Trevor Paglen

Trevor Paglen

untitled (predator drone) by trevor paglen

Trevor Paglen

Untitled (Predator Drone), 2013

Preis auf Anfrage

Freitag, 6. September 2013Samstag, 2. November 2013


Cologne, Germany

Eröffnung: Samstag, 7. September, 16 Uhr. Der Künstler ist anwesend.
Einführung: Prof. Thomas Wagner, Autor und Kunstkritiker
Vortrag von Trevor Paglen: Sonntag, 8. September, 12 Uhr, anschließend Book Signing

Düsseldorf Cologne Open Galleries 2013
Freitag, 6. Sept., 18 - 22 Uhr
Samstag, 7. Sept., 12 - 20 Uhr
Sonntag, 8. Sept., 12 - 18 Uhr

Die Galerie Thomas Zander stellt in der aktuellen Ausstellung neue großformatige Fotografien Trevor Paglens sowie sein konzeptuelles Projekt The Last Pictures vor, in dessen Rahmen 100 Bilder mit einem Satelliten ins Weltall geschossen wurden. Neben der gezeigten Auswahl von Schlüsselmotiven aus The Pictures sind fotografische Himmels landschaften mit kaum sichtbaren militärischen Last Überwachungsdronen zu sehen. Seit etwa zehn Jahren dokumentiert Paglen (geb. 1974 in Maryland, lebt und arbeitet in New York) in seinen Werken Indizien verdeckter Spionage- und Militäroperationen der US- amerikanischen Regierung. Die gegenwärtigen politischen Entwicklungen, welche diese Thematik wieder stärker ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt haben, verleihen Paglens Œuvre erneut Brisanz. Jahrelang fotografierte der Künstler die geheimen Satelliten der Erdumlaufbahn, jetzt ist sein Werk selbst Teil des Orbits.

The Last Pictures entstand in Zusammenarbeit mit der Non-Profit-Organisation Creative Time und konnte während eines Künstleraufenthaltes am Massachusetts Institute of Technology mit zahlreichen Wissenschaftlern erarbeitet werden. In seiner fast fünfjährigen Recherchearbeit gelang es dem amerikanischen Künstler, ein Archiv von 100 Bildern zusammenzustellen, welches aus Gesprächen mit Künstlern, Philosophen, Historikern und Wissenschaftlern diverser Fachbereiche resultiert. Unter den Abbildungen sind sowohl historische Dokumentarfotografien, Zeichnungen, Gemälde, aber auch Diagramme, mathematische Formeln und andere wissenschaftliche Darstellungen. Die Auswahl ist inspiriert von Fragen danach, wie wir das Leben verstehen, nach dem Verhältnis von Sehen, Wissen und Macht, nach den Grenzen und Möglichkeiten von Sprache, der Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie den Versuchen, diese zu kontrollieren. Das Ergebnis ist visueller Ausdruck eines kritischen Blicks auf die Gegenwart, in Vorausdeutung auf eine prekäre Zukunft der Erde. Besonders die Bilder von Tsunamis, Massentierhaltung, Demonstrationen, Flüchtlingen oder die mikroskopische Vergrößerung eines Ebola-Virus zeichnen ein diversifiziertes Bild des blauen Planeten und konterkarieren die bekannten Golden Records aus dem Jahr 1977, die an Bord der Voyager 1 und 2 ins All gebracht wurden. Diese enthielten Bild- und Audiobotschaften, um Außerirdischen Lebewesen ein überaus positives Bild der Erde zu vermitteln. Doch diese Darstellung ließ schon seinerzeit Einwände laut werden, hatte man doch Bilder von hungernden Kindern, Kriegen und Krankheiten schlicht ausgelassen. Aus den Archiven dieser Welt ermittelt, liegt der Fokus der Last Pictures verstärkt auf der US-amerikanischen Geschichte und Kultur, so zeigen die Aufnahmen den Amerikanischen Pavillon der Weltausstellung in Moskau 1959, die Folgen von Agent Orange oder auch den Comic-Mutanten Captain America. Immer wieder rufen viele Fotografien, die der Künstler selbst als Fragmente bezeichnet, Assoziationen zur Raumfahrt auf, wie etwa eine futuristische Kolonialisierung des Mars oder geheime Militäroperationen im Weltall. Rezipiert werden aber auch Motive anderer Künstler, beispielsweise der Turmbau zu Babel von Pieter Bruegel dem Älteren - als Metapher für Hochmut und Fall der Menschheit - ein Bildthema, mit dem Paglen die Gegenwart über die Vergangenheit zu erschließen sucht.

Eine reine Bildbetrachtung jener Abbildungen gelingt nicht immer zweifelsfrei, denn oftmals verweigert sich ihr Sinn ohne zusätzliche Erklärung. So müssen diese Bilder fragmentarisch bleiben, ohne Anspruch auf eine vollständige Beschreibung der Zivilisation. Im All jedoch stehen Paglens Bilder für sich, da sie dort ohne jegliche Erläuterung sind. Mit The Last Pictures definiert Trevor Paglen durch seine konzeptuelle Herangehensweise die Kunst mehr denn je als Zeichensystem. Sein Bildarchiv stellt die Frage, welche Aussage ein Bild selbst transportieren kann. Diese arbiträre Beziehung von Bildinhalt und Deutung verleiht Trevor Paglens Archiv der letzten Bilder eine Bedeutsamkeit, die sie in die Nähe anderer wegweisender Werke der konzeptuellen Kunst rücken lässt, unter ihnen Hans-Peter Feldmanns Fotoserien oder auch der fotografischen Werkgruppe Evidence der Künstler Larry Sultan und Mike Mandel. Die konsequente Umsetzung des Projekts bildet gleichsam seinen Höhepunkt: Wissenschaftler des MIT fanden in Silizium ein überaus langlebiges Speichermaterial, in welches jene 100 Bilder eingeätzt wurden.

In einer versiegelten und mit Gold beschichteten Hülle eingeschlossen, wurde die Siliziumscheibe an der Außenhülle des Kommunikationssatelliten Echo Star XVI angebracht und im November 2012 vom kasachischen Baikonur aus in den Weltraum geschickt. Zahlreich sind dort schon heute die Relikte der Menschheit, denn in den letzten 50 Jahren wurden bereits Hunderte von Satelliten in den Orbit geschossen. Mit ihnen befindet sich Echo Star XVI nun im geostationären Orbit, und wird bis 2027 Fernsehbilder aussenden, um dann abgeschaltet dort zu verbleiben. Nach aktuellen Berechnungen wird sich in etwa 4 Milliarden Jahren die Sonne ausdehnen und alles Leben in unserem Sonnensystem vernichten. Dann wären diese 100 Fotografien die letzten visuellen Artefakte unserer Zivilisation. Trevor Paglens Bildersammlung in der goldenen Box - gemacht für eine Zukunft in der es kein Leben mehr auf Erden gibt - mag auf den ersten Blick an Andy Warhols Time Capsules oder auch an eine futuristische Flaschenpost erinnern. Tatsächlich ist das Projekt vor allem eine Geste, die die großen Gesten dieser Welt kritisch reflektiert. Im Kunstkontext betrachtet erscheint das Projekt des Konzeptkünstlers als ein abstraktes Experiment, welches Diskurse der Bildkritik aufgreift und Strukturen der Bild- und Kunstbetrachtung thematisiert.

Fotografien des amerikanischen Konzeptkünstlers sind in bedeutenden Sammlungen vertreten, darunter im Metropolitan Museum of Art in New York, im Dallas Museum of Art, dem San Francisco Museum of Modern Art oder im Kunstmuseum Liechtenstein. Ausstellungen seiner Werke sind derzeit u.a. in Istanbul, Stockholm, Porto Alegre (Brasilien) sowie in Winterthur zu sehen

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Friday, 6 September, 6 pm: opening on the occasion of the gallery weekend DC OPEN
Saturday, 7 September, 4 pm: introduction by Prof. Thomas Wagner. The artist is present.
Sunday, 8 September, 12 noon: talk by Trevor Paglen, followed by a book signing

Opening hours of the gallery during exhibition: Tue-Fri 11-6, Sat 12-6 pm and by appointment

Galerie Thomas Zander is pleased to present new large format photographs by Trevor Paglen as well as his conceptual project The Last Pictures during which one hundred images were sent into space aboard a satellite. Alongside the selection of key images from The Last Pictures, photographic skyscapes with barely visible surveillance drones are on view. For about a decade Paglen (born 1974 in Maryland, lives and works in New York City) has documented covert surveillance and military operations of the U.S. government in his works. Due to current political developments this subject has once again become the center of public attention, making Paglen’s œuvre all the more topical. For years, the artist has photographed the secret satellites, now his work itself has become part of the orbit.

The Last Pictures was commissioned by the nonprofit organisation Creative Time and was realised during an artist-in-residence programme at the Massachusetts Institute of Technology in cooperation with numerous researchers. During almost five years of research the American artist composed an archive of one hundred pictures, resulting from conversations with artists, philosophers, historians, and researchers from diverse fields. Among the illustrations are historical documentary photographs, drawings, paintings, but also diagrams, mathematical equations, and other scientific representations. This selection is inspired by questions of how we understand life, the relations between vision, knowledge and power, the limits and possibilities of language, our relation to nature and the ways in which we try to control it. The collection is the visual expression of a critical look at the present, foreshadowing a precarious future of the earth. Particularly the images of tsunamis, factory farming, demonstrations, refugees or the microscopic enlargement of the Ebola virus present a more diversified view of the blue planet and counteract the Golden Records, which were sent into space aboard the Voyager 1 and 2 spacecrafts in 1977. The records contained visual and audio messages that were meant to convey a positive image of the earth to extraterrestrials. This kind of representation, however, was criticized from the beginning, because images of starving children, wars and diseases had simply been omitted. Culled from the archives of the world, The Last Pictures puts a focus on US history and culture with photographs of the American Pavillon at the 1959 world’s fair in Moscow, the effects of Agent Orange or the comic book mutant Captain America. Frequently, the images, which the artist refers to as fragments, are related to spaceflight, as for instance the futuristic colonisation of Mars or covert military operations in space. Works of other artists are also included like The Tower of Babel by Pieter Bruegel the Elder – a metaphor for the pride and fall of humankind – a theme with which the present is approached through the past.

An immanent reading of these representations is not always possible because their meaning is often inaccessible without an additional explanation. In outer space, however, the pictures stand for themselves, and exist without commentary or context. So they remain fragmentary and do not claim to constitute a complete description of our civilisation. Through his conceptual approach in The Last Pictures Trevor Paglen defines art as a sign system. His archive poses the question what message the image itself can carry. This arbitrary relation between representation and meaning lends Trevor Paglen’s project a significance that brings other groundbreaking works of conceptual art to mind, among them Hans-Peter Feldmann’s photo archives or the photographic series Evidence by Larry Sultan and Mike Mandel. Researchers of the MIT developed an ultra-archival silicon disc, micro-etched with the one hundred pictures and encased in a gold-plated shell. In November 2012, the communications satellite EchoStar XVI was launched into geostationary orbit from Baikonur, Kazakhstan with the disc mounted to its anti- earth deck. There are already many relics of human life, since hundreds of satellites have been launched into the orbit within the last fifty years. Echo Star XVI is now in geostationary orbit and will transmit television signals until it will be switched off in 2027 and continues to circle the earth. According to current estimates, the sun will expand in about 4 billion years and destroy the life in our solar system. Then these one hundred pictures would be the last visual artefacts of our civilisation. At first glance, Trevor Paglen’s collection of pictures in a golden box – made for a future when life on earth has ended – may be reminiscent of Andy Warhol’s Time Capsules or a futuristic message in a bottle. But above all it is a gesture that critically reflects on the grand gestures of this world. In the context of art, the project by the conceptual artist appears like an abstract experiment, which takes up discourses of aesthetic criticism and addresses structures of how we look at images and art.

Paglen’s works are collected by major international institutions, including The Metropolitan Museum of Art in New York, the San Francisco Museum of Modern Art, the Dallas Museum of Art, and the Kunstmuseum Liechtenstein. Exhibitions of his works are currently on view in Istanbul, Stockholm, Porto Alegre (Brasil) and Winterthur.