Zur Ausstellung von Uta Reinhardt - Malerei
24.06-04.08.2012
Eröffnung: Sonntag, den 24. Juni von 11:30 Uhr - 20:30 Uhr
Begrüßung: Martin Burkart und anschließend ein Künstlergespräch zwischen Peter Voncken und Uta Reinhardt
Jede Zeit hat ihr Raunen. Es wird gemunkelt, man hätte die Kunstmaler ausgeschlossen. Ihnen sei die
kulturelle Breitenwirkung verlorengegangen. Sie seien Elite, ihre Kunst Luxus, für einen Bruchteil der
Gesellschaft zugänglich. Sie seien überflüssig, in einer www-schnellen Gleichzeit, im Deutschland sucht
den Superstar, da die Dieter Bohlen, die Madonnas, die Beckhams und die Geissens dieser Welt den
Steilpass geben und somit mehr oder weniger bestimmen, wer hip ist und was man outsourcen sollte.
Auch die wirklich wichtigen Museumsmacher und Ausstellungsorganisatoren sind genötigt, Quoten
stärker zu bedienen; auch in unserer pluralistischen Demokratie, dem zunehmenden Utilitarismus
und unserem freiheitlich orientierten Wirtschaftssystem ist der Raum streng bemessen. Populisten wie
Jeff Koons oder Damien Hirst erzielen die hohe Einschaltquote. Sie stehen wie Andy Warhol, genialer
Vordenker und Vorreiter, in der Tradition des in Manufakturen allerhand für jedermann produzierenden
Künstlers. Von der Provokation zum Klassiker ist ein Rezept. Doch das läßt sich einfach sagen;
nichts läuft zu keiner Zeit ohne den Weg über den Betrachter, den Sammler und den Händler - und jeder
Anfang ist schwer. Die Nachhaltigkeit der Werke allerdings, hat immer nur der Künstler als Individuum
und immer erst die Zeit, die Zukunft befördert. So nimmt es nicht Wunder, wenn einige Kunstbeobachter
enttäuscht beginnen, den Sinn der jeweiligen künstlerischen Bewegung zu hinterfragen, mehr über
das Künstlerdasein und den dazu gehörenden Traum wissen möchten; hoffend, daß sich Maler, Dichter,
Bildhauer, Fotografen, Regisseure, Akteure, Musiker finden, die mit neuer Kraft ihre Visionen und ihre
Arbeit dimensionieren.
Leonardo da Vinci (1452 - 1519), Schöpfer der Gioconda (Mona Lisa / Portrait einer Hausfrau), wurde
manches Mal von seinen Auftraggebern fortgeschickt, so zum Beispiel von Cesare Borgia, ohne einen
Cent für seine Arbeit erhalten zu haben. Oft wollten seine Auftraggeber ihn beherrschen und allein für
sich beanspruchen, dabei geriet er immer wieder zwischen die Fronten: der französische König Franz I.
auf der einen, die italienischen Fürsten auf der anderen Seite. Aufgrund seiner Homosexualität befand er
sich stets in Gefahr von der Inquisition verurteilt zu werden. Von diesem Hintergrund hat sich da Vinci
in seiner Arbeit nicht beirren lassen. Da Vinci war Maler, Naturwissenschaftler, Anatom, Ingenieur und
Erfinder (u.a. des Taucheranzugs) und konnte selbst als Architekt, Eventorganisator, Bildhauer und Musiker
überzeugen. Die Vielfalt und die überragende Begabung auf all diesen Gebieten machten ihn zum
Inbegriff des Künstlers als den klugen Macher. Darüber hinaus wären auch seine Arbeiten ohne etliche
weniger bekannte Wissenschaftler und Künstler nicht möglich gewesen. Kunst ist immer auch Fortsetzung
und jedes künstlerische Lebenswerk entsteht unter diversem Einfluß.
Jedes einzelne Kunstwerk, sei es noch so minimalistisch, ist durch unsichtbare, geistige Freundschaften
und Gedankenentwürfe verbunden, die man als Linien bezeichnen kann. Der Künstler tritt aus seinem
Werk wie ein Bote hervor, ein Bote von Aussichten und Gefahren; ein Mittler zwischen Vorstellung und
Wirklichkeit. Im Werk manifestiert sich sein Bezug zur Welt, sein Behagen und sein Unbehagen. Lassen
wir uns darauf ein. In dem 2011 entstandenen Werk Linien und Boten von Uta Reinhardt ist vorn rechts
ein Mensch im Taucheranzug abgebildet. Direkt in der Mitte des Bildes, eine Unterführung, ein Tunnel
oder eine Art magische Glaskugel, die es dem Taucher erlaubt, Informationen zwischen der hiesigen
und der jenseitigen Welt auszutauschen. Das gesamte Werk leuchtet golden auf schlammig schwefeligem
Grund, wird rechts von dunklem Caput mortuum getragen und ist von feinen Linien durchzogen,
wie marmorierter Speck. Linien, durch die die alltäglichen Kontraste hindurchschimmern: Dieselluft
im Wildwuchs; Totalnutzen - noch Niemandsland, Ampelfarben, schwarzer Himmel - weiße Nacht,
Lauschen im Lärm, Nebel und Riß; sich polarisierende Gebiete. Seitdem Uta Reinhardt von dem außergewöhnlichen
Sammler und Galeristen Dr. Alfred Gunzenhauser unterstützt wird, darf man getrost von
einer öffentlichen Rezeption ihres Gesamtwerkes sprechen. Die Hegau Bodensee Galerie möchte in Zukunft
zum Erfolg der Malerin beitragen. Ihre stillen Bilder sind von aufregender Malerei. Sie besitzt die
instinkthafte Energie des Künstlers, die in ihr einerseits eine erfolgversprechende Arbeitswut generiert,
andererseits ist diese Energie gleichzeitig ein Schutzfaktor, damit die geballte Kraft der globalen
Tagesereignisse den Künstler vor Rohheit und Verflachung, vor Zerstreuung und Routine schütze.
Gut Kunst!
|