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Artissima, Turin    8. Nov - 11. Nov 2012

Pie seco/Pie mojado
Francis Alÿs
Pie seco/Pie mojado, 2006
 
Llaves (Keys) (Asesinados - Freedom)
Teresa Margolles
Llaves (Keys) (Asesinados - Freedom)
 
PM 2010
Teresa Margolles
PM 2010, 2012
 
Passages
Adrian Paci
Passages, 2012
 
  
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FRANCIS ALŸS, TERESA MARGOLLES, ADRIAN PACI

Liebe Freunde der Galerie,

Wir freuen uns, Sie über unsere Teilnahme an der Artissima in Turin zu informieren und präsentieren Ihnen gerne unsere Einzelausstellung von Teresa Margolles sowie weitere Werke von Francis Alÿs und Adrian Paci.

Thematischer Schwerpunkt liegt auf dem politischen wie auch poetischen Werk von Teresa Margolles. Seit Jahren beschäftigt sich die mexikanische Künstlerin mit den Auswirkungen des Drogenkrieges und der kriminellen Kriegsführung in Mexiko. Ihr Werk - eindringlich und ästhetisch zugleich - thematisiert soziale Missstände sowie politische Korruption und deren Folgen. Anhand formalistisch-minimalistischer Strukturen oder visueller Sprache konfrontiert uns die Künstlerin mit Gewalt und Tod, und führt uns dabei stets unser gesellschaftliches Bewusstsein vor Augen. Mit scheinbar gewöhnlichen Materialien gelingt es Margolles politische Gedanken in unsere Alltagswahrnehmung einzuführen. Mit ihrer Einzelausstellung "Frontera" war die Künstlerin 2010 in der Kunsthalle Fridericianum in Kassel sowie 2011 in Museion in Bozen zu sehen. 2009 repräsentierte die Künstlerin den mexikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig.

Wir werden an unserem Stand das neueste Werk der Künstlerin vorstellen: PM 2010 (2012). Als editiertes Buch oder als Installation, wie es auf der siebten Berlin Biennale 2012 ausgestellt wurde, zeigt es alle Titelseiten der Lokalzeitung PM aus Ciudad Juárez, Mexiko, des Jahres 2010. Eines der gewaltsamsten Jahre in der Geschichte der Stadt, in dem jeden Tag mindestens 10 Morde verzeichnet wurden. Die täglichen Bilder von Gewalt und Tod, in direkter Gegenüberstellung mit erotischen Anzeigen, sind Zeugen des Zusammenbruchs des sozialen Haltes und der Widerstandsfähigkeit der Allgemeinheit dieser Grenzstadt. Die Künstlerin führt uns nicht nur die schrecklichen Folgen der organisierten Drogenkriminalität vor Augen, sondern appelliert an unser kollektives Verantwortungsempfinden.

Die Installation Llaves / Keys (2012) besteht aus mehreren Paaren von Schlüsseln, die gewöhnlich als glücksbringende Souvenirs für Besucher dienen. Anstelle von Wünschen wurden jedoch Konnotationen zu beiden Grenzstädten, Ciuadad Juárez in Mexiko und El Paso in Texas, eingraviert. Befragt wurden dabei Bewohner aus beiden Städten. Anhand dieser Ansammlung einzelner Wahrnehmungen reflektiert die Künstlerin die soziale Realität Mexikos.

Die Arbeit Fragmentos de la ciudad. Ladrillo baleado / Fragments of the city. The wounded brick (2010) besteht aus zwei Betonblöcken, einer davon versehen mit einem Schussloch - Ein stummer Erzähler von Geschichten vergangener Straftaten in Mexiko.

In 37 cuerpos / 37 Bodies (2007) ist eine gewöhnlich aussehende Schnur zwischen zwei Wände gespannt. In Wirklichkeit besteht die Schnur jedoch aus 37 Fadenstücken - jedes Stück repräsentiert einen menschlichen Körper. Die Fäden wurden nach Autopsien verwendet, um Leichen, die alle einen gewaltsamen Tod erlitten haben, wieder zusammenzunähen. Ihr gemeinsames Schicksal verbindet sie zu einer Grenze, die Leben und Tod einander gegenüberstellt.

Mit der zweiteiligen Fotografie Herida Proyecto Ecatepec (Documentation) / Wound Ecatepec Project (Documentation) (2007) dokumentiert die Künstlerin die Schaffung eines Kanals - gefüllt mit Flüssigkeiten ermordeter Opfer von Straftaten - in der Fundación Jumex Mexico. Im Laufe der Zeit bilden die Flüssigkeiten eine Kruste. Die Arbeit ist nicht nur eine Anspielung auf die täglichen Gewaltverbrechen in Mexiko, sondern auch auf die soziale Ausgrenzung, definiert durch geografische und politische Räume und Grenzverläufe.

Vestidos / Clothes (2006) umfasst 17 Kleidungsstücke, versehen mit menschlichem Fett mexikanischer Frauen. Sie alle haben häusliche Gewalt erlitten. Ihre Energie und Geschichten werden in diesen Kleidungsstücken, die sie während ganz alltäglicher Aktivitäten getragen hatten, materialisiert. Auf dem Boden verteilt entpuppt sich die scheinbar bunte Sammlung als Repräsentation gedemütigter Weiblichkeit.

In der Klanginstallation Trepanaciones (Sonidos de la morgue) / Trepanations (Sounds of the morgue) (2003) erhält das Geräusch einer Säge ganz plötzlich eine schreckliche Qualität, sobald wir die Geräuschquelle vernehmen: Wir werden Zeuge der Öffnung eines Schädels. Da kein Bildmaterial zur Verfügung steht, wird der Hörer seiner eigenen Phantasie unterworfen. Das Entsetzen, das unser Bewusstsein durchdringt ist unerbittlich, zumal wir unsere Ohren nicht wie unsere Augen verschliessen können.

Neben einer Auswahl von Arbeiten auf Papier von Francis Alÿs wird die zweiteilige Ölarbeit Pie seco/Pie mojado / Dry foot/Wet Foot (2006), die auf die illegale Einwanderungsbewegung von Kuba in die USA anspielt, präsentiert.

Ausserdem werden neue Malereien des in Italien lebenden Künstlers Adrian Paci gezeigt, mit denen der Künstler seine Serie "Passages" fortsetzt. Arbeiten auf Papier ergänzen ausserdem die bestehende "Wedding"-Serie.

Für weitere Fragen kontaktieren Sie bitte Sabine Leuzinger (s.leuzinger@peterkilchmann.com).

Mit besten Grüssen Galerie Peter Kilchmann

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