Please scroll down for english version
ANTONIUS HÖCKELMANN: ZEICHNUNGEN
Ausstellungsdauer 12. Januar bis 02. März 2013
Eröffnung der Ausstellung und einführendes Gespräch mit Frau Dr. Jutta Voorhoeve am
Freitag, 11. Januar 2013 um 18:30 Uhr
Der Michael Werner Kunsthandel präsentiert ab dem 12. Januar Zeichnungen von Antonius
Höckelmann (1937-2000). Eine der ersten Einzelausstellungen hatte der Künstler im Jahr
1966 bei Michael Werner in Berlin. Seine Arbeiten wurden auf der documenta 6 (1977) und
documenta 7 (1982) gezeigt; wichtige institutionelle Ausstellungen fanden beispielsweise in
der Kunsthalle Bern (1975), im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen (1985) und im
Hamburger Kunstverein (1986) statt. Die aktuelle Ausstellung bietet mit gut 90 Arbeiten
einen Überblick über Höckelmanns Werk aus den späten 1960er bis in die 1980er Jahre.
„Die Zeichnung […] deutet die umfassende Realität von Plastik an und der Beschauer hat
mehr das wichtige Gefühl sich innerhalb von plastischen Formen zu bewegen und nicht
nur eine Plastik von außen anzustarren oder sich nur durch das Monstrum beeindruckt zu
fühlen.“ (Antonius Höckelmann, in: Kunstforum international 1974, Bd. 10)
Nachdem Antonius Höckelmann 1957 eine Ausbildung zum Holzbildhauer abgeschlossen
hatte, studierte er bis 1961 an der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin bei Prof. Karl
Hartung. Zu Beginn der 1960er Jahre schuf er Plastiken, die an organische Formen erinnern.
Knorpelwerk, Knollengebilde und Wurzelwucherungen werden nicht selten assoziiert, doch
nie ging es ihm dabei um Naturimitationen. Stets zeichnete er parallel die erdachten
Konturen auf Papier. Diese Arbeiten dienten nicht als Skizzen im klassischen Sinne. Es
waren eigenständige Formfindungen, zu denen er erst auf Basis der plastischen Entwürfe
finden konnte. Plastik und Zeichnung haben sich von Beginn an gegenseitig beeinflusst.
Meist arbeitete der Künstler in thematischen Serien, die ein geradezu obsessives Festhalten
an bestimmten Problemstellungen erkennen lassen. Ein Werkblock der Ausstellung zeigt
seine Auseinandersetzung mit den gerichtlichen Nachbarschaftsstreitigkeiten, damals
ausgelöst durch die vermeintlichen Ruhestörungen seines kleinen Sohnes. Gerichtsskizzen,
Zitate aus Schriftsätzen und die Darstellung von Beweismaterialien verdichten sich zu teils
verworrenen Bildgefügen. Trotz der thematischen Absurdität verliert sich Höckelmann nie in
der ironischen Distanz. Zugrunde liegende Themenkreise sind ohnehin nur ein
untergeordneter Aspekt seiner Kunst, die sich allein rational nicht ergründen lässt und eine
unentwegte Reflexion auf Darstellungs- und Formwerdungsprozesse ist. Man spürt, wie er in
den Überlagerungen, Überschneidungen und Durchdringungen seiner Formen aufgeht, um
die Gesetzmäßigkeiten des „plastischen Kosmos auf der Fläche“ (Theo Kneubühler) des
Papiers zu erforschen.
___________________________________________________________________
ANTONIUS HÖCKELMANN: DRAWINGS
12 January – 2 March 2013
The exhibition will open on Friday 11 January 2013 with an introductory discussion led by Dr Jutta
Voorhoeve at 6:30 pm
The Michael Werner Kunsthandel will be presenting drawings by Antonius Höckelmann (1937-2000)
as from 12 January. One of the artist’s first one-man shows was organized by Michael Werner in
Berlin in 1966. His work was also exhibited at the documenta 6 (1977) and documenta 8 (1985), and
there have been important institutional exhibitions at the Kunsthalle Bern (1975), the Kunstverein für
die Rheinlande und Westfalen (1985) and the Hamburger Kunstverein (1986). The current exhibition
of over 90 drawings provides an overview of Höckelmann’s work from the late 1960’s to the 1980’s.
“Drawing reveals the full reality of sculpture and allows the observer to feel the movement within
sculptural forms rather than staring at the external surface of a sculpture, or feeling overwhelmed
by its monstrous quality.”
(Antonius Höckelmann in Kunstforum International 1974, Vol. 10)
After completing training as a sculptor in wood in 1957, Antonius Höckelmann studied until 1961 in the
Berlin University of Fine Arts (Hochschule für Bildende Kunst) under Professor Karl Hartung. At the
beginning of the 1960’s he created sculptures often associated with organic forms and reminiscent of
the growth of roots, bulbs and cartilage. His intention, however, was not to imitate nature. His
drawings reveal the parallel contours of his own experience. They are not sketches in the traditional
sense, but represent a new and specific research into the world of form based on his work with
maquettes. From the outset, his sculptural and graphic work developed hand in hand.
In the main, Höckelmann worked on thematic series, which he developed and researched with almost
obsessive tenacity. One section of the exhibition deals with the theme of legal disputes, based on the
alleged nightly disturbance caused to his neighbours by his young son. Sketches from the courtroom,
quotations from legal documents and the presentation of evidence all form part of what is sometimes a
confusing tableau. Despite the aspect of absurdity inherent in the topic, Höckelmann avoids the
danger of distancing himself through irony. Indeed, the subject matter itself is never the main concern
of his work which defies a rational interpretation and is principally motivated by a ceasless reflection
on the process of representation and creation. He clearly revels in the composition, juxtoposition and
interpenetration of forms in his search for the underlying principles of „a sculptural cosmos in graphic
form“(Theo Kneubühler).
|