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Nairy Baghramian: Fluffing the Pillows (Neven-DuMont-Straße 17 & Elisenstraße 4-6, 50667 Cologne)    9. Nov , 2012 - 5. Jan 2013

Fluffing the Pillows
Nairy Baghramian
Fluffing the Pillows
 
  
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Nairy Baghramian: Fluffing the Pillows

9. November 2012 – 5. Januar 2013
Eröffnung: Freitag, 9. November, 2012, 19-21 Uhr

Wir freuen uns, unter dem Titel “Fluffing the Pillows” Nairy Baghramians zweite Einzelausstellung in der Galerie Buchholz ankündigen zu dürfen. Nairy Baghramian (*1971 in Isfahan, lebt in Berlin) wurde in diesem Jahr mit dem Hector Kunstpreis der Kunsthalle Mannheim ausgezeichnet. Die Installation die Nairy Baghramian hier nun in beiden Kölner Galerieräumen zeigt, ist eine modifizierte und erweiterte Version ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim. Anläßlich der Mannheimer Ausstellung ist ein Künstlerbuch in Form eines Boot Magazins erschienen.

Andre Rottmann: "Nairy Baghramian" – Skulptur als Platzhalter", in: Boats Magazine, exh. cat. Kunsthalle Mannheim, 2012, S. 30-43:

[...] Die beiden als sockellose Plastiken installierten Arbeiten weisen die größten Dimensionen innerhalb dieser Gruppe von Unikaten auf. Wie bereits der Titel Moorings (2012) nahe zu legen scheint, könnten die fünf aus Aluminum gegossenen Haken gleichermaßen in Häfen dazu dienen, Boote festzutauen. De facto ist ihre Gestalt den Konstruktionen an Kränen entlehnt, mit deren Hilfe etwa Container verladen werden. [...]

In Fluffing the Pillows [...] wird diese Werkgruppe von amorphen Objekten begleitet, die in horizontaler Ausdehnung (im Raum verteilt sind). Die Berliner Künstlerin hat gemusterte und monochrome Stoffsäcke mit Mineralwolle und zwischenzeitlich ausgehärteter Baumasse gefüllt. Diese Skulpturen firmieren als Silos (2012), wodurch der Umstand betont wird, dass sie von Baghramian primär als Behältnisse für diverse Materialien definiert werden, sich also ihre wechselhafte Form aus der entropischen Verteilung des jeweiligen Inhalts ergibt. Auch wenn ihre Wülste, Faltungen und Knicke den Eindruck von „soft sculptures“ erwecken, sind sie doch fest und stabil. Trotzdem bedürfen sie offenbar Halterungen. Selbst in den Fällen, in denen sie nicht mittels Schlaufen aus Kunstleder und gummierten Seilen an den Moorings befestigt sind, kommen feingliedrige Gerüste aus verchromten Aluminiumstangen namens Gurneys (2012) zum Einsatz, um die gestaltlosen Stoffsäcke am Boden zu stützen. Der englische Titel, mit dem transportable Krankenbahren bezeichnet werden, betont so zusätzlich die Spannung zwischen Trägern aus Metall und auf den ersten Blick haltlosen Körpern aus Stoff, welche für die Konzeption und Installation von Baghramians Ausstellung bestimmend ist. Während die Moorings in einer Signalfarbe gehalten sind, weisen die für die Hüllen der Silos verwendeten Textilien nur noch die Spuren vormaliger Muster auf.

Baghramian hat vorhandene Einfärbungen und Designs sichtlich gebleicht. In anderen Fällen sind sie durchgehend farblos, wobei einige Partien mit einem pastosen Gummianstrich versehen wurden, wie er beispielsweise in der Schifffahrt oder beim Segeln benutzt wird, um Feuchtigkeit abzuweisen.

In ihrer [...] Ausstellung stellt Baghramian mithin gegensätzliche materielle, morphologische und diskursive Bestimmungen des Skulpturalen zur Schau: Fest umrissene Hohlformen aus Metall, die in der kunsthistorischen Linie von Constantin Brâncusi bis Richard Serra mit dem maskulinen Paradigma der industriellen Produktion assoziiert werden können, finden sich mit Objekten aus Stoff und Füllmaterialien kombiniert, die von Hand gefertigt sind und in der Nachfolge von Positionen wie Louise Bourgeois und Claes Oldenburg eher feminin konnotiert erscheinen müssen. Jedoch erschöpft sich Baghramians jüngste Ausstellung – wie auch ihre gesamte künstlerische Praxis der letzten Dekade – nicht darin, diese Oppositionen lediglich wieder aufzuführen. Fluffing the Pillows ist vielmehr den Versuch, sie jenseits von Strategien des Pastiche oder der Parodie gleichsam in Bewegung zu versetzen. So rückt Baghramian etwa die Haken durch die Farbwahl in die Nähe von Elementen der Dekoration, d. h. gerade nicht (wie so oft) in die entfernt an Kissen erinnernde Stoffarbeiten, die sowohl eine Gestalt als auch elaborierte Gestaltung eher verweigern. Den Haken wird als Halterungen der Stoffsäcke hingegen eine Funktion verliehen, die ihre Autonomie als selbstgenügsame Objekte unterminiert und sie zwischen Display-Modulen und genuinen Werke oszillieren lässt, während die Silos trotz ihrer formalen Nähe zu den Sitzgelegenheiten quasi-partizipativer Kunstprojekte (etwa denen von Franz West) jeder robusten Zweckmäßigkeit enthoben sind, müssen die Streben der Gurneys sie doch scheinbar in Position halten.

Im Zuge dieser für Baghramians Praxis [...] grundlegenden Methode einer reflexiven Inversion dominanter Paradigmen des Skulpturalen wird in Fluffing the Pillows auch deutlich, dass künstlerische Produktion bei ihr [nicht zu trennen] ist von der Frage nach dem spezifischen Kontext einer Ausstellung [...].

Unter den Bedingungen einer globalen Zirkulation von Waren, Gütern und Dienstleistungen, so scheinen Baghramians Arbeiten [...] zu suggerieren, haben auch Skulpturen keinen angestammten Ort mehr. Der Raum des Museums ist vielmehr ein Punkt innerhalb der unaufhörlichen Passage, die ästhetische Objekte durchlaufen. Sie werden lediglich kurzzeitig zum Lüften herausgehängt. Zugleich sind Kunstinstitutionen nur einer der Kontexte, in denen jene Erfahrungen gemacht werden sollen, die vormals ästhetisch genannt wurden, inzwischen aber vornehmlich durch die Kontrollregimes des Designs, der Mode und anderer Zweige des kulturindustriellen Komplexes determiniert werden. Aus eben diesem Grund treten Baghramians Werke [...] dem Betrachter nicht als anachronistische Rudimente entgegen. Vielmehr beziehen sie ihre eigensinnige Form nicht nur aus dem Wissen um kunsthistorische Vorläufer, sondern auch aus der Einsicht, dass Skulpturen in einem erweiterten Feld der Objektbeziehungen nicht zuletzt mit anderen Luxusgütern und Freizeitangeboten konkurrieren. Fluffing the Pillows umgibt entsprechend maritime Weltläufigkeit. So ist die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst – das stellt vorliegender Katalog vor Augen, für den Baghramian eine Fachzeitschrift für Boote und Segelsport geentert hat – ebenso Interesse wie Privilegien geschuldet. [...]

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Nairy Baghramian: Fluffing the Pillows

November 9th 2012 - January 5th 2013
Opening reception on Friday, November 9th, 2012, 7-9 pm

Under the title “Fluffing the Pillows” we proudly announce the second solo exhibition of Nairy Baghramian at Galerie Buchholz. The artist Nairy Baghramian (*1971 in Isafahan, lebt in Berlin) has been awarded with this year’s Hector Kunstpreis of the Kunsthalle Mannheim. The installation that Nairy Baghramian now presents in both Cologne gallery spaces is a modified and extended version of her exhibition at the Kunsthalle. On the occasion of the exhibition in Mannheim an artist book in the shape of a boats magazine has been published.

Andre Rottmann: "Nairy Baghramian" – Skulptur als Platzhalter", in: Boats Magazine, exh. cat. Kunsthalle Mannheim, 2012, S. 50-63:

[Two hooks] that are installed as sculptures without a base are the largest of this group of unique individual pieces. As the work’s title, Moorings (2012), would seem to suggest, the five hooks made of cast aluminium might just as easily be used for tying up boats in a harbour. In point of fact, their shape is derived from those hooks seen on the sort of cranes used for loading and unloading containers. [...]

In Fluffing the Pillows [...] the [...] works described above [are] joined by several amorphous objects that spread horizontally over the floor [...]. The artist based in Berlin has stuffed patterned and monochrome cloth sacks with mineral wool and building materials that have set in the meantime. These sculptures are called Silos (2012), which emphasises the point that Baghramian regards them primarily as receptacles for diverse materials, and that their changing forms are the product of the entropic distribution of what each of them contains. Even though their bulges, folds and buckling may call to mind associations with ‘soft sculptures’, they are, in fact, solid and stable. Nonetheless, it would appear that they require support in some form. In those cases when they are not attached to the Moorings using straps made of artificial leather and rubber-coated cords, rather delicate constructions made of chrome-plated aluminium poles called Gurneys (2012) are employed to support the formless sacks on the floor. This English word, which describes a stretcher on wheels, further emphasises the tension and contrast between the rigid supports made of metal and the figures made of fabrics that seem so floppy at first glance – a tension that is a crucial element in the concept and installation of Baghramian’s exhibition. While the Moorings all have the same signal colour, only traces of their original pattern can be seen on the textiles used to cover the Silos. Baghramian evidently bleached out the original dyed colours and designs. In other cases, the fabrics are entirely colourless, although some parts have been coated with thick rubber, in a manner reminiscent of the way this substance is used on boats and yachts to repel water.

In her exhibition [...] Baghramian has therefore presented contrasting and conflicting material, morphological and discursive sculptural elements and co-ordinates: sharply delineated hollow forms made of metal that – within the art-historical trajectory extending from Constantin Brâncusi to Richard Serra – might be associated with the masculine paradigm of industrial production are grouped with objects made of fabrics and padding that have been made by hand and which, as successors of positions once taken by artists like Louise Bourgeois and Claes Oldenburg, are bound to evoke more feminine connotations. However, the import of Baghramian’s latest exhibition – just like that of all of the work she has produced during the last decade – extends far beyond the mere repetition of such oppositions and contrasts. Rather, Fluffing the Pillows is an attempt to set both poles in motion simultaneously while going beyond the strategies of pastiche or parody. In her choice of colour, Baghramian thus lends the hooks a decorative aspect, which is most definitely not the case (as it so often is) with respect to the fabric-covered pieces that distantly recall cushions yet seem to elude any attempt to pin them down to a particular shape or to lend them a more elaborated form. In contrast, in their role as holders of the cloth sacks, the hooks are given a function that undermines their autonomy as self-sufficient objects, with the result that they oscillate between display modules and genuine artworks, whereas the Silos – in spite of their formal proximity to those seat-like objects seen in quasi-participational art projects (like those of Franz West) – utterly lack the quality of sturdy usefulness and seemingly even have to be held in place by the rods of the Gurneys.

Using this method involving reflexive inversion of dominant paradigms of the sculptural that is [...] fundamental to Baghramian’s working practice, Fluffing the Pillows also clearly reveals that, for her, artistic production cannot be separated either from the specific context of an exhibition or from the social and economic status of aesthetic objects [...].

In a world in which wares, goods and services are constantly on the move and globally accessible, Baghramian’s works [...] would seem to imply that sculptures do not have a permanent location, either. Rather, the interior space of a museum is just one single stopping point in an endless route of transit that aesthetic objects are transported along. They are merely hung up and given a brief airing from time to time. At the same time, art institutions are just one of many contexts in which one might have the sort of experiences that used to be called aesthetic but, in the meantime, have become largely determined by the controlling regimes imposed by design, fashion and other branches of the various facets of the culture industry. It is for this very reason that Baghramian’s works [...] do not present themselves to the viewer as anachronistic remnants. Instead, they seem to have derived their rather willful forms not only from an awareness of their art-historical predecessors but also from discernment of the fact that, within the broader field of object relationships, sculpture has to compete with other luxury goods and leisure attractions. Fluffing the Pillows accordingly has an aura of maritime cosmopolitanism. Thus, the critical consideration of contemporary art – this is made evident in the present catalogue, for which Baghramian boarded a specialist magazine for boating and sailing – owes as much to interest as to privileges. [...]

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