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Eva Kotátková / Jiří Kovanda - Hanging Sleeves, Hiding Hands (Vienna)    4. Sep - 5. Okt 2013

Invitation
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Eröffnung | Opening
03.09.2013, 19 – 21h | 7 – 9pm

Betrachtet man Eva Kotátková szenische Installationen und Jiří Kovandas diskrete Interventionen, könnte man meinen, einen starken Kontrast zu erkennen. Tatsächlich beschäftigen sich aber beide Künstler mit den Methoden, wie Menschen zu Subjekten gemacht werden, sowie mit „Praktiken der Spaltung“, die uns entweder von uns selbst oder von anderen abgrenzen. Der Unterschied zwischen Kotátková und Kovandas jeweiligen Mitteln liegt ihren unterschiedlichen Erfahrungen begründet, sowohl in der Kunst als auch im Leben. In den 1970er Jahren führte Kovanda seine Aktionen und Installationen nur einem engen Freundeskreis vor, außerhalb jeglicher offizieller Institutionen. Kovanda selbst bestand auf seine Individualität und lehnte politische Interpretationen seiner Aktionen ab. Andererseits stellt Kotátková die Subjektivierung als ein Ergebnis der Machtverhältnisse gesellschaftlicher Institutionen wie Schule, Fabrik, Gefängnis oder gar Sprache, dar, wodurch sie paradoxerweise bestätigt, dass die politische Ausübung von Macht nur dann zum Gesprächsstoff werden kann, wenn die elementare Gerechtigkeit, die Kovanda einst verwehrt blieb, hergestellt ist. Der Unterschied zwischen den beiden Künstlern, abgesehen von den verschiedenen Medien (Installation und Intervention), ist auch dann offensichtlich, wenn beide beinah identische Ausdrucksmittel einsetzen. Ausstellungspodeste waren bereits in Kovandas letzter Ausstellung Teil der Installation – sie wurden sparsam eingesetzt, um die elementaren körperlichen Eigenschaften von Schwerkraft, Labilität oder Nähe darzustellen. In der aktuellen Ausstellung stehen die Podeste jedoch für die institutionelle Sichtbarmachung. Das zentrale Objekt der Ausstellung ist eine frontseitig montierte Platte, auf der zwei Mäntel aufgehängt sind, deren Ärmel sich ganz sanft bewegen. Diese Bewegung wird von den beiden Künstlern, Kovanda und Kotátková, verursacht – sie stehen hinter der Platte und verstecken ihre Hände in den hängenden Ärmeln. Obwohl beide dasselbe tun, bedeutet die Aktion für jeden etwas anderes: Kovanda setzt hier das Projekt seiner früheren Aktionen fort, die sich mit dem Thema des Verschwindens und der Unmöglichkeit von Kontakt auseinandersetzen, wohingegen Kotátková mit ihren Installationen und Performances dem verborgenen Leben der Dinge und der stummen Sprache des sich auflösenden Körpers auf den Grund gehen möchte. Der Titel der Ausstellung könnte nahelegen, dass die „hängenden Ärmel“ mit den „versteckten Händen“ identisch sind – Tatsache ist aber, dass Kovanda sich auf das Verbergen der Hände konzentriert, während Kotátková sich eher mit der Bewegung der hängenden Ärmel befasst. Dieser Unterschied – zwischen äußerlich ungleichen und doch scheinbar ähnlichen Arbeiten – ist das zentrale Thema dieser Ausstellung: Er ermöglicht es uns, die sonst verborgenen Arbeitsmethoden und Hintergründe der beiden Künstler zu erforschen. Ganz oben auf der Liste der Methoden rangiert die Bereitschaft zur Zusammenarbeit: bei Kovandas Aktionen sind es Besucher der Ausstellung, die unentgeltlich mitmachen, bei Kotátková Performances bezahlte Schauspieler. Oder auch die Zusammenarbeit miteinander, wie es in dieser Ausstellung der Fall ist. Egal ob aus dem Blickwinkel der Individualität (Kovanda) betrachtet oder aus der entgegengesetzten Richtung, aus dem Blickwinkel der Gesellschaft (Kotátková), kommen wir immer zu dem Schluss, dass die Befreiung von uns selbst oder von der Subjektivierung, die uns die disziplinierende Gesellschaft zuschreibt, nur mit vereinten Kräften gelingen kann.

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