, XOOOOX und Krzysztof Zielinski.