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Jan Fabre: One Man's Death is another Man's Chocolate (Galerie Bernd Klüser)    8. Nov , 2012 - 23. Feb 2013


Jan Fabre
One Man's Death is another Man's Chocolate

Tribute to Hieronymus Bosch in Congo 2011 - 2012

8. November 2012 - 23. February 2013
Opening: 8. November 2012, 6 pm
The artist will be present

Please see also Jan Fabre: 9 Chapters (Galerie Klüser 2)

Jan Fabre ist ein Multitalent – als solches hat er sich nicht nur in der bildenden Kunst einen Namen gemacht, sondern auch in der Welt des Theaters, der Literatur und der Performance. Mit der Erforschung des eigenen Körpers und seiner Umwelt hinterfragt sich der Künstler beständig selber und die intensive Suche nach Antworten führt ihn durch unterschiedlichste Disziplinen und Ausdrucksformen. So hat er über die Jahre eine eigene mythische Welt erschaffen, in der er sich zudem mit der visionären Ästhetik der flämischen Meister befasst. Die Galerie Klüser, die den Künstler bereits seit 1992 exklusiv in Deutschland vertritt, freut sich nun, aktuelle Arbeiten des Belgiers in zwei umfassenden Ausstellungen zeigen zu können.

„Tribute to Hieronymus Bosch in Congo 2011-2012: One man’s death is another man’s chocolate“ ist der Titel der Präsentation in der Georgenstrasse 15. Sechs großformatige Mosaike und vier Kreuze, alle aus Käferpanzern zusammengesetzt und teilweise mit ausgestopften Tieren versehen, bilden die Grundlage für die Ausstellung, die schon durch ihren Titel in einen inhaltlichen Bezug zur belgischen Besatzungszeit im Kongo des 19. Jahrhunderts gesetzt wird. König Leopold II. von Belgien hatte sich am 23. April 1885 zum Eigentümer des Kongo deklariert - wie sich herausstellen sollte mit katastrophalen Folgen. Während seiner 23-jährigen Amtszeit halbierte sich die Bevölkerungszahl des Kongo:

von anfangs 20 Millionen Einwohnern starben über 10 Millionen durch koloniale Gewaltverbrechen, Hunger, Entkräftung, durch Überarbeitung und Krankheit. Jedes der Werke Fabres erzählt einen Teil der Geschichte der sogenannten Kongogräuel, vom Erfolg und Scheitern Belgiens in seiner ehemaligen Kolonie. Damit bezieht sich Fabre nicht nur auf seine eigene Geschichte als gebürtiger Belgier, sondern spricht auch ein Thema an, das in seiner Kunst eine zentrale Rolle spielt: der Tod, symbolisiert in der Metaphorik der vier Kreuze und der ausgestopften Tiere. In den Mosaiken schafft das dichte Netz aus leuchtend blau-grünen Juwelkäferflügeln, welche die Oberfläche bilden, eine lebendige, fast überirdische visuelle Erfahrung. Der Künstler hat den Käferflügeln ihre ursprüngliche Bedeutung genommen und ihnen durch seinen Eingriff eine neue Funktion gegeben. Dieses Konzept der Metamorphose spiegelt sich auch in dem Verweis auf die erzwungenen Wandlungen, welche die Bevölkerung des Kongo durchleben musste und symbolisiert gleichsam die für Fabre so wichtige Verschmelzung von Körper und Geist, Tier und Mensch, Leben und Tod.

In den Galerieräumen der Türkenstrasse 23 zeigt die Galerie neun Arbeiten aus der Werkreihe CHAPTERS I-XVIII (2010). Es handelt sich um Selbstportraits aus Bronze, Büsten des Künstlers kombiniert mit Attributen aus der Tierwelt: vom Geweih eines Rothirsches bis zum Horn eines Watusi Bullen. Fabre sieht sich selber in diesem Kontext als austauschbar, ein Durchschnittsmensch, der in Kombination mit den Verteidigungswerkzeugen der Tiere Parallelen zwischen menschlichen und tierischen Verhaltensweisen aufzeigt. Während Fabre in seinen früheren Bronzearbeiten den Künstler als Personifikation des menschlichen Strebens nach einer idealen Gesellschaft präsentiert, dessen Versuch, die Welt und das Universum zu begreifen und über den Tod hinaus bleibende Bedeutung zu erlangen, so zeigt er in der aktuellen Ausstellung unter dem Titel „9 CHAPTERS“ verschiedene Prototypen gesellschaftlicher Charaktere. Hier findet sich das brillante Genie genauso wie der unbeholfene Dummkopf, der irre Draufgänger ebenso wie der zurückhaltende Intellektuelle. Die tierischen Attribute, die Hörner und Geweihe, unterstreichen dabei den erzeugten Ausdruck ohne jedoch eine explizite Botschaft oder Erklärung abzugeben – sie verstärken die Wut des Einen und untermalen die Sturheit des Anderen. Durch ihre Anordnung, die Aufreihung ähnlich der in einer Ruhmeshalle, werden die Figuren zu führenden Repräsentanten der Gesellschaft hochstilisiert, von denen jede – wie die einzelnen Kapitel eines Buches – ihre eigene Geschichte hat. Jedes Kapitel enthält etwas Neues und wird gleichzeitig in einen Bezug zu seinem jeweiligen Nachbarn gesetzt.

Jan Fabre wurde 1958 in Antwerpen geboren, wo er auch heute lebt und arbeitet. Er studierte am Municipal Fine Arts Institute of Decoractive Arts und an der Academy of Fine Arts in Antwerpen. Fabre wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Preis der flämischen Gesellschaft der Bildenden Künste und überdies zum Großoffizier des belgischen Kronenordens ernannt. Die Galerie Klüser hat ihm zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen gewidmet. Das Werk von Jan Fabre befindet sich in international führenden (Museums-) Sammlungen wie dem Kunstmuseum Basel, den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, dem Musée d’Art Moderne de Saint-Etienne, dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid, dem Stedelijk Museum voor Actuele Kunst in Amsterdam und dem Louvre in Paris.

Für weitere Informationen und Pressematerial steht die Galerie gerne zur Verfügung.

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