MARIA JUSTUS: Red No. 29 (Klüser 2)

MARIA JUSTUS: Red No. 29 (Klüser 2)

Donnerstag, 25. Juli 2013Samstag, 10. August 2013


Munich, Germany

MARIA JUSTUS
Red No. 29

July 25 - August 10, 2013

Galerie Klüser 2

Eröffnung: 25. Juli 2013, 18 Uhr
Anlässlich der Ausstellung erscheint ein Katalog.

Die 1989 in Novosibirsk/Russland geborene und in München lebende und arbeitende Künstlerin Maria Justus leistet in ihrer Kunst einen Brückenschlag zwischen abstrakter Malerei, Collage und Installa-tion. In der ersten Einzelausstellung der Galerie Klüser 2 präsentiert die Künstlerin unter dem Titel Red No. 29 eine Werkgruppe, die ihren künstlerischen Impetus aus der Verknüpfung von Literatur, Kunst und Alltag gewinnt und deren erkenntnistheoretische Leistung in der Übersetzungsarbeit von konkreten Begriffen und zufälligen Assoziationen in abstrakte Farbfelder resultiert.

Maria Justus zeigt in der Galerie Klüser 2 einen Werkkomplex, der aus verschiedenformatigen Collagen besteht, welche jeweils aus zwei bis drei übereinander gelagerten Schichten aus monochrom gefärbtem Transparentpapier zusammengesetzt sind und deren Überschneidungen weitere Farbfelder erzeugen. Die Farben und Formen der collagierten Flächen entstehen dabei nicht zufällig, sondern entspringen einem akribischen Übersetzungsprozess von literarischen Begriffen in farbige Bildfelder einerseits und deren spon-taner Assoziation mit der Farbigkeit willkürlich gewählter Alltagsgegenstände aus dem Kontext der Populärkultur andererseits.

Ausgangspunkt von Justus’ Ausstellungskonzept bildet eine fundierte Lektüre von Johann Wolfang von Goethes Faust I (1806). Der zwanzigjährige Entstehungszeitraum dieses Hauptwerks der Literaturgeschichte überschneidet sich mit der Arbeit an seiner Farbenlehre (1810), in der Goethe gegen Issac Newtons Auf-fassung von Farben als Bestandteile des weißen Lichts die These vertritt, dass sich Farben aus einer Wechselwirkung von Licht und Finsternis ergeben.

Vor diesem Hintergrund untersucht Maria Justus Goethes Faust auf die implizite Farbigkeit seiner metaphorischen Begriffskontexte. Die Formgebung der Farbflächen ist dabei inspiriert von einer fundierten Auseinandersetzung mit den in Faust angeführten Handlungsorten. Hierzu hat Maria Justus die historischen Landkarten der in Faust erwähnten Städte recherchiert, nachgezeichnet und verfremdet, indem sie die Umrisse der kartographierten Städte verzerrt, ausgedehnt oder gespiegelt hat.

Maria Justus bleibt jedoch nicht stehen bei einem singulär kodierten Medientransfer zwischen Begriff und Farbe, Literatur und Kunst, sondern es geht ihr ebenso um den Einbezug der konkreten Realität. Wie auch das Lesen historischer Literatur immer nur vor der Folie der gegenwärtigen Realität des realen Lesers geschehen kann, bezieht die Künstlerin die Assoziationen ihres Alltags, speziell die der Populärkultur und der Mode, in ihre Kunst mit ein - mehr noch, sie werden zu maßgebenden Komponenten ihrer Kunstwerke: das Rot eines Chanelnagellacks bestimmt die Farbigkeit eines in ihren Collagen auftretenden Rottones ebenso wie das Bordeauxrot einer im Schaufenster ausgestellten Designerrobe. Literarische Wortfelder und alltägliche, populärkulturell kodierte Assoziationen spielen eine gleichwertige Rolle in Justus’ künstlerischem Schaffen, die sie in den Titeln ihrer Arbeiten evident macht, welche die Benennung der dargestellten Farben kom-binieren mit den Farbbezeichnungen aus der Modeindustrie: Rouge Pop Art - Lemon drop – Absolutely Blue.

Maria Justus’ Ziel ist es, immer wieder neue, inspirierende Farbklänge und Formspiele zu entwickeln. Dies gelingt ihr, indem sie sich auf das Zusammenspiel verschiedenster Assoziationen einlässt, die sie in einer akribischen Übersetzungsarbeit in Kunstwerke transformiert, die sich in ihren Erscheinungsformen von Dekonstruktion, Abstraktion und Minimalismus manifestieren. Durch die Visualisierung der verschiedensten popkulturellen und literarischen Eindrücke öffnet Justus den elitären Bildraum des Kunstwerks und verwandelt es in ein egalitäres Spielbrett, auf dessen Blickfeldern und Bildflächen jeder Betrachter seine ureigensten Assoziationen projizieren kann.